Datensicherheit Facebook beschränkt Zugang für Apps – und legt damit Tinder lahm

Der Internetriese bemüht sich, die Sicherheit seiner Nutzerdaten zu verbessern. Apps wie der Datingplattform Tinder bereitet das zunächst Probleme.
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Die von Facebook vorgenommen Änderungen für bessere Datensicherheit hat der Dating-App zunächst Probleme bereitet. Quelle: dpa
Tinder

Die von Facebook vorgenommen Änderungen für bessere Datensicherheit hat der Dating-App zunächst Probleme bereitet.

(Foto: dpa)

San FranciscoFacebook könnte Schuld sein an der einsamsten Nacht in den USA seit Jahren: Verzweifelte Nutzer der Datingplattform Tinder wandten sich am Mittwoch in Panik an den Chat-Dienst Twitter, um ihrer Frustration Ausdruck zu verleihen.

„Tinder ist down. Das bedeutet, ich bekomme keine Aufmerksamkeit und niemand sagt mir, wie schön ich bin“, twitterte eine verzweifelte Tinderin. „FIX IT!!!“

Wie viele andere war sie Opfer einer Umstellung der Log-In-Prozeduren durch Facebook geworden. Das weltgrößte soziale Netzwerk hatte am Mittwoch für zahlreiche Apps, die auf sein Netzwerk zugreifen wollen, neue und härtere Regeln eingeführt.

Facebook beschneidet viele seiner „API“ genannten Schnittstellen, über die andere Unternehmen Informationen mit dem Netzwerk teilen und auch abfragen können. Kurz zusammengefasst bedeutet es, dass Apps wie Tinder nicht mehr so viele Informationen bekommen wie bisher.

Denn wenn Nutzer die App Tinder zum ersten Mal installieren, müssen sie ihren Account mit Facebook verknüpfen. So will Tinder sicherstellen, dass keine Unternehmen, sondern echte Personen hinter den Fotos stecken.

Mit der Umstellung reagiert CEO Mark Zuckerberg auf die jüngsten Datenskandale und, wie er in einer Telekonferenz einräumte, Fehler im System. Nicht immer verlief die Umstellung problemlos, bei Tinder gingen Kontakte und Gesprächshistorien verloren, oder es war schlicht gar kein Einloggen mehr möglich. Die Chancen, noch eine Verabredung für heute Abend hinzubekommen, sanken für viele Tinderinnen und Tinderer gegen Null.

„Ich habe das hier gegründet, ich leite es und ich bin verantwortlich.“ Mit drastischen Worten versuchte Facebook-Mitgründer und Vorstandschef Zuckerberg die Maßnahmen zu verteidigen und alle Zweifel zu zerstreuen, er würde sich nicht seiner Verantwortung stellen. Man habe einfach nicht gesehen, „wie breit die Verantwortung“ für die Gesellschaft sei, räumt er ein.

Doch das sei jetzt vorbei. Er wünschte, er könne mit den Fingern schnipsen und alles wäre wieder gut. Aber das gehe nicht. Es werde lange dauern, bis die Probleme gelöst seien, aber die Masse sollte bis Jahresende erledigt sein.

Zuvor hatte Facebook zugegeben, dass deutlich mehr Nutzer vom Datenskandal um Cambridge Analytica betroffenen sein könnten. Bis zu 87 Millionen, teilte Technikchef Mike Schroepfer in einem Post mit. Darin beschrieb er auch die Pläne des sozialen Netzwerks, die Datensicherheit der Plattform zu verbessern.

Der Zugang von Unternehmen auf Informationen von Facebook-Apps werde eingeschränkt, alte Mitteilungsprotokolle gelöscht sowie die Profilsuche anhand von Telefonnummern und E-Mail-Adressen beendet. In der Vergangenheit sei dies missbraucht worden, heißt es.

Die öffentlich zugänglichen Profilinformationen eines Facebook-Nutzers waren auch ohne kriminelle Energie zu einfach einsehbar, räumte Zuckerberg ein. Wer die Mobilfunknummer oder die E-Mail-Adresse eines Facebook-Nutzers hatte, war bis heute in der Lage, über schlichte Eingabe der Daten an das Profil zu gelangen.

Das macht es einfacher, Nutzer zu finden, die zum Beispiel häufige Namen wie Peter Müller haben – ohne hunderte von Profilen per Hand anklicken zu müssen. In Bangladesch waren laut Facebook gut sieben Prozent aller Suchen solche Anfragen. Das Problem dabei: Jeder, der die Mobilnummer oder die E-Mail hatte, die zur Anmeldung benutzt wurde, konnte so weitere Informationen sammeln, selbst wenn der Profil-Besitzer es gar nicht wollte.

Facebook geht davon aus, dass die Daten von jedem, der diese Suche nicht deaktiviert hatte, mindestens einmal irgendwann ausgelesen wurde. Vor allem Geschäftsinhaber hätten das gerne genutzt, und auch Personalabteilungen haben sicher profitiert. Da die Funktion standardmäßig aktiviert war, räumte Zuckerberg ein, es könnte theoretisch jeder der über zwei Milliarden Nutzer betroffen gewesen sein. Allerdings handelt es sich nur um die ohnehin öffentlichen Profil-Informationen.

Zuckerberg hatte auch klare Worte für die Aktionäre bereit, die der Aktie in Scharen den Rücken zugekehrt hatten. Man habe „keinen ernsthaften Einfluss“ des Boykottaufrufs #deleteFacebook auf das Geschäft wahrnehmen können. Er deutete damit an, dass die Geldmaschine Facebook trotz aller Probleme weiter auf vollen Touren laufe. Am 25. April werden die Zahlen für das erste Quartal vorgelegt, dann wird es mehr Informationen auch dazu geben.

Und was Tinder angeht, hat Facebook bereits versprochen, man arbeite intensiv mit der Datingplattform zusammen, um alle Probleme zu lösen. So lange bleibt dem jungen Amerika wenig anderes übrig, als eine Pizza für den Abend zu bestellen und Netflix zu gucken.

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  • Tinder geht nicht, meine Match-Aktien könnten fallen, Herr Baron, wann kommt der Patch

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