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Datenschutz-Debatte So glaubwürdig sind die Privatsphäre-Versprechen von Facebook-Chef Zuckerberg

Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, Löschung von Inhalten und keine Datenspeicherung in Ländern, die Menschenrechte verletzen: Das ist von Zuckerbergs Ankündigung zu halten.
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„Die Kommunikation der Zukunft wird sich „zunehmend auf vertrauliche, verschlüsselte Dienste verlagern.“ Quelle: Reuters
Mark Zuckerberg

„Die Kommunikation der Zukunft wird sich „zunehmend auf vertrauliche, verschlüsselte Dienste verlagern.“

(Foto: Reuters)

DüsseldorfFacebook-Chef Mark Zuckerberg hat angekündigt, das Online-Netzwerk stärker auf den Schutz der Privatsphäre auszurichten. Das steckt hinter seiner „auf den Datenschutz ausgerichteten Vision des sozialen Netzwerkens“ :

Was sind die Kernpunkte von Zuckerbergs Strategie?

  • Der Facebook-Chef glaubt, dass sich die Kommunikation der Zukunft „zunehmend auf vertrauliche, verschlüsselte Dienste verlagern wird, in denen sich die Menschen darauf verlassen können, dass das, was sie einander mitteilen, sicher bleibt“, schrieb er in einem Blogeintrag am Mittwoch. Nach dem Vorbild des Chatdienstes WhatsApp sollen weitere Angebote des Konzerns eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bekommen. Bei der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung können die Inhalte einer Unterhaltung nur von Absender und Empfänger eingesehen werden. Auch die Anbieter selbst haben in diesem Fall keinen Zugriff auf die entschlüsselten Daten.
  • Zudem will Zuckerberg die Möglichkeit schaffen, dass geteilte Inhalte und Nachrichten nach einer bestimmten Zeit automatisch gelöscht werden. Vorbild sind hier die „Stories“ des Fotodienstes Instagram, die nach 24 Stunden nicht mehr öffentlich sichtbar sind – es sei denn, sie werden von den Nutzern in den „Highlights“ abgelegt. Das würde das Risiko verringern, dass Nachrichten später wieder auftauchen und Nutzer in Verlegenheit bringen, schrieb Zuckerberg. Die Option könnte auch von den Nutzern abgeschaltet oder auf bestimmte Inhalte und Zeitperioden beschränkt werden.
  • Darüber hinaus will der Facebook-Chef die Schranken zwischen den einzelnen Apps aufbrechen: Facebook-, Instagram- und WhatsApp-Nutzer sollen die Option bekommen, über die Plattformen hinweg miteinander zu kommunizieren. Es soll für Nutzer auch möglich werden, Facebook-Dienste zu nutzen, um ihren Kontakten SMS-Nachrichten zu schicken. Das sei allerdings vorerst nur auf Android-Geräten möglich, da es Apple Apps nicht erlaubt, auf die SMS-Funktion des jeweiligen Geräts zuzugreifen.
  • Zuckerberg schrieb auch, dass Facebook die Entscheidung getroffen habe, keine Rechenzentren in Ländern zu bauen, in denen Menschenrechte verletzt oder die Meinungsfreiheit eingeschränkt werde. Somit dürfte unter anderem ein Markteintritt in China, über den in den vergangenen Jahren immer wieder spekuliert wurde, zunächst vom Tisch sein.

Wie glaubwürdig sind Zuckerbergs Ankündigungen?
Die Ankündigungen kommen nach einer Serie von Privatsphäre- und Manipulationsskandalen, die das Image des sozialen Netzwerks beschädigt haben: Erst Anfang Februar hat das Bundeskartellamt nach dreijähriger Prüfung Facebook untersagt, Daten aus Drittquellen ohne Zustimmung der Nutzer zu sammeln und zu verwenden.

Im Fall Cambridge Analytica waren Daten von Facebook-Nutzern vom Entwickler einer Umfrage-App vor über fünf Jahren widerrechtlich an die Datenanalysefirma weitergegeben worden. Facebook wusste seit Ende 2016 davon, begnügte sich aber mit der Zusicherung, dass die Daten vernichtet worden seien und informierte die Nutzer nicht.

Nahezu wöchentlich kämen weitere Vorwürfe dazu, sagt Johannes Caspar, der Hamburgische Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit. Als Beispiele nennt er die Übermittlung von Gesundheitsdaten durch Apps ohne Einwilligung der Betroffenen, die Verwendung der Mobilfunknummer, die zur Zwei-Faktor-Authentifizierung erhoben wurde, zu kommerziellen Zwecken sowie eine Liste von Personen, die Facebook zur Überwachung von Nutzern und ehemaligen Mitarbeitern erstellt haben soll.

„Die Strategie ist, eine Vision zu entwickeln, die das datenschutzwidrige Zusammenziehen der Nutzerdaten von WhatsApp und Instagram unter die Facebook-Glocke in einem datenschutzfreundlichen Licht zeigen soll“, sagt Caspar.

Facebooks früherer Privatsphäre- und Policy-Berater Dipayan Ghosh hält es für wahrscheinlich, dass Zuckerberg der Öffentlichkeit sein Privatsphäre-Versprechen als scheinbares Alleinstellungsmerkmal präsentiert, während die Ausweitung der Verschlüsselung und die Kurzlebigkeit der Inhalte die Marktmacht seines Unternehmens nur verstärkt. Der Teufel stecke im Detail der Umsetzung seiner Ankündigungen.

Welche Auswirkungen hätte eine Umsetzung der Ankündigungen auf Facebooks Geschäftsmodell?
Facebooks Geschäftsmodell basiert im Wesentlichen darauf, seinen Nutzern, die gleichzeitig potenzielle Kunden für Unternehmen sind, möglichst passgenaue Werbung anzuzeigen. Je mehr persönliche Daten das soziale Netzwerk sammelt, desto besser kann Facebook mit seinen Werbeanzeigen die richtigen Zielgruppen erreichen. Zwar wäre mit einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung der Daten ein Zugriff auf die Inhalte der individuellen Kommunikation nicht mehr möglich.

„Gleichwohl wären die Meta-Daten der Nutzer weiterhin für Facebook auszuwerten“, warnt der Hamburgische Datenschutzbeauftrage Caspar und fügt hinzu: „Sollten sich die Pläne verdichten und die Nutzerdaten zwischen WhatsApp, Instagram und Facebook zusammengezogen, würde das Hunderte Millionen von Nutzerinnen und Nutzer betreffen. Der Schaden für die Privatsphäre wäre immens.“ Facebook könnte so plattformübergreifende Profile erstellen und seine Datenmacht noch ausbauen, glaubt Caspar.

Policy-Experte Ghosh vom US-Thinktank New America hält es für möglich, dass Facebook „spezifische Daten über Benutzer mit Hilfe seiner eigenen Dienste und denen Dritter sammelt und dass es einfach weiterhin Anzeigen und kuratierte Inhalte bei einzelnen Personen in verschlüsselten Formaten verbreitet.“

Facebook-Chef Zuckerberg schrieb in seinem Blogeintrag, dass sein Unternehmen daran arbeite, mit Hilfe der Erkennung von Aktivitätsmustern und weiteren Maßnahmen betrügerische und kriminelle Nutzer zu identifizieren – „auch wenn wir den Inhalt der Nachrichten nicht sehen können“. Zu Details äußerte er sich aber nicht.

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