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Constantin Medien Filmriss in München

Großes Kino bei der Constantin Medien AG: Die Hauptversammlung versinkt im Tumult. Der Schweizer Großaktionär Burgener wird nach 20 Stunden ausgegrenzt. Eine Klagewelle folgt.
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Der Aufsichtsratschef und Großaktionär der Constantin Medien AG, Dieter Hahn, sitzt am 09.11.2016 in München (Bayern), während der Außerordentlichen Hauptversammlung, an seinem Platz auf dem Podium des Vorstandes. Die Aktionäre sollen über eine grundlegende Neuausrichtung des Konzerns entscheiden. Die ordentliche Hauptversammlung im Juli endete mit einem Tumult und musste vertagt werden. Quelle: dpa
Constantin Medien AG - Außerordentliche HV

Der Aufsichtsratschef und Großaktionär der Constantin Medien AG, Dieter Hahn, sitzt am 09.11.2016 in München (Bayern), während der Außerordentlichen Hauptversammlung, an seinem Platz auf dem Podium des Vorstandes. Die Aktionäre sollen über eine grundlegende Neuausrichtung des Konzerns entscheiden. Die ordentliche Hauptversammlung im Juli endete mit einem Tumult und musste vertagt werden.

(Foto: dpa)

MünchenLaute Schreie, „Schiebung“, „Lüge“, „Buh“. Aktionäre, die zum Podium drängen, dort wo der Versammlungsleiter sitzt. Bodyguards, die ihn schützen müssen, auf Anforderung: „Security aus dem Back-Office!“ Wilde Szenen aus Oberbayern.

So endet nach zwei Tagen, 20 Stunden, 500 Fragen am Donnerstagabend eine Hauptversammlung, wie sie die deutsche Aktionärsgeschichte noch nicht erlebt hat. In München, auf dem Nockherberg, uferte bei der Constantin Medien AG der Streit zweier Großaktionäre aus.

Es gewann am Ende die Gruppe um Aufsichtsratschef Dieter Hahn, weil der Gegner Bernhard Burgener und seine Mitstreiter mit ihren ebenfalls knapp 30 Prozent der Aktien aus rechtlichen Gründen plötzlich nicht votieren durften. In der Wirtschaft ist Juristerei zuweilen die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln.

Konsterniert verfolgte das Burgener-Lager, was da geschah. Die Firma Constantin ist klein (knapp 500 Millionen Euro Umsatz, knapp 200 Millionen Euro Börsenwert), aber für Kapriolen jeder Art gut.

Versammlungsleiter Franz Enderle hatte kurz vor den entscheidenden Abstimmungen eine Präsenz von nur 47,1 Prozent des Grundkapitals verkündet. Eher beiläufig verkündete er dabei, dass der Stimmenpool um Burgener von den Wahlen ausgeschlossen sei. Lähmendes Entsetzen.

Zwei Tage hatte man getagt, man war zugelassen worden, es gab früh etliche Fragen nach geplanten Stimmrechtsbeschränkungen - doch die Katze kroch so spät aus dem Sack, dass es für juristische Interventionen zu spät war. Man schrieb kurz vor acht, „Tagesschau“-Zeit.

Es habe am 15. Juni 2016 eine falsche Meldung gegeben, das habe er Burgeners Kanzlei auch mitgeteilt, erklärt Enderle öffentlich, was der betroffene Anwalt laut quittiert: „Das ist eine Lüge! Unwahrheit!“ Darauf der mit bunter Fliege forsch auftretende Versammlungsleiter: „Es gab unzählige Lügen in den Schriftsätzen.“

Aus dem Umfeld der Firma Constantin ist zu erfahren, Burgener und seine Leute hätten im Sommer mehr als 30 Prozent der Aktien besessen. Das hätten sie seitdem korrigieren und zudem ein Übernahmeangebot machen müssen. Das sei aber nicht erfolgt.

Während der Saal tobt, thront ein in sich hinein lächelnder Aufsichtsratschef Hahn über der Szenerie. Unten eilt Burgener, zeitweise im Mantel, blass umher, seine Anwälte schieben Rollkoffer, man telefoniert hektisch. Kurze Zeit später lässt der Chef der Konzerntochter Highlight Communications verkünden, er nehme den Ausschluss der Stimmrechte „unter Protest zur Kenntnis“.

Wörtlich: „Die Beschlüsse der HV sind null und nichtig.“ Niemand habe ihm eine plausible Begründung für die Radikalmaßnahmen geben können, „weil es keine gibt“. In den nächsten Tagen werde er eine Anfechtungsklage einreichen lassen. Es fällt in Gesprächen der Satz von „Türkei in München“, der Vergleich mit dem autokratischen Staatspräsidenten Erdogan. Burgener wird als Kläger nicht alleine bleiben.

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