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Datenschutz US-Ermittler untersuchen Facebooks Daten-Deal

Facebook soll Tech-Firmen mehr Zugriff auf persönliche Daten gewährt haben als bisher bekannt. Mehr als 150 Unternehmen haben laut einem Bericht davon profitiert.
Update: 14.03.2019 - 03:30 Uhr Kommentieren
Facebook-Chef Mark Zuckerberg bei einer Anhörung im April Quelle: AFP
Facebook

Facebook-Chef Mark Zuckerberg bei einer Anhörung im April

(Foto: AFP)

New York„Wir verkaufen keine Daten an Dritte“ - das hat Mark Zuckerberg während einer Anhörung im April 2018 gegenüber dem Kongress gesagt. Der Datenstrom, den Facebook von seinen 2,2 Milliarden Nutzern sammelt, bleibe immer sicher in den Händen des sozialen Netzwerks, versicherte der Unternehmens-Chef.

Laut einem Bericht der „New York Times“ vom Mittwoch soll Facebook zwar keine Benutzerdaten verkauft, sie aber vielmehr als Tauschware behandelt haben: Seit Jahren habe Zuckerbergs Netzwerk persönliche Informationen mit Dutzenden Silicon Valley-Unternehmen geteilt.

Die Unternehmen hätten dabei einen wesentlich umfassenderen Zugriff auf Benutzerdaten erhalten als Facebook bisher zugegeben hatte. Was bei dem Tausch für Facebook heraussprang? Maßgeschneiderte, gezielte Werbung, die Facebook neue Nutzer einbrachte, Kunden länger auf der Seite hielt und die Werbeeinnahmen steigerte.

Laut dem Zeitungsbericht untersuchen US-Ermittler nun die Vereinbarungen des weltgrößten sozialen Netzwerks mit großen Tech-Unternehmen. Dabei seien mindestens zwei bekannte Hersteller von Smartphones und anderen Geräten mit Vorladungen aufgefordert worden, Unterlagen offenzulegen. Beide Firmen hätten Partnerschaften mit Facebook vereinbart, um Zugang zu persönlichen Informationen der Facebook-Nutzer zu erhalten. „Wir arbeiten mit den Ermittlern zusammen und nehmen diese Untersuchungen ernst“, zitiert die Zeitung ein Facebook-Statement.

Die brisante Enthüllung der „New York Times“ stützt sich auf hunderte Seiten interner Facebook-Dokumente und Interviews mit etwa 50 ehemaligen Mitarbeitern des Unternehmens und dessen Partnern. Die Recherche des Blattes zeigt: Der Markt mit Daten ist scheinbar noch größer, als viele Verbraucher vermuten - und Facebook ist ein zentraler Akteur.

Den Untersuchungen der Zeitung zufolge soll Facebook einige der weltweit größten Technologieunternehmen von den üblichen Datenschutzbestimmungen befreit haben. Die Sonderregelungen seien in Facebook-Dokumenten aufgezeichnet, die der „New York Times“ vorliegen. Die Datensätze, die 2017 vom internen System des Unternehmens erstellt wurden, bieten laut dem Blatt das bisher umfassendste Bild der Datenaustauschpraktiken in sozialen Netzwerken.

So habe Facebook beispielsweise Microsofts Suchmaschine Bing erlaubt, die Namen von nahezu allen Freunden von Facebook-Nutzern ohne deren Einwilligung einzusehen. Netflix und Spotify hätten die Möglichkeit erhalten, private Nachrichten von Facebook-Benutzern zu lesen. Auch Amazon hätte auf Namen und Kontaktinformationen von Freunden zugreifen können.

Das weltgrößte Online-Netzwerk kämpft schon lange gegen Kritik: Insbesondere nach dem Ausbruch des Datenskandals um Cambridge Analytica war Facebook scharf für den Umgang mit Nutzerdaten kritisiert worden. Facebook hatte anschließend angekündigt, strengere Datenschutzbestimmungen einzuführen. Zuckerberg hatte im April gegenüber dem Kongress versichert, dass die Nutzer „alles unter Kontrolle haben“, was sie auf Facebook teilen.

Trotzdem soll Facebook aber bestimmten Unternehmen den Zugriff auf Daten erlaubt haben. Die Erkenntnisse werfen auch die Frage auf, kommentiert das Blatt, ob Facebook gegen eine Einwilligungsvereinbarung mit der Federal Trade Commission aus dem Jahr 2011 gestoßen habe, die dem sozialen Netzwerk verboten hat, Benutzerdaten ohne ausdrückliche Erlaubnis zu teilen.

Insgesamt hätten demnach mehr als 150 Unternehmen von den Deal profitiert - die meisten davon Tech-Unternehmen, darunter Online-Händler und Unterhaltungs-Websites, aber auch Automobilhersteller und Medienunternehmen. Die ältesten Vereinbarungen gehen laut dem Blatt bis 2010 zurück und sollen großflächig bis 2017 aktiv gewesen sein, einige sogar noch in diesem Jahr.

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