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Chiphersteller Infineon steigt ins Drohnen-Geschäft ein und verbündet sich mit Red Bull

Der Chiphersteller hat ein packendes Video gemeinsam mit dem Brauseproduzenten gedreht. Damit will der Dax-Konzern Nachwuchs anlocken und das Drohnen-Geschäft erschließen.
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Der Chiphersteller erhofft sich von der Kooperation mit Red Bull neue Geschäftsfelder erschließen zu können.
Infineon-Drohne

Der Chiphersteller erhofft sich von der Kooperation mit Red Bull neue Geschäftsfelder erschließen zu können.

MünchenDer Wakeskater Brian Grubb lässt sich von einer ferngesteuerten Drohne mit großem Infineon-Logo über einen wilden Fluss ziehen. Es sind spektakuläre Szenen, die da auf dem Video bei Youtube zu sehen sind. Der Athlet springt auf einer Mischung aus Skateboard und Surfbrett über Stromschnellen, jagt unter einer Brücke durch, wagt steile Kehren.

Ungewöhnlich sind nicht nur die Aufnahmen. Für das Projekt haben sich zwei grundverschiedene Partner zusammengetan: Der Münchener Chip-Produzent Infineon und Red Bull, der Hersteller von Energy Drinks. Für Red Bull gehört ein solcher Clip zum täglichen Geschäft. Seit Jahren bewerben die Österreicher ihre koffeinhaltige Limonade mit Videos von Extremsportlern.

Infineon hingegen betritt mit dem Film und der Partnerschaft mit Red Bull Neuland. Der Dax-Konzern hat die leistungsstarke Drohne produziert und hofft durch das Gemeinschaftsprojekt bei Hochschul-Absolventen zu punkten und künftig leichter Nachwuchs zu gewinnen.

„Wir erreichen ein junges, technisch interessiertes Publikum, das wir in dieser Größenordnung alleine niemals bekommen würden“, sagte Spartenchef Andreas Urschitz dem Handelsblatt. Der Österreicher führt die Division Power Management & Multimarket des Halbleiterherstellers.

Durch die weltweite Aufmerksamkeit will Infineon zudem als Zulieferer für Drohnen-Hersteller bekannter werden. Momentan erzielt das Unternehmen einen nicht näher bezifferten, zweistelligen Millionenbetrag an Umsatz mit der Industrie. Doch das dürfte erst der Anfang sein, glaubt Urschitz: „Drohnen werden für uns zum Milliardenmarkt, falls sie eines Tages als Lufttaxis unterwegs sind.“

Die Analysten von Strategy Analytics gehen davon aus, dass die Hersteller dieses Jahr rund 15 Millionen Drohnen verkaufen, etwa die Hälfte mehr als 2017. Die allermeisten davon erwerben Konsumenten. Allerdings setze auch bereits jeder zehnte Bauer in Deutschland Drohnen ein, ermittelte jüngst der IT-Branchenverband Bitkom. „In keiner anderen Branche werden Drohnen vergleichbar intensiv genutzt wie in der Landwirtschaft“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder.

In den nächsten fünf Jahren würden sich die Verkaufszahlen verdreifachen, prognostiziert Strategy Analytics. Der größte und bekannteste Hersteller von Drohnen für den Privatgebrauch ist DJI aus China.

Die Drohne von Infineon entstand in einem für den Konzern außergewöhnlichen Projekt. Vor zweieinhalb Jahren hat Urschitz das sogenannte Emerging Applications Lab gegründet, ein Brutkasten für neue Anwendungen der Infineon-Chips. Unter Anleitung erfahrener Infineon-Experten tüftelt in dem Lab seither ein Dutzend Studenten. Ihr erstes fertiges Produkt ist die Drohne aus dem Red-Bull-Video.

Das Kreativlabor habe inzwischen einen guten Namen an den Universitäten, sagte Projektleiter Siegfried Krainer: „Das ist ein Magnet, um die allerbesten jungen Leute an Bord zu holen.“ Er bekomme Anrufe von Hochschulen aus aller Welt, die Interesse zeigten, mit Infineon zusammen zu arbeiten.

Das Kalkül von Infineon scheint aufzugehen, zumindest was die Zuschauerzahlen angeht. Schon in den ersten 24 Stunden wurde das Video auf der Youtube-Seite von Red Bull mehr als 15.000 Mal aufgerufen. Zum Vergleich: Wenn die ehemalige Siemens-Tochter ihre Chips üblicherweise auf der Videoplattform vorstellt, dauert es mitunter mehrere Monate, um auf diese Zuschauerzahl zu kommen, wenn überhaupt.

Es ist kein Zufall, dass Infineon so experimentierfreudig ist. Der Konzern hat sich selbst massiv unter Druck gesetzt und den Investoren kräftiges Wachstum in Aussicht gestellt. Vorstandschef Reinhard Ploss verspricht für das gerade begonnene Geschäftsjahr ein Umsatzplus zwischen neun und 13 Prozent. Auch langfristig soll es jedes Jahr um rund neun Prozent aufwärts gehen, bei steigender Marge. Dazu muss das Unternehmen neue Mitarbeiter einstellen, vor allem aber zusätzliche Geschäftsfelder erschließen.

Die Investoren sind derzeit allerdings nicht so recht überzeugt, dass Deutschlands größter Chiphersteller seine selbst gesetzten Ziele erreichen wird. Seit Jahresbeginn ist der Aktienkurs um rund ein Fünftel gefallen. Es gebe durchaus Anzeichen, dass sich das Industrie- und Autogeschäft abschwäche, warnt Credit-Suisse-Analyst Achal Sultania. An den langfristigen Aussichten in diesen beiden Bereichen ändere dies aber nichts.

Spartenchef Urschitz ist überzeugt, dass Infineon die Erkenntnisse aus der Dohne auf andere Gebiete übertragen kann: „Wesentliche Funktionen etwa aus der Sensorik lassen sich eins-zu-eins auch in anderen Hochwachstumsbereichen anwenden.“ Zum Beispiel beim autonomen Fahren. Die Drohnen sind mit einem Radarsystem ausgestattet, das Zusammenstöße verhindern soll.

Lab-Chef Krainer macht sich derweil daran, mit seinen Studenten die nächste Drohnengeneration zu entwickeln. Die soll noch deutlich stärker werden. „Wir haben es jetzt geschafft, mit unserer Drohne einen Menschen zu ziehen. Jetzt geht es darum, Menschen in die Luft zu bringen.“ Red Bull sollte also besser schon mal ein Kamerateam bereithalten.

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