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Elektroauto

Mit dem Abschied von Benzin- und Dieselgetrieben wird sich der Umsatz von Infineon vervielfachen.

(Foto: dpa)

Chiphersteller E-Mobilität soll Infineon einen Umsatzboom bescheren

Die Autoindustrie ächzt unter die harten EU-Abgasregeln. Doch Infineon könnte nichts Besseres passieren als ein schneller Umstieg auf Elektroantriebe.
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München VW-Chef Herbert Diess ist aufgebracht: Die strengen Abgasgrenzwerte der EU seien eine einzige Katastrophe für die Autoindustrie, schimpft der Manager – und sieht schon 100.000 Jobs in Gefahr. Denn die Ziele seien nur zu erreichen, wenn künftig deutlich mehr Elektroautos auf den Straßen rollen.

Damit tun sich die einheimischen Hersteller aber schwer. Deutschlands größtem Chiphersteller Infineon dagegen könnte nichts Besseres passieren als ein schneller Umstieg auf Elektroantriebe.

Denn ein wichtiger Umsatzbringer des Dax-Konzerns sind Leistungshalbleiter, also Chips für die Stromversorgung. Die spielen bei Elektro- und Hybridfahrzeugen sowie der dazugehörigen Ladeinfrastruktur eine viel wichtigere Rolle als bei Autos mit Verbrennungsmotor. Die Folge: Der Umsatz pro Fahrzeug, den die Münchener erzielen können, wird sich mit dem Abschied von Benzin- und Dieselantrieben vervielfachen.

Den Marktforschern von Strategy Analytics zufolge finden sich in einem gewöhnlichen, mit Sprit angetriebenen Wagen derzeit Leistungshalbleiter im Wert von 17 Dollar. Bei einem Elektroauto kämen den Experten zufolge im Schnitt 455 Dollar dazu, also etwa das 26-Fache. Doch das ist nicht der einzige Grund, weshalb Infineon von einem Wechsel profitieren würde. Ihre Marktposition bei den neuen Antrieben ist überragend.

„In acht der zehn meistverkauften Elektroautos und Plug-in-Hybride der Welt stecken unsere Leistungshalbleiter“, sagte Peter Schiefer, der Chef der Autosparte von Infineon, dem Handelsblatt. Selbst wenn die Konsumenten zunächst einmal nur auf Hybridmodelle mit kombiniertem Elektro- und Verbrennungsmotor umstiegen, wäre das für Infineon schon ein Gewinn.

In diesen Autos kommen 300 Dollar für Leistungshalbleiter dazu. „Die Plug-in-Hybride sind für uns genauso attraktiv wie rein elektrisch betriebene Autos“, sagte Schiefer. Bei diesen Fahrzeugen lässt sich der Elektromotor an der Steckdose aufladen.

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Vergangenes Jahr hat Infineon mit Leistungshalbleitern für Autos Erlöse von 2,4 Milliarden Euro verbucht – gut ein Drittel des Konzernumsatzes. Der Marktanteil liegt bei 26 Prozent, damit sieht sich der Konzern als Marktführer in diesem Segment. Auf Rang zwei folgt ST Microelectronics, Platz drei nimmt Bosch ein. Mit dem Umstieg auf Elektromotoren würden diese Umsätze enorm steigen. Schiefer rechnet mit einem jährlichen Plus seiner Sparte von zehn Prozent.

Ob es der deutschen Autoindustrie gelingt, die E-Fahrzeuge schnell auf die Straße zu bringen, oder die ausländischen Marken die Überhand gewinnen, ist für Infineon dabei unerheblich. Der Konzern beliefert fast alle Hersteller, nicht zuletzt auch Elektropionier Tesla. Es sind allerdings nicht allein die Elektroautos, von denen sich Infineon einen Schub erhofft. Der Konzern geht fest davon aus, dass die erneuerbaren Energien weiter ausgebaut werden.

Denn der Abschied vom Verbrenner ist ökologisch zweifelhaft, wenn die Fahrzeuge mit Kohlestrom gespeist werden. Manager Schiefer zufolge setze sich diese Auffassung zunehmend durch: „Immer mehr Menschen sind sich bewusst, dass ein Elektroauto erst dann besonders umweltfreundlich ist, wenn es mit regenerativem Strom betrieben wird.“ Infineon liefert schon seit Jahren Leistungshalbleiter für Sonnen- und Windstromanlagen. Vor allem in China boomt das Geschäft.

