Cyberangriff auf Krankenhaus Die neuen Schutzgelderpresser

Ein Krankenhaus in Los Angeles hat Lösegeld bezahlt, um seine eigenen Daten wiederzubekommen. Langsam dämmert der Wirtschaft, welche Risiken durch Hacker drohen. Selbst die Polizei wird erpresst - und zahlt.
Das Krankenhaus musste Lösegeld an Cybergangster zahlen, um den Betrieb aufrecht zu erhalten.  Das FBI ermittelt, aber die Chancen, die Täter zu fassen, sind gering. Quelle: Reuters
Das Hollywood Presbyterian Medical Center in Los Angeles

Das Krankenhaus musste Lösegeld an Cybergangster zahlen, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. Das FBI ermittelt, aber die Chancen, die Täter zu fassen, sind gering.

(Foto: Reuters)

San FranciscoAm Ende blieb Allen Stefanek keine Wahl. Der Klinik-Chef setzte sich an seinen Computer und überwies 40 Bitcoins, derzeit rund 17.000 US-Dollar wert, an einen Unbekannten. Der hatte ihm ein Angebot gemacht, das er nicht ablehnen konnte. Im Gegenzug für das digitale Geld bekam er einen ebenfalls digitalen Schlüssel.

Mit ihm beendete er die schmerzvolle Zeit, in der das Hollywood Presbyterian Medical Center keinen Zugriff auf weite Teile seiner IT-Infrastruktur und Dateien hatte. Die waren am 5. Februar von Hackern heimlich verschlüsselt worden. Danach hinterließen sie eine Lösegeldforderung, um nach Zahlung den Verschlüsselungs-Key herauszugeben. „Der schnellste und effizienteste Weg zur Wiederherstellung der IT und der Verwaltung war die Zahlung des Lösegeldes“, räumte Stefanek nun ein. „Wir haben es getan, um den normalen Betrieb wiederherzustellen.“

Der Vorgang zeigt das ganze Ausmaß der Verzweiflung. Denn die Zahlung war nicht mehr als ein Schuss ins Blaue. Die Hacker hätten auch einfach das Passwort für sich behalten und Nachforderungen stellen können. Denn obwohl FBI und externe Computerexperten zu Hilfe gerufen wurden, war es nicht gelungen, die Verschlüsselung zu knacken.

Seit US-Präsident Barack Obama 2009 die Gesundheitsbranche aufgefordert hat, auf elektronische Patientenakten umzusteigen, sehen sich immer mehr Krankenhäuser und Arztpraxen einem massiven Sicherheitsproblem ausgesetzt. Das „Electronic Medical Record“-System war es auch, das die Klinik in Hollywood an den Rand des Betriebsstillstands gebracht hatte. Sämtliche Abteilungen greifen darauf zu. Für das 434-Betten-Haus mit 200 Millionen Dollar Jahresumsatz stand also viel auf dem Spiel.

Für Adam Kujawa vom Sicherheitsexperten Malwarebytes ist das ein alltäglicher Vorgang. Es spricht nur niemand darüber. „Unglücklicherweise schweigen viele Unternehmen einfach, wenn sie Opfer solcher Attacken werden, vor allem, wenn sie auch bezahlt haben“, so der Experte aus San Jose gegenüber der Nachrichtenagentur AP. „Ransomware“, wie die spezielle Form von Verschlüsselungskriminalität genannt wird, wird auch ein großes Thema auf der Sicherheitskonferenz RSA spielen, die am 29. Februar in San Francisco beginnt.

Auch in Deutschland sind die Cyberkriminellen munter aktiv. Mehrere Krankenhäuser in Nordrhein-Westfalen, unter anderem in Neuss, waren in diesem Jahr bereits betroffen.

