Cybercrime-Chef des WEF „Cyberkriminalität kann nur global gelöst werden“

Der Cybercrime-Chef des WEF Troels Oerting sieht Internetkriminalität als globale Herausforderung – auf die es nur eine globale Antwort geben kann.
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Der frühere Europol-Abteilungsleiter verantwortet seit April das Global Centre of Cybersecurity des Weltwirtschaftsforums. Quelle: Imago/Stefan Zeitz
Troels Oerting

Der frühere Europol-Abteilungsleiter verantwortet seit April das Global Centre of Cybersecurity des Weltwirtschaftsforums.

(Foto: Imago/Stefan Zeitz)

DavosDer frühere Leiter des European Cybercrime Centre bei Europol und Chief Security Officer der britischen Bank Barclays leitet seit April das neue Global Centre for Cybersecurity des Weltwirtschaftsforums (WEF).

Herr Oerting, das WEF warnt vor einem Rückfall in ein digitales Mittelalter. Wird da übertrieben Angst geschürt?
Das Bild ist realistisch. Mit dem Trend zur Mobilkommunikation und der Vernetzung der physischen Welt über das Internet der Dinge wächst die Angriffsfläche enorm. Und der technische Wandel geschieht so rasch, dass der Gesetzgeber kaum folgen kann.

Welche Rolle soll Ihr Centre spielen?
Es gibt keine globale Institution für Public-private-Partnerships. Das WEF ist unabhängig und kann auch dank seines Renommees einen Anfang machen, um Unternehmen und politische Akteure aus verschiedenen Ländern zusammenzubringen. Cyberkriminalität wird sich stark ausweiten. Denn das Risiko, gefasst zu werden, ist sehr niedrig. Dafür sind mögliche Profite extrem hoch. Das Centre wird etwa eine internationale Taskforce aus 25 Cybercrime-Experten bilden, an die sich Unternehmen wenden können. Wenn eine neue Attacke mit möglichen globalen Folgen wie Wannacry bekannt wird, greifen sie direkt ein und sollen so den Schaden eindämmen.

Unterscheidet sich der Kampf gegen Cybergangster in Behörden und Firmen?
Strafverfolgungsbehörden kennen das Problem – aber ihnen fehlen oft genaue Informationen. In Unternehmen dagegen gibt es viele Informationen über Cyberkriminalität – aber sie werden nicht umfassend weitergeleitet. Ein besserer Austausch über Angreifer entsprechend den gesetzlichen Vorgaben kann deshalb entscheidend zur Abschreckung beitragen.

Wollen Sie auch Forscher einbinden?
Es fehlt eine Plattform, um ihre Expertise zusammenzubringen. Aber wir brauchen koordinierte Grundlagenforschung. Denn es gilt, einen ganz neuen Umgang mit dem Internet zu finden. Bislang operieren wir mit Firewalls und Antivirensoftware, aber das funktioniert nicht. Wir müssen das Internet quasi neu erfinden.

Politisch driftet die Welt auseinander, die Zahl der Konflikte nimmt zu. Wie wollen Sie da Kooperationen auf den Weg bringen?
Cybercrime ist eine globale Herausforderung, die nicht allein in Afrika, Europa oder Amerika gemeistert werden kann. Wir brauchen eine globale Antwort. Es gibt viele Baustellen – von Gesetzgebung über Standards bis zu Aufklärung. Wir wollen mit denen zusammenarbeiten, die guten Willens sind.

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