Charlie Hebdo „Im Paradies schnappen sie uns die Jungfrauen weg“

Das Bild vom weinenden Mohammed geht um die Welt: Die neue Ausgabe der Satirezeitschrift Charlie Hebdo liegt am Kiosk. Die Macher kontern den Terror mit Humor – und verspotten sogar die beiden Attentäter.
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Ausverkauft – Franzosen stürzen an die Kioske
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Schon in den frühen Morgenstunden sicherten sich viele Franzosen ihr Exemplar von „Charlie Hebdo“. Es war die erste Ausgabe der Satirezeitschrift nach den Terroranschlägen in der vergangenen Woche.

huGO-BildID: 41143804 People wait outside a newsagents in Dunkirk on January 14, 2015 as the latest edition of French satirical magazine Charlie Hebd
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Vor vielen Kiosken bildeten sich wie hier in Dünkirchen schon vor der Öffnung lange Schlangen. Das Magazin erschien in der Rekordauflage von drei Millionen Exemplaren.

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Die neue Ausgabe war in kurzer Zeit in allen 27.000 Zeitungsläden Frankreichs ausverkauft, wie die Presse-Handelsvereinigung mitteilte. Hier stehen Käufer an einem Kiosk in Paris an.

A handwritten sign is displayed at a newsstand after the limited stock of Charlie Hebdo sold out in Paris
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„Kein Charlie mehr“, meldete nicht nur dieses Geschäft in Paris. Nach dem Ansturm auf die neue Ausgabe wird die Rekord-Auflage noch einmal erhöht: Statt drei Millionen würden nun fünf Millionen Exemplare gedruckt, gab der Vertrieb bekannt.

huGO-BildID: 41144662 A sign which translates as "Charlie Hebdo - Sold Out - Next deliveries on Thursday, Friday and Saturday" is displayed
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Neue Lieferungen am Donnerstag, Freitag und Samstag verspricht auch dieser Händler in Straßburg. Normalerweise erscheint „Charlie Hebdo“ mit einer Auflage von 60.000 Exemplaren.

French satire magazine Charlie Hebdo to feature Muhammad pictures
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Nach dem islamistischen Anschlag auf die Zeitung mit zwölf Toten am Mittwoch vergangener Woche in Paris ist auf der Titelseite der neuen Ausgabe erneut eine Mohammed-Karikatur abgedruckt.

huGO-BildID: 41144081 People wait outside a newsagents in Bordeaux on January 14, 2015 as the latest edition of French satirical magazine Charlie Heb
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Hier sichern sich Kunden in Bordeaux ihre Exemplare. Laut Medienberichten soll es in einigen Geschäften zu Handgreiflichkeiten gekommen sein, nachdem „Charlie“ vergriffen war.

ParisNotoperation geglückt: Die unter extremen Bedingungen produzierte neue Ausgabe der Satirezeitung Charlie Hebdo ist nur eine Woche nach dem Massaker in der Redaktion im Verkauf. Schon um halb acht am Mittwochmorgen waren die Kioske ausverkauft. Wer ein Exemplar der 16 Seiten starken neuen Charlie Hebdo ergattern wollte, musste beispielsweise vor dem Drugstore Publicis Schlange stehen, der erst um acht Uhr öffnete und sich eine größere Lieferung gesichert hatte. Nun sollen bis zu fünf Millionen Exemplare gedruckt werden.

Viele Franzosen – und auch viele Ausländer – wollen die Ausgabe Nummer 1178 als Erinnerungsstück. Aber lohnt sich der Kauf für den, der harte Humor-Maßstäbe anlegt? Gelingt der Redaktion der schier unmögliche Balanceakt, den Tod der eigenen Kollegen zu betrauern und trotzdem komisch zu bleiben? Zweimal ja. So schräg es wirkt, und obwohl sie bei der Produktion teils noch traumatisiert, teils nur am Weinen waren: Das Lachen ist der Redaktion nicht abhandengekommen. Der Terror hat den Humor nicht besiegt.

Seite Eins mit dem weinenden Mohamed ist auch in Deutschland bereits veröffentlicht worden. Auf Seite 2 findet sich die vielleicht beste Karikatur der Ausgabe, eine bislang unveröffentlichte von Tignous, der am 7. Januar erschossen wurde. Sie wirkt geradezu prophetisch. Drei Fundamentalisten sitzen zusammen, einer von ihnen sagt: „Die Leute von Charlie Hebdo dürfen wir nicht anrühren!“ Die anderen antworten: „Sonst gelten sie als Märtyrer und im Paradies schnappen diese Wichser uns die Jungfrauen weg!“

Charlie hat nichts vom Ordinären, Respektlosen, blasphemischen und sexbesessenen Stil verloren, der das Blatt seit Jahren auszeichnet. Auf Seite drei eine Zeichnung von Cabu, auch er wurde am vergangenen Mittwoch erschossen. Unter der Überschrift „Geschiedene Frauen dürfen die Kommunion empfangen“ ist ein Priester mit Hostien zu sehen, vor sechs attraktiven Frauen, die den Mund weit aufsperren. „Mein Gott, verzeihe diesen Schwanzlutscherinnen“, denkt der Kirchenmann.

In der Mitte der Doppelseite liest man einen selbstironisch-nachdenklichen Leitartikel. „Seit einer Woche hat unsere atheistische Zeitung mehr Wunder vollbracht als alle Heiligen und Propheten zusammen“, schreibt Gérard Biard, der die Hoffnung ausdrückt, dass es nach dem Mord an sieben Zeichnern und Redakteuren kein „Ja, aber…“ mehr wie in der Vergangenheit geben werde: „Ja, Zeichner bedrohen ist schlecht, aber… ja, eine Redaktion anzünden ist schlecht, aber…“ Die Redaktion habe sich in den letzten Jahren manchmal sehr allein gefühlt, schreibt Biard, und hoffe, „dass der Laizismus in Zukunft ohne Einschränkungen verteidigt wird, dass niemand mehr aus politischem Kalkül oder Feigheit Parallelgesellschaften oder kulturellen Relativismus vertritt.“

Dazu passt, dass ein paar Seiten weiter hinten in einem Stück über Auslandsreaktionen FT-Chefredakteur Tony Barber kritisiert wird, weil er geschrieben habe, Charlie sei „zu oft verantwortungslos gewesen“ und „die Zeichner schlichtweg dumm“. Mit beißendem Spott reagiert die Redaktion: „Das sind harte Worte, dabei ist es doch so leicht, elegant zu bleiben, wie auf der Facebook-Seite ‚Ich bin nicht Charlie‘, wo es heißt: ‚Keep calm and say Allah Akbar“.

Die Attentäter auf der Couch
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2 Kommentare zu "Charlie Hebdo: „Im Paradies schnappen sie uns die Jungfrauen weg“"

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  • Charlie Hebdo ist anarchistisch-trozkistisch, libertär, antiklerikal, atheistisch und französisch durch und durch in der Tradition von 1789.

    Ins "Pardies" kommen die Dahingeschiedenen also kaum, weder ins Paradies des Propheten noch ins "christliche", wenn sie nicht maustot sind ohne Restbestände, was immerhin möglich ist, werden sie auf der Wolke der Großsatiriker landen, wo sich Jonathan Swift und Honore Daumier amüsieren, allerdings wohl eher in dienender Position.

    Ob´s da knackige Jungfrauen gibt, sei einmal dahin gestellt.lol

  • Die sind ja wirklich gut - besser als gedacht.
    Vielleicht ein wenig zu links, aber das sei verziehen, denn wie sonst soll das Ganze denn noch richtig morbide wirken.

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