Elf Anzeichen, dass Sie gehackt wurden
Hand in Hand oder gegeneinander? Windows und Linux auf einem PC
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Software installiert sich selbstständig

Ungewollte und unerwartete Installationsprozesse, die aus dem Nichts starten, sind ein starkes Anzeichen dafür, dass das System gehackt wurde. In den frühen Tagen der Malware waren die meisten Programme einfache Computerviren, die die "seriösen" Anwendungen veränderten - einfach um sich besser verstecken zu können. Heutzutage kommt Malware meist in Form von Trojanern und Würmern daher, die sich wie jede x-beliebige Software mittels einer Installationsroutine auf dem Rechner platziert. Häufig kommen sie "Huckepack" mit sauberen Programmen - also besser immer fleißig Lizenzvereinbarungen lesen, bevor eine Installation gestartet wird. In den meisten dieser Texte, die niemand liest, wird haarklein aufgeführt, welche Programme wie mitkommen.

Was zu tun ist...
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Es gibt eine Menge kostenlose Programme, die alle installierten Applikationen auflisten und sie verwalten. Ein Windows-Beispiel ist Autoruns, das zudem aufzeigt, welche Software beim Systemstart mit geladen wird. Das ist gerade in Bezug auf Schadprogramme äußerst aussagekräftig - aber auch kompliziert, weil nicht jeder Anwender weiß, welche der Programme notwendig und sinnvoll und welche überflüssig und schädlich sind. Hier hilft eine Suche im Web weiter - oder die Deaktivierung von Software, die sich nicht zuordnen lässt. Wird das Programm doch benötigt, wird Ihnen das System das schon mitteilen…

Die Maus arbeitet, ohne dass Sie sie benutzen!
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Springt der Mauszeiger wie wild über den Bildschirm und trifft dabei Auswahlen oder vollführt andere Aktionen, für deren Ausführung im Normalfall geklickt werden müsste, ist der Computer definitiv gehackt worden. Mauszeiger bewegen sich durchaus schon einmal von selbst, wenn es Hardware-Probleme gibt. Klick-Aktionen jedoch sind nur mit menschlichem Handeln zu erklären.

Stellen Sie sich das so vor: Der Hacker bricht in einen Computer ein und verhält sich erst einmal ruhig. Nachts dann, wenn der Besitzer mutmaßlich schläft (der Rechner aber noch eingeschaltet ist), wird er aktiv und beginnt, das System auszuspionieren - dabei nutzt er dann auch den Mauszeiger.

Was zu tun ist
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Wenn Ihr Rechner des Nachts von selbst "zum Leben erwacht", nehmen Sie sich kurz Zeit, um zu schauen, was die Eindringlinge in Ihrem System treiben. Passen Sie nur auf, dass keine wichtigen Daten kopiert oder Überweisungen in Ihrem Namen getätigt werden. Am besten einige Fotos vom Bildschirm machen (mit der Digitalkamera oder dem Smartphone), um das Eindringen zu dokumentieren. Anschließend können Sie den Computer ausschalten - trennen Sie die Netzverbindung (wenn vorhanden, Router deaktivieren) und rufen Sie die Profis. Denn nun brauchen Sie wirklich fremde Hilfe.

Anschließend nutzen Sie einen anderen (sauberen!) Rechner, um alle Login-Informationen und Passwörter zu ändern. Prüfen Sie Ihr Bankkonto - investieren Sie am besten in einen Dienst, der Ihr Konto in der folgenden Zeit überwacht und Sie über alle Transaktionen auf dem Laufenden hält. Um das unterwanderte System zu säubern, bleibt als einzige Möglichkeit die komplette Neuinstallation. Ist Ihnen bereits finanzieller Schaden entstanden, sollten IT-Forensiker vorher eine vollständige Kopie aller Festplatten machen. Sie selbst sollten die Strafverfolgungsbehörden einschalten und Anzeige erstatten. Die Festplattenkopien werden Sie benötigen, um den Schaden belegen zu können.

