Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Chinesischer Telekomanbieter Huawei hat in Polen einen sehr schlechten Ruf

Huawei will massiv in Polen investieren – bis zu 500 Millionen Euro. Doch nach den Spionagevorwürfen ist die polnische Regierung skeptisch geworden.
Kommentieren
In Polen hält der Konzern fast 50 Prozent an der Netzwerkinfrastruktur. Quelle: ddp/Jaap Arriens/Sipa USA
Huawei-Logo

In Polen hält der Konzern fast 50 Prozent an der Netzwerkinfrastruktur.

(Foto: ddp/Jaap Arriens/Sipa USA)

DüsseldorfDie Lage ist durchaus brisant. Als sich US-Vizepräsident Mike Pence in diesem Februar mit Polens Ministerpräsident Andrzej Duda im Warschauer Schloss Belvedere trifft, geht es um mehr als die bloße Bestätigung, dass man weiterhin bilateral gut zusammenarbeiten wolle. Denn: Einen Monat zuvor hatte der polnische Inlandsgeheimdienst zwei Männer in Gewahrsam genommen, für die sich die USA besonders interessieren.

Piotr D., polnischer Staatsbürger und Mitarbeiter des französischen Telekommunikationsunternehmens Orange, das auch in Polen operiert, sowie Weijing W. aus China. Sein Arbeitgeber: der chinesische Netzwerkausrüster Huawei. Der Verdacht: Spionage im Auftrag des chinesischen Geheimdienstes.

„Die USA arbeiten eng mit Polen zusammen, um das Telekommunikationsnetz vor chinesischen Eingriffen zu schützen“, versichert Pence im Anschluss an das Gespräch mit Duda. Die kürzlich vorgenommenen Verhaftungen eines Huawei-Mitarbeiters und eines mit ihm kooperierenden polnischen Staatsbürgers seien ein Beweis für Polens Engagement, das Telekommunikationsnetz zu schützen. „Wir wollen unsere militärische Zusammenarbeit verstärken – auch im Bereich der Cybersicherheit“, betont Duda.

Die beiden Verhaftungen sorgten weltweit für Schlagzeilen. Einer der Gründe dafür ist, dass die USA schon seit einer ganzen Weile versuchen, Huawei beim Ausbau des Echtzeitmobilfunknetzes 5G zu behindern. Die Amerikaner argumentieren mit Sicherheitsbedenken.

Bislang aber konnten sie keine Beweise vorlegen, die eine Kooperation Huaweis mit dem chinesischen Geheimdienstapparat belegen würden. Das könnte sich nun ändern. Haben Piotr D. und Weijing W. tatsächlich spioniert?

Grafik

Bedeutsam ist, dass Piotr D. für den polnischen Staatsschutz kein Unbekannter ist. Der Informatiker kümmerte sich nach seinem Studium an der Technischen Militärakademie in Warschau fast 15 Jahre lang um die Administration des staatlichen Telekommunikationsnetzes, war später auch an der Realisierung von EU-finanzierten Telekommunikationsprojekten beteiligt.

Zudem hatte er Führungsaufgaben im Innenministerium und im Inlandsgeheimdienst inne, war Vizechef für den Bereich Telekommunikationssicherheit und Berater in teleinformatischen Fragen des ehemaligen Geheimdienstchefs. Weijing W. wiederum studierte Polonistik in Peking und arbeitete ab 2006 in der chinesischen Botschaft in Danzig. 2011 wechselte er zu Huawei Polen, war dort zuletzt als Regionalvorstand tätig.

Auf der Pressekonferenz im Februar gingen weder Pence noch Duda näher auf die Umstände der Verhaftung ein. Unklar ist, ob polnische und US-Behörden in diesem Fall zusammengearbeitet haben, welchen Zugang Piotr D. zum Inlandsgeheimdienst hatte, welche klassifizierten Dokumente er möglicherweise an Weijing W. übergeben hat. Fraglich auch: Ist Polen ein Schaden entstanden?

Mitarbeiter von Huawei entlassen

Das Huawei-Management reagierte höchst nervös auf die Verhaftung. Bereits zwei Tage später trennte sich das chinesische Unternehmen von Weijing W. Am 26. Februar ernannte Huawei mit Ryszard Hordyński sogar einen Vertrauten von Ministerpräsident Duda zum neuen Vorstand von Huawei Polen.

Für den Netzwerkausrüster steht in Polen viel auf dem Spiel. Laut einem Interview mit Andy Purdy, Sicherheitschef von Huawei USA, plane der chinesische Konzern, seine Investitionen in Polen zu verdoppeln. In den kommenden drei Jahren sollen 500 Millionen Euro unter anderem in den Mobilfunkausbau fließen.

Zum Vergleich: In den vergangenen 15 Jahren hat Huawei etwa 1,2 Milliarden Euro in Polen investiert. Laut Purdy liegt der Marktanteil des Konzerns im Bereich der Netzwerkinfrastruktur dort bei rund 50 Prozent.

Nun werden in Polen Stimmen laut, den chinesischen Netzwerkausrüster vom Ausbau des 5G-Netzes auszuschließen. Auch Ministerpräsident Duda machte keinen Hehl aus seiner Haltung. In einem Interview mit einem polnischen Finanzportal räumte er ein, dass ihm die Zusammenarbeit mit europäischen oder US-Unternehmen lieber sei als mit Konzernen aus Asien.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Chinesischer Telekomanbieter - Huawei hat in Polen einen sehr schlechten Ruf

0 Kommentare zu "Chinesischer Telekomanbieter: Huawei hat in Polen einen sehr schlechten Ruf"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.