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Coronakrise Kinos in Not: Betreiber fordern finanzielle Hilfen – und blicken neidisch nach Bayern

Leere Kinosäle, fehlende Blockbuster: Um die Pandemie zu überleben, hoffen Kinobetreiber auf neue Hilfen. Vom ersten Hilfsprogramm von 40 Millionen Euro profitierten sie kaum.
04.09.2020 - 12:10 Uhr Kommentieren
Aufgrund der geringen Auslastung der Kinos halten die Filmverleiher neue Filme zurück. Quelle: dpa
Verwaiste Kinosäle

Aufgrund der geringen Auslastung der Kinos halten die Filmverleiher neue Filme zurück.

(Foto: dpa)

Düsseldorf „Wie lange reicht das Geld? Was mache ich mit meinen Mitarbeitern?“ Diese Sorgen begleiten Michael Pawlowski, wenn er morgens aufsteht und abends schlafen geht. Der 65-jährige Mitgesellschafter der Filmpalast-Gruppe ist seit mehreren Jahrzehnten im Kinogeschäft tätig. „Ich habe alle Wirren, alle Erfolge, alle Niedergänge der Branche mitgemacht, die aktuelle Krisensituation bereitet uns größte Sorgen“, sagt Pawlowski.

Der Branche drohen Insolvenzen und die großflächige Schließung von Kinos. Um das zu verhindern, haben sich auf Initiative von Pawlowski 68 mittelständische, familiengeführte Kinobetriebe zusammengeschlossen und einen offenen Brief an Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und Medien, geschrieben. Sie fordern unter anderem sofortige finanzielle Hilfen und Lockerungen der Hygienerichtlinien während der Vorführungen.

Die Filmpalast-Gruppe betreibt deutschlandweit knapp 20 Kinos in Eigenregie oder mit Partnern, dazu kommen Beteiligungen am Kinomarkt in Tschechien und Kroatien.

Am Standort Pirna zeigt sich, wie prekär die Lage für die Kinobetreiber ist. „Wir verzeichnen einen Besucherrückgang von über 50 Prozent, unser Ertrag ist eingebrochen“, schildert Pawlowski. In der gesamten Branche liegt der Besucherrückgang sogar bei fast 60 Prozent. „Im Augenblick bringen wir jeden Tag Geld mit, um unsere Kinos offen zu halten.“

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    Seit Mitte Mai können Kinos wieder öffnen, nachdem die Coronakrise das Geschäft knapp zwei Monate komplett zum Erliegen gebracht hatte. Rentieren tut sich das bisher aber nicht. Vor allem die Abstandsregeln, die von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich sind, machen den Betreibern zu schaffen.

    „In Nordrhein-Westfalen lassen wir nach jeder Buchung einen Platz frei, und je nachdem wie viele Einzelpersonen und Gruppen kommen, können wir 50 Prozent oder mehr unserer Sitzplatzkapazität anbieten“, erklärt Pawlowski. „In anderen Bundesländern wie Niedersachsen oder Sachsen, wo wir einen Mindestabstand von 1,50 Meter einhalten müssen, können wir aber nur ein Viertel unserer Sitzplätze anbieten.“

    Pawlowski und seine Mitstreiter fordern daher eine bundesweite Vereinheitlichung und Lockerung der Abstandsregeln in Kinosälen. Dabei verweisen sie auf eine Studie des Hermann-Rietschel-Instituts der Technischen Universität Berlin für den Hauptverband Deutscher Filmtheater HDF Kino, die zu dem Ergebnis kommt, dass die Aeorosol-Belastung in Kinos deutlich geringer als in Büros ist. Das liegt an der Lüftungsart in den Sälen und daran, dass im Kino fast gar nicht gesprochen wird.

    „Habe andere Sorgen, als Investitionen zu tätigen“

    Die aktuell geringe Auslastung der Kinosäle führt zum nächsten großen Problem der Betreiber. Es gibt kaum neue Filmstarts. Für die Filmverleiher sind die derzeitigen Besucherzahlen unattraktiv, neue Filme werden deswegen zurückgehalten. „2019 gab es fast 800 Filmstarts, in diesem Jahr kommen wir vielleicht nicht mal auf 200“, sagt Pawlowski. „Noch viel schlimmer ist, dass wir nicht die Filme bekommen, die wir bräuchten, um Publikum zu gewinnen.“

    Die Konsequenz aus den leeren Kinosälen und dem mauen Filmprogramm bringen die Kinobetreiber in eine teils dramatische Liquiditätssituation. Daher fordern die 68 Unternehmen, die deutschlandweit einen Marktanteil von 40 Prozent haben, finanzielle Soforthilfen von Monika Grütters.

    Zwar hat die Bundesregierung schon ein Hilfsprogramm von 40 Millionen Euro für den Kinomittelstand beschlossen. Die Hilfen sind aber an Investitionen in Umbau-, Modernisierungs- und Ausstattungsmaßnahmen gebunden, mit denen sich das Risiko einer Ausbreitung des Coronavirus beim Kinobesuch reduzieren lassen soll.

    „Ich habe momentan andere Sorgen, als Investitionen zu tätigen“, sagt Pawlowski mit Blick auf das Hilfsprogramm. Eine mögliche Option sei, dass die Kinobetreiber für jeden ausgefallenen Besucher im Vergleich zu 2019 einen Betrag X bekommen, schlägt Pawlowski vor. So könnten vielleicht Fixkosten gedeckt werden. Bayern ist das bisher einzige Bundesland, in dem es so ein Modell gibt.

    Auf Anfrage des Handelsblatts teilte die Pressestelle von Staatsministerin Grütters mit, dass sie mit der Filmförderungsanstalt und den beiden zentralen Kinoverbänden HDF und AG Kino Gilde in engem Kontakt stehe, um ein weiteres Maßnahmenpaket für die Kinos noch für diesen Herbst aufzusetzen.

    „Das Dramatische an unserer Situation ist, dass wir nicht erkennen können, wann sich unsere Probleme wirklich auflösen, wann es wieder ein nachhaltiges Kino-Programm geben wird“, erklärt Pawlowski.

    Einen Hoffnungsschimmer für den Kinomittelstand gibt es aber. Christopher Nolans’ neuer Science-Fiction-Thriller „Tenet“ ist angelaufen und hat in den ersten fünf Tagen 380.000 Besucher in die Kinos gelockt.

    Mehr: Disney setzt voll auf Streaming.

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