Online-Passwörter ändern sich plötzlich
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Wenn eines oder mehrere Ihrer Online-Passwörter sich von einem auf den anderen Moment ändern, ist entweder das gesamte System oder zumindest der betroffene Online-Dienst kompromittiert. Für gewöhnlich hat der Anwender zuvor auf eine authentisch anmutende Phishing-Mail geantwortet, die ihn um die Erneuerung seines Passworts für einen bestimmten Online-Dienst gebeten hat. Dem nachgekommen, wundert sich der Nutzer wenig überraschend, dass sein Passwort nochmals geändert wurde und später, dass in seinem Namen Einkäufe getätigt, beleidigenden Postings abgesetzt, Profile gelöscht oder Verträge abgeschlossen werden.

Was zu tun ist
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Sobald die Gefahr besteht, dass mit Ihren Daten handfest Schindluder getrieben wird, informieren Sie unverzüglich alle Kontakte über den kompromittierten Account. Danach kontaktieren Sie den betroffenen Online-Dienst und melden die Kompromittierung. Die meisten Services kennen derartige Vorfälle zu Genüge und helfen Ihnen mit einem neuen Passwort, das Konto schnell wieder unter die eigene Kontrolle zu bekommen. Einige Dienste haben diesen Vorgang bereits automatisiert. Wenige bieten sogar einen klickbaren Button "Mein Freund wurde gehackt!" an, über den Dritte diesen Prozess für Sie anstoßen können. Das ist insofern hilfreich, als Ihre Kontakte oft von der Unterwanderung Ihres Kontos wissen, bevor Sie selbst etwas davon mitbekommen.

Werden die gestohlenen Anmeldedaten auch auf anderen Plattformen genutzt, sollten sie dort natürlich schnellstmöglich geändert werden. Und seien Sie beim nächsten Mal vorsichtiger! Es gibt kaum Fälle, in denen Web-Dienste E-Mails versenden, in denen die Login-Informationen abgefragt werden. Grundsätzlich ist es immer besser, ausschließlich Online-Dienste zu nutzen, die eine Zwei-Faktor-Authentifizierung verlangen - das macht es schwieriger, Daten zu entwenden.

Gefälschte Antivirus-Meldungen
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Fake-Warnmeldungen des Virenscanners gehören zu den sichersten Anzeichen dafür, dass das System kompromittiert wurde. Vielen Anwendern ist nicht bewusst, dass in dem Moment, wo eine derartige Meldung aufkommt, das Unheil bereits geschehen ist. Ein Klick auf "Nein" oder "Abbrechen", um den Fake-Virusscan aufzuhalten, genügt natürlich nicht - die Schadsoftware hat sich bestehende Sicherheitslücken bereits zunutze gemacht und ist ins System eingedrungen.

Bleibt die Frage: Warum löst die Malware diese "Viruswarnung" überhaupt aus? Ganz einfach: Der vorgebliche Prüfvorgang, der immer Unmengen an "Viren" auftut, wird als Lockmittel für den Kauf eines Produkts eingesetzt. Wer auf den dargestellten Link klickt, gelangt auf eine professionell anmutende Website, die mit positiven Kundenbewertungen und Empfehlungen zugepflastert ist. Dort werden Kreditkartennummer und andere Rechnungsdaten abgefragt - und immer noch viel zu viele Nutzer fallen auf diese Masche herein und geben ihre Identität freiwillig an die Kriminellen ab, ohne etwas davon zu merken.

Und haben die Hacker erst einmal zugeschlagen, dann gibt es für niemanden ein Erbarmen: Im April 2015 musste die Polizeibehörde der amerikanischen Kleinstadt Tewksbury feststellen, dass ihre Datenbestände über Verhaftungen und Verdächtige nicht mehr aufzurufen waren. Hinzugezogene IT-Experten konnten nur noch mit den Schultern zucken – die Daten waren verschlüsselt worden und ohne Code nicht mehr auszulesen. Zähneknirschend bezahlte die Polizei die geforderten 500 Dollar an die virtuellen Erpresser, um die Daten der lokalen Bösewichte wieder einsehen zu können.

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