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Cloud-Anbieter So will sich Salesforce gegen den Angriff von SAP und Microsoft verteidigen

Microsoft, SAP und Adobe verschärfen den Konkurrenzkampf im Cloud-Geschäft. Sie wollen Salesforce in die Schranken weisen – doch der Wachstumsstar antwortet prompt.
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Salesforce will sich gegen SAP und Microsoft verteidigen Quelle: © 2018 by Jakub Mosur
Salesforce bekommt stärkere Konkurrenz

Microsoft, SAP und Adobe verbünden sich gegen den Wachstumsstar.

(Foto: © 2018 by Jakub Mosur)

OrlandoDie Überraschung ist Satya Nadella gelungen. Der Microsoft-Chef verkündete am Montag in Orlando in Florida die Zusammenarbeit mit SAP und Adobe. Die drei IT-Größen haben eine Initiative ins Leben gerufen, um das Kundenmanagement in Unternehmen, kurz CRM, zu revolutionieren.

Marc Benioff im tausende Kilometer entfernten San Francisco allerdings dürfte die „Überraschung“ als klare Kampfansage an sein Unternehmen verstanden haben. Denn die CRM-Revolution ist eine Aufgabe, die er mit seiner Erfolgsgeschichte Salesforce für sich gepachtet glaubte. Nadella stahl dem 54-Jährigen damit am Vorabend seiner großen Unternehmenskonferenz „Dreamforce“ in Kalifornien die Show.

Nadellas „Open Data Initiative“ hat zum Ziel die Silos einzureißen, in denen heute die Kundendaten eines Unternehmens feststecken. Existierten die Daten zuvor getrennt voneinander in SAP-Datenbanken, Microsoft-Programmen oder Adobe-Marketing-Clouds versprechen die drei Cloud-Schwergewichte nun einen einheitlichen Standard. Die Kunden sollen die volle Kontrolle über ihre Daten zurückbekommen. Und die IT-Größen haben gemeinsam genug Macht und Einfluss, um Standards zu setzen und dem Wachstumsstar Salesforce gefährlich zu werden.

Microsoft ist der weltweit größte Hersteller von Unternehmenssoftware und die Nummer zwei im Cloud-Business. SAP ist der größte Hersteller von ERP-Software, kurz für „Enterprise Resource Planning“. Adobe, früher bekannt für seine Bildbearbeitungssoftware Photoshop, ist heute einer der größten Turn-Around-Stories im IT-Bereich und bekannt für seine Marketing-Software in der Cloud.

Adobe-CEO Shantanu Narayen hat sich zum Ziel gesetzt, den Erfolg von Salesforce schlicht zu wiederholen. Narayen und SAP-Chef Bill McDermott waren extra nach Florida gekommen, um das Projekt persönlich anzukündigen.

Die Konkurrenz des IT-Triumvirats ist stark aber überwiegend selektiv: Amazon ist Marktführer bei Cloud-Angeboten für Unternehmen, Google bietet ebenfalls zahlreiche Cloud-Anwendungen an und Salesforce arbeitet neuerdings mit Apple zusammen, um die Kräfte zu bündeln.

Benioff hatte bereits am Montag eine Kampfansage gemacht, um die Wucht aus Florida abzuschwächen. Apple und Salesforce werden zusammen spezielle Apps für das iPhone und das iPad entwickeln, um den Unternehmenseinsatz der Apple-Geräte gegen die Windows-SAP-Allianz voranzutreiben. Eine ähnliche Verbindung ist Apple schon mit IBM eingegangen.

Am heutigen Dienstag legt der Salesforce-Chef nach. Benioffs Antwort heißt „Customer 360“, wie aus einer Vorabmitteilung von Salesforce hervorgeht. Die neue Anwendung werde die Daten aller Salesforce-Anwendungen für Marketing, Service oder Kundenmanagement vernetzen und so die Erstellung eines völlig neuen und umfassenden Kundenprofils ermöglichen, auf das dann Vertriebs- oder Servicemitarbeiter Zugriff haben.

Cloud-Anbieter bekämpfen sich seit Jahren

Eine zentrale Rolle wird dabei Mulesoft spielen, von Salesforce gerade für 6,5 Milliarden Dollar erworben. Mulesoft vernetzt dezentral gelagerte und inkompatible Datenbestände über Systeme hinweg. Mit anderen Worten: Mithilfe von Mulesoft sollen Salesforce-Kunden auch einfachen Zugriff auf ihre Datenbestände in SAP-, Adobe- oder Microsoft-Apps bekommen. Dabei werden nicht mehr komplette Datenbestände in neue Datenbanken kopiert. Bei „Customer 360“ lässt Salesforce alle Daten da, wo sie sind.

Der Vorstoß von Microsoft, Adobe und SAP wiederum sieht im Prinzip den Einsatz eines einheitlichen Datenmodells in Microsofts Dynamics 365, in SAPs C/4 Hana und Adobes Experience Cloud vor. Damit würden die Daten leicht austausch-, durchsuch- und verknüpfbar. Das alles natürlich auf Basis von Microsofts Cloud-Dienst „Azure“ und Microsofts künstlicher Intelligenz, wenn es nach Nadella geht.

„Die Kunden haben diese leistungsstarken Software-Applikationen von uns“, so Satya Nadella, „und wir versprechen, es gibt keine Silos mehr. Betrachten Sie ihre Daten einfach als kontinuierlich erneuerbare Ressourcen.“

Die Allianz sei offen für jedermann, wird betont, man müsse sich nur an die Spielregeln halten. Aber ob Amazon, Google oder Salesforce die Daten ihrer Kunden für die größten Gegner öffnen werden, ist ungewiss.

Die Cloud-Anbieter bekämpfen sich bereits seit Jahren. Keiner bestreitet mittlerweile mehr, dass es immer wichtiger wird, sich den Kundenwünschen zu öffnen, statt die eigene Agenda durchzusetzen. Dazu gehört das einheitliche Management von mehreren Clouds und den darin enthaltenen Daten eines Unternehmens.

Laut Urs Hölzle, Google-Vize-Präsident und strategischer Vordenker des Konzerns, betreiben heute 80 Prozent der Unternehmen eine „Multi-Cloud- und Hybrid-Strategie“. Sie arbeiten mit mehreren Cloud-Anbietern zusammen und haben oft dazu noch eine eigene IT-Infrastruktur. Dies alles zu managen ist teuer und aufwendig.

Google hat eine eigene Plattform angekündigt, um dies zu vereinfachen. Der Vorstoß der Microsoft-Allianz verspricht nun ebenso Erleichterung wie der gesamtheitliche Ansatz von Salesforce.

Die Frage wird jetzt sein, wer schneller und besser liefern kann. Die Chancen stehen hier nicht schlecht für Salesforce. So viel Optimismus die drei Vorstandschefs in Florida auf der Bühne der Ignite-Konferenz auch verbreitet haben: Die Open Data Initiative ist bislang nicht mehr als eine Blaupause.

Viele Unternehmen erinnern sich noch an den Versuch mit „Duet“ SAP-Software und Microsofts Sharepoint zur Zusammenarbeit zu bewegen. Ein seit Jahren andauerndes Projekt der beiden Unternehmen. Aber in der Cloud wird heute in Monaten gerechnet, nicht in Jahren. Salesforce will „Customer 360“ jedenfalls noch in 2019 starten.

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