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Chiphersteller Trotz guter Zahlen laufen Infineon die Aktionäre davon

Die Jahreszahlen sind hervorragend, die Prognose vielversprechend. Trotzdem bricht der Aktienkurs ein. Das Management versteht das selbst nicht recht.
12.11.2018 - 19:33 Uhr Kommentieren
Die Kurse der Chiphersteller sind in den vergangenen Wochen auf breiter Front eingebrochen. Quelle: imago/Sven Simon
Infineon-Schriftzug

Die Kurse der Chiphersteller sind in den vergangenen Wochen auf breiter Front eingebrochen.

(Foto: imago/Sven Simon)

München Reinhard Ploss stellt sich selbst ein glänzendes Zeugnis aus: Mit den Ergebnissen des vergangenen Geschäftsjahrs sei er sehr zufrieden, sagte der Infineon-Chef am Montag in der Konzernzentrale in München.
Die Analysten konnten dem nur zustimmen. Mehr noch, sie feierten geradezu die Prognose für das neue Geschäftsjahr, das am 1. Oktober begonnen hat. Der Ausblick des Chipkonzerns sei eine enorme Erleichterung, so Achal Sultania von der Credit Suisse.

Die Börse urteilte freilich ganz anders. Der Aktienkurs gab zum Wochenbeginn rund acht Prozent auf etwa 16,80 Euro nach. Damit war Deutschlands größter Halbleiterhersteller der mit Abstand größte Verlierer im Dax. Zuvor hatte Infineon seit Jahresbeginn auf dem Parkett bereits ein Fünftel an Wert verloren.

Der Vorstand zeigte sich am Montag einigermaßen ratlos angesichts des Debakels an der Börse. Ploss betonte, dass es an den eigenen Zahlen wohl nicht liegen könne. Infineon sei mit dem dramatischen Kursverfall in der Halbleiterbranche vielmehr „in bester Gesellschaft“, erklärte Finanzchef Dominik Asam. „Wir werden in Sippenhaft genommen aufgrund von makroökonomischen Ängsten.“

Was er damit meint: Manche Marktbeobachter fürchten einen dramatischen Abschwung in der gesamten Halbleiterbranche. Daher sind die Kurse der Chiphersteller in den vergangenen Wochen auf breiter Front eingebrochen. Die meisten Banker allerdings haben wenig auszusetzen an den Ergebnissen und Prognosen, die Infineon am Montag präsentiert hat. Der Chipkonzern habe im vierten Geschäftsquartal die Markterwartung sogar übertroffen, so UBS-Analyst David Mulholland von der UBS. Der Ausblick auf das Jahr 2019 sei ermutigend, findet Sebastien Sztabowicz von Kepler Cheuvreux.

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    Der Umsatz ist im vierten Quartal des Geschäftsjahrs im Vergleich zum selben Zeitraum des Vorjahrs um zwölf Prozent auf gut zwei Milliarden Euro geklettert. Es sei dies das erste Mal, dass Infineon mehr als zwei Milliarden Umsatz in der gegenwärtigen Struktur erzielt habe. Die drei großen Bereiche Automobil, Industrial Power Control und Power Management hätten allesamt zu dem Wachstum beigetragen. Nur die kleinste Sparte, Digital Security Solutions, sei gegenüber 2017 geschrumpft.

    Ex-Tochter Qimonda belastet den Gewinn

    Damit nicht genug: Im gesamten Geschäftsjahr seien die Erlöse um acht Prozent auf 7,6 Milliarden Euro geklettert. Damit hat Infineon die im Juni angehobene Prognose erreicht.

    Der Gewinn fiel im vierten Quartal verglichen mit dem Vorjahresquartal zwar um 20 Prozent auf 141 Millionen Euro. Mit dem laufenden Geschäft hat das aber nichts zu tun. Es liegt an höheren Rückstellungen wegen einer Klage im Zusammenhang mit der Pleite der früheren Tochter Qimonda. Im abgelaufenen Geschäftsjahr erhöhte sich der Überschuss hingegen um rund ein Drittel auf knapp 1,1 Milliarden Euro.

    Grafik

    Wichtig auch: Die ehemalige Siemens-Sparte ist im vierten Quartal noch einmal deutlich profitabler geworden. Die operative Marge, sie ist die wichtigste Steuerungsgröße des Unternehmens, kletterte von 18,3 auf 19,5 Prozent. Gut für die Aktionäre: Die Dividende für das abgelaufene Geschäftsjahr wird erneut steigen, von 0,25 Euro je Aktie auf 0,27 Euro.

    Bergab ging es zuletzt nur in der Sparte Digital Security Solutions, dem ehemaligen Chipkartengeschäft. Sie ist im vierten Quartal gegenüber dem Vorjahr um zehn Prozent auf 163 Millionen Euro Umsatz geschrumpft. Die Marge ging von 18,2 auf 14,7 Prozent zurück.

    Im neuen Geschäftsjahr geht es weiter aufwärts

    Für die nächsten Monate sieht es gut aus. „Wir starten mit gut gefüllten Auftragsbüchern ins Geschäftsjahr 2019 und wollen weiterhin überdurchschnittlich wachsen“, betonte Ploss. Der Ingenieur verspricht für das gerade begonnene Geschäftsjahr ein Umsatzplus zwischen 9 und 13 Prozent. Vor allem die Autosparte soll dazu beitragen. Der Bereich Digital Security Solutions wird der Prognose zufolge allerdings weiter schrumpfen.

    Infineon kann gar nicht so viel liefern, wie die Kunden gerne hätten. Statt wie üblich 13 Wochen müssten manche Käufer inzwischen 26 Wochen warten, sagte Vertriebsvorstand Helmut Gassel. Daher investiert der Konzern kräftig in neue Anlagen und Fabriken. Am vergangenen Samstag startete in Villach offiziell der Bau eines neuen Werks, für das Infineon in den nächsten Jahren 1,6 Milliarden Euro ausgeben will. Derzeit würden zudem die wichtigen Produktionsstandorte Dresden und Kulim in Malysia erweitert.

    Sorgen, Infineon würde zu viel ausgeben, wischte Ploss zur Seite. „Aufgrund der positiven Signale unserer Kunden gehen wir davon aus, dass unsere Märkte stabil bleiben.“ Sollte sich jedoch ein Abschwung abzeichnen, würde er umgehend reagieren und die Expansionspläne zurückstellen.

    Gleichzeitig kündigte Infineon am Montag eine Übernahme an. Für 124 Millionen Euro kauft der Konzern Siltectra aus Dresden. Das kleine, acht Jahre alte Unternehmen habe eine innovative Anwendung zum besonders materialsparenden und effizienten Bearbeiten von Kristallen entwickelt, teilte der Konzern mit.

    „Diese Akquisition wird uns dabei helfen, unser Portfolio auch bei dem neuen Material Siliziumkarbid auszubauen“, sagte Ploss. Infineon verspricht sich eine deutlich höhere Produktivität: Die Technik werde zum sogenannten Splitten von Siliziumkarbid-Wafern eingesetzt, wodurch die Anzahl der Chips aus einem Wafer verdoppelt werden könne. Als Wafer werden die Scheiben bezeichnet, auf denen die Halbleiter entstehen.

    Analysten rechnen unterdessen damit, dass der Kurs bald wieder steigt. Goldman Sachs jedenfalls hat die Einstufung für Infineon am Montag auf „kaufen“ mit einem Kursziel von 25,40 Euro belassen. Das entspricht einem Kursplus in den nächsten zwölf Monaten von rund 50 Prozent.

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