E-Sports-Turnier in London

Wenn professionelle Computerspieler gegeneinander antreten, schauen teils Millionen Menschen zu.

(Foto: AP)

Computerspiele E-Sports-Spezialist ESL will mit Doppelspitze global angreifen

Der Markt für digitalen Sport wächst rasant. Der Kölner Spezialist ESL will mit einer Doppelspitze die Weichen für mehr Wachstum stellen.
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KölnWie sich die Mediennutzung verändert, beobachtet David Neichel zu Hause: Seine beiden Teenager haben den Fernseher im Wohnzimmer abgeschafft. Filme, Serien oder Computerspiele schauen sie sich meist auf dem Smartphone an, auch für Spiele nutzen sie das mobile Gerät. Wer braucht da schon einen großen Bildschirm?

Die Erfahrungen, die der Franzose als Vater sammelt, kann er als Manager in die Praxis umsetzen: Er rückt beim E-Sports-Spezialisten ESL vom COO zum CEO auf und wird künftig gemeinsam mit dem Gründer Ralf Reichert die Geschäfte führen. „Unser Ziel ist es, eine globale Struktur zu entwickeln“, begründete Neichel gegenüber dem Handelsblatt die Doppelspitze.

Das Kölner Unternehmen hat eine Plattform für E-Sports aufgebaut – also sportliche Wettkämpfe in Computerspielen wie „Counter Strike“ oder „Fortnite“. 300 Millionen Menschen in aller Welt sehen sich das regelmäßig an, entweder auf Online-Plattformen wie Twitch, Youtube oder Facebook – oder bei Veranstaltungen, zu denen oft tausende Fans pilgern. Der Markt boomt.

Im TV sind solche Spektakel bislang selten zu sehen, der digitale Zuschauersport ist abseits der klassischen Kanäle populär geworden. Allerdings zeigen die Fernsehsender inzwischen Interesse. So übertrug Pro Sieben ein Turnier, bei dem sich die besten Spieler des Egoshooters „Counter Strike“ miteinander maßen.

Auch ohne Fernsehen entwickelt sich der Markt rasant. Der Umsatz mit Übertragungsrechten, Tickets, Werbung und Fanartikeln wächst in diesem Jahr um 38 Prozent auf rund 900 Millionen Dollar, wie der Marktforscher Newzoo schätzt. Die Wettbewerbe locken weltweit 380 Millionen Nutzer vor die Bildschirme und in Sporthallen. Angesichts dieser Beliebtheit steigen zahlreiche Unternehmen ins Sponsoring ein, etwa Audi und SAP. Und erst heute kündigte der deutscher Profifußballer Mesut Özil an, ein Team zu finanzieren.

Die ESL hat die größte unabhängige Plattform für E-Sports entwickelt. Allerdings ist der Wettbewerb heute groß – und international. Darauf stellt sich der Anbieter ein. „Die Firma wächst sehr schnell, deswegen wollen wir alle Bereiche professionalisieren“, sagt Neichel. Vor einigen Monaten richtete sie bereits Vorstandsposten für Finanzen und Marketing ein, mit der Beförderung des Franzosen tritt auch ein neuer COO an.

Es ist in wie vielen Technikfirmen: Irgendwann bekommen die Gründer Manager an die Seite gestellt, die helfen sollen, das Geschäft professionell aufzuziehen und zu expandieren.

Ein wichtiges Zeil für Neichel: Er soll mit Reichert gemeinsam das Geschäft in Asien ausbauen dort ist die Leidenschaft für Computerspiele mindestens genauso groß wie im Westen. Dabei dürfte ihm sein kosmopolitischer Hintergrund helfen. Er kam in Frankreich zur Welt, lebte in verschiedenen Ländern und spricht neben Französisch auch Englisch und Deutsch fließend.

Der ehemalige COO rückt als Geschäftsführer bei ESL auf. Quelle: ESL / E-Sports Pressefoto
David Neichel

Der ehemalige COO rückt als Geschäftsführer bei ESL auf.

(Foto: ESL / E-Sports Pressefoto)

Neichel soll zudem die Beziehungen zu den Publishern stärken, also Firmen, die Computerspiele entwickeln und veröffentlichen – und mittlerweile selbst Wettbewerbe anbieten wollen. Er kennt die Branche: Nach einigen Jahren beim Konsumgüterriesen Procter & Gamble arbeitete er bei Electronic Arts und Activision Blizzard.

Die ESL ist nicht mehr eigenständig: 2015 übernahm die schwedische Modern Times Group (MTG) die Mehrheit. Mit E-Sports erwirtschaftete sie im vergangenen Geschäftsjahr umgerechnet 133 Millionen Euro Umsatz. Profitabel ist die Sparte derzeit nicht, die internationale Expansion sei teuer, heißt es im Geschäftsbericht.

Neichel ist überzeugt: Die Investitionen lohnen sich. „Unsere Live-Streams werden überall in der Welt von Fans geschaut.“ Bis auf Fußball gebe es keinen anderen globalen Sportarten, die so eine große Reichweite hätten.

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