„Bei der Erzeugung von erneuerbarer Energie wird viel mehr Elektronik eingesetzt als in herkömmlichen Kraftwerken“, sagte Peter Wawer, Chef der Industriesparte des Unternehmens, dem Handelsblatt. Davon profitiere Infineon ganz erheblich. Mit den Elektroautos böten sich nun gewaltige neue Chancen, so Wawer: „Wir rechnen mit hohen Investitionen in Stromspeicher und in die Stromübertragung.“

In acht der zehn meistverkauften Elektroautos und Plug-in-Hybride der Welt stecken unsere Leistungshalbleiter. Peter Schiefer – Leiter der Autosparte von Infineon

Auch an den Stromtankstellen wird der Konzern verdienen, denn in den modernsten Schnellladestationen befinden sich Leistungshalbleiter im Wert von 3500 Dollar. Damit lässt sich ein Elektroauto in sieben Minuten so weit aufladen, dass es für 200 Kilometer Fahrt reicht.

Selbst eine einfache Stromtankstelle für die Doppelgarage mit zwei Anschlüssen benötige noch Chips für 40 Dollar, so die interne Kalkulation von Infineon. Hier dauere es zwei Stunden, um ein Auto für eine Strecke von 200 Kilometern aufzuladen. Für den Konzern ist das ein völlig neues Geschäft, in den bisherigen Tankstellen braucht es kaum Halbleiter.

Die Experten von Aurora Energy Research erwarten, dass alleine in Deutschland in den nächsten 20 Jahren bis zu vier Millionen Ladestationen auf Gewerbe- und Industrieflächen entstehen. Dafür würden die Betreiber zwischen drei und acht Milliarden Euro ausgeben. Um sich auf das gewaltige Neugeschäft rechtzeitig einzustellen, beginnt Infineon nächsten Monat mit dem Neubau eines Werksim österreichischen Villach.

Bis Mitte kommenden Jahrzehnts wird das Unternehmen 1,6 Milliarden Euro in die Fabrik stecken. Wenn alles läuft wie geplant, sind 1,8 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr mit dieser sogenannten Fab möglich. Gleichzeitig erweitert Infineon seine bestehenden Werke für Leistungshalbleiter in Dresden und in Kulim in Malaysia.

Renditeziel hochgesetzt

Infineon braucht neue Wachstumsmärkte, denn Vorstandschef Reinhard Ploss hat den Investoren einen nachhaltigen Aufschwung versprochen. Für das am 30. September beendete Geschäftsjahr hat der Konzernherr ein Umsatzplus von gut sieben Prozent angekündigt. Im gerade begonnenen neuen Geschäftsjahr will er das hohe Tempo noch steigern, auf zehn Prozent. Langfristig wolle Infineon im Schnitt neun Prozent Plus erreichen, so der Ingenieur.

Gleichzeitig hat Ploss dieses Frühjahr das Ziel für die operative Rendite hochgesetzt und angekündigt, künftig mehr als die derzeit angestrebten 17 Prozent zu erwirtschaften. Die Anleger allerdings waren zuletzt zurückhaltend. Seit Jahresbeginn ist der Kurs um gut ein Fünftel eingebrochen. Investoren befürchten, dass die Nachfrage in der gesamten Chipindustrie in den nächsten Quartalen markant zurückgeht.

Analyst Jerome Ramel von Exane BNP Paribas beurteilt Infineon trotzdem positiv: „Die strukturellen Antriebskräfte sind intakt und die kurzfristigen Befürchtungen übertrieben.“ Eine Einschätzung, die auch Analyst Sebastien Sztabowicz von Kepler Cheuvreux teilt. Er sieht auch für das kommende Jahr gute Aussichten.

Zukunftsängste sind bei Infineon jedenfalls nicht zu spüren. Die Ausgangslage sei glänzend, meint Bereichschef Schiefer. Denn eins sei klar: „Die Autohersteller sind gezwungen, in Elektrifizierung zu investieren, wenn sie die neuen Abgasgrenzwerte erreichen wollen.“ Ganz egal, ob sie nun die Verbrennungsmotoren optimieren oder auf reine Elektroantriebe umstellen.

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