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Chipfertigung von Infineon

Die Kunden bestellen mehr, als der Konzern liefern kann.

(Foto: Bloomberg/Getty Images)

Chiphersteller Infineon investiert Milliarden in neue Standorte

Der Dax-Konzern kämpft mit Lieferengpässen und baut seine Standorte daher massiv aus. Vorstand Jochen Hanebeck sieht kaum Risiken in der Expansion.
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München Den Weg nach Kulim kennt Jochen Hanebeck in- und auswendig. Mitte des vergangenen Jahrzehnts war der Elektroingenieur verantwortlich für den Bau einer riesigen Chipfabrik von Infineon im malaysischen Dschungel.

Inzwischen ist der Manager zum Produktionsvorstand aufgestiegen, doch seine Reiseziele sind dieselben geblieben. Diese Woche fährt er wieder in den Norden des südostasiatischen Landes: Hanebeck eröffnet am Donnerstag gleich neben dem Werk einen neuen Trakt, in dem bald 700 Ingenieure Halbleiter entwickeln werden.

So wie in Kulim sind derzeit weltweit Tausende Bauarbeiter, Handwerker und Monteure für Deutschlands größten Chip-Produzenten im Einsatz. Infineon braucht Büros, vor allem aber Fertigungskapazitäten. „In bestimmten Bereichen konnten wir die Nachfrage nicht befriedigen“, klagte Vorstandschef Reinhard Ploss, als er vergangene Woche die Quartalszahlen präsentierte.

Deshalb nimmt Infineon in den nächsten Jahren Milliarden in die Hand, um seine Standorte rund um die Erde aufzurüsten. Vorstand Hanebeck ist überzeugt, dass das dringend nötig ist. „Es war Ende 2012, als unsere Fabriken zum letzten Mal nicht ausreichend ausgelastet waren“, sagte er dem Handelsblatt.

Seine Botschaft ist eindeutig: Jeder Cent ist gut investiertes Geld, und die Investoren sollen sich keine Sorgen machen, dass bei Infineon demnächst teure Maschinen in menschenleeren Hallen ungenutzt herumstehen.

Das mit Abstand größte einzelne Projekt ist eine zusätzliche Fabrik im österreichischen Villach für 1,6 Milliarden Euro. Es wird das erste komplett neue Werk, seit Hanebeck vor zwölf Jahren Kulim hochzog. Nächstes Jahr rollen die Bagger an, 2021 sollen die ersten Chips die Hallen verlassen.

Investitionen steigen

Doch so lange kann der Manager nicht auf neue Kapazitäten warten: „Bis Villach an den Start geht, investieren wir noch etwa eine Milliarde Euro in den Hochlauf der Produktion in Dresden.“ Die Stadt an der Elbe ist der größte Produktionsstandort, weitere wichtige Fabriken stehen neben Kulim in Regensburg, Villach und Kalifornien.

Vorstandschef Ploss hat dieses Frühjahr angekündigt, künftig sieben Prozent vom Umsatz für neue Fabrikhallen und zusätzliche Maschinen auszugeben; bislang waren es lediglich fünf Prozent. Zwischen 2019 und 2013 sollen darüber hinaus noch 700 Millionen in Werke und Büros fließen.

Damit soll das durchschnittliche jährliche Umsatzplus von acht auf neun Prozent steigen. Für das kommende Geschäftsjahr, es beginnt am 1. Oktober, verspricht der Ingenieur sogar mindestens zehn Prozent Zuwachs. Gleichzeitig soll Infineon profitabler werden und die derzeit angestrebten operative Marge von 17 Prozent übertreffen.

Dazu sollen nicht zuletzt die zusätzlichen Produktionskapazitäten beitragen. Das habe auch für den vergleichsweise teuren Standort in Österreich gesprochen. „Der Neubau in Villach bringt uns Größenvorteile, wie wir sie so an keinem anderen Standort gehabt hätten“, unterstrich Hanebeck. In Villach produziert Infineon seit Jahrzehnten, alle Abläufe sind von den Kunden zertifiziert. Dadurch lasse sich die Fertigung schnell erweitern.

Infineon ist fest entschlossen, seine Fabriken auszubauen – komme, was wolle. Selbst bei einem schwächeren Geschäft würde der Konzern an den Ausbauplänen festhalten, so der Manager: „Eine kurzfristige Delle von zwei, drei Quartalen könnte uns nicht von Investitionen abhalten.“

Möglichkeiten für Outsourcing sind begrenzt

Einzelne Bereiche der Industrie schwanken ausgesprochen stark, zum Beispiel das Geschäft mit Speicherchips. Daraus hat sich Infineon schon vor zehn Jahren zurückgezogen. Der Rest der Branche steht und fällt Marktforschern zufolge mit der Konjunktur.

Indem sich Infineon auf ausgewählte globale Wachstumsfelder fokussiert, will sich die Firma vor Krisen schützen. Dazu gehören etwa erneuerbare Energie, Elektroautos und Sicherheitschips für das Internet der Dinge.
Es hat seinen Grund, dass Infineon selbst baut, statt Auftragsfertiger (sogenannte Foundries) zu nutzen. Die Möglichkeiten fürs Outsourcing sind begrenzt. „Es gibt nur wenige potenzielle Partner, die Leistungshalbleiter fertigen könnten“, unterstrich Hanebeck. Infineon erzielt etwa zwei Drittel vom Umsatz mit dieser Art von Chips, die für die Stromversorgung eingesetzt wird.

Die weltgrößten Foundries TSMC, Global Foundries und UMC haben sich auf andere Felder spezialisiert, etwa Mikroprozessoren. Für Infineon ist das Fluch und Segen zugleich. Einerseits ist der Konzern gezwungen, eigene Fabriken zu bauen. Andererseits sind die Eintrittsbarrieren hoch für neue Wettbewerber.

Die meisten Experten sehen Infineon ausgesprochen positiv. An der Nachfragedynamik habe sich nichts geändert, kommentierte Berenberg-Analystin Tammy Qiu die jüngsten Quartalszahlen. Zwischen April und Juni ist der Umsatz um sechs Prozent auf knapp zwei Milliarden Euro geklettert. Der Gewinn stieg um sieben Prozent auf 271 Millionen.

Der Chiphersteller habe bisher noch keine negativen Einflüsse durch den Handelskrieg mit den Vereinigten Staaten zu spüren bekommen, und das Geschäft mit der Automobilindustrie wachse weiter rapide, so Sebastien Sztabowicz von Kepler Cheuvreux.

Der Halbleiterbedarf der Autobranche wächst stetig

Und auch für die Zukunft sehe es gut aus, meint Analyst Wolfgang Donie von der NordLB. Der Halbleiteranteil pro Fahrzeug wachse stetig, durch E-Mobilität sogar überproportional. Gut 40 Prozent vom Umsatz erzielt Infineon durch die Autobranche.

Angesichts des Aufwärtstrends darf sich auch die sächsische Landeshauptstadt Hoffnungen machen, dass Infineon eines Tages wieder baut. Fürs nächste Werk bekam zwar Villach den Vorzug. Aber: „Eine Erweiterung in Dresden ist nicht aufgehoben, sondern durchaus langfristig möglich,“ sagte Hanebeck.

Seine Mission in Kulim Anfang des Jahrtausends kann er inzwischen durchaus als Erfolg verbuchen. An dem Standort beschäftigt das Unternehmen heute 2600 Mitarbeiter – Tendenz: stark steigend.

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