Debatte um 5G Telekom-Chef Höttges sieht Deutschlands digitale Zukunft in Gefahr

In den USA läuft es bestens für die Telekom. Aber die Debatte um 5G macht CEO Höttges Sorgen. Er warnt vor einem „industriepolitischen Desaster“.
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Der Telekom-Chef wettert gegen die Bundesnetzagentur. Quelle: AFP/Getty Images
Timotheus Höttges

Der Telekom-Chef wettert gegen die Bundesnetzagentur.

(Foto: AFP/Getty Images)

DüsseldorfEigentlich ist die Pressekonferenz zu den Quartalszahlen der Deutschen Telekom vorbei. Der Dax-Konzern konnte in den USA, in Europa und beim Sorgenkind T-Systems Wachstum bekanntgeben und die Ziele für 2018 zum dritten Mal in diesem Jahr nach oben schrauben. Alle Nachfragen sind beantwortet. Da ergreift CEO Timotheus Höttges noch einmal das Wort. „Was mich mit Sorge erfüllt, ist das politische Wetteifern“, sagt er.

Die Debatte um den Ausbau des nächsten Mobilfunkstandards 5G sei überhitzt. Politiker stellten immer neue Forderungen auf. Dabei werde die Unabhängigkeit der Bundesnetzagentur als zuständige Behörde gefährdet. Die Behörde werde „politisch instrumentalisiert“, klagt Höttges.

Der Ausbau von 5G ist das wichtigste Zukunftsthema für den Dax-Konzern in Deutschland. Die Bundesnetzagentur zurrt die letzten Details für die Vergabe der Frequenzen fest. Am 26. November sollen die Vorgaben bekanntgegeben werden. Die Auktion ist für das erste Quartal 2019 geplant.

Dabei geht es um nicht weniger als die Architektur des Mobilfunkmarktes in der Bundesrepublik. Die Entscheidung der Agentur wird auf Jahrzehnte prägen, wie die Netzbetreiber arbeiten können. Kurz: Es geht um sehr viel Geld.

Entsprechend aufgeheizt ist die Stimmung. Der Telekom-Chef hat sich zusammen mit den Deutschlandchefs der Netzbetreiber Vodafone und Telefónica entschieden gegen eine Verpflichtung zum Teilen der Infrastruktur, das sogenannte National Roaming, ausgesprochen. Dazu gelang es den Mobilfunkern sogar, in einem gemeinsamen Papier die Industrieverbände davon zu überzeugen, sich der Forderung anzuschließen.

Im Gegenzug für ein Versprechen zu einem weitreichenderen Ausbau von 5G stellten sich die Verbände wie der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), der Verband der Maschinenbauer (VDMA), der Telekommunikationsverband Bitkom sowie der Verband der Elektroindustrie ZVEI gegen National Roaming und gegen eine Verpflichtung der Netzbetreiber, Mobilfunkdiscountern wie 1&1 oder Freenet Zugang zu ihren Diensten zu gewähren, eine sogenannte Diensteanbieterverpflichtung.

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Höttges legte nach. „Wer diesen Pfad weitergeht, riskiert die digitale Zukunft Deutschlands“, sagte er. Er halte die Forderung nach National Roaming für einen „riesigen Fehler“.

Das Thema ist bei der Bundesnetzagentur jedoch noch nicht vom Tisch. Die Beamten erwägen nach Handelsblatt-Informationen eine Regelung, bei der Netzbetreiber nicht landesweit, sondern lokal zum Teilen der Infrastruktur verpflichtet werden können – also kein nationales, sondern lokales Roaming. Hintergrund ist die Forderung zahlreicher Politiker, dafür zu sorgen, dass in Funklöchern andere Anbieter genutzt werden können. Hat etwa ein O2-Kunde kein Netz, soll er auf die Mobilfunkverbindung von Telekom oder Vodafone zurückgreifen können.

Die Mobilfunkbetreiber stellen sich entschieden gegen diesen Plan. Sie warnen, dass sich dann ein Ausbau im ländlichen Raum nicht mehr lohne. Wenn weiterhin überzogene Forderungen aus der Politik geäußert würden, dann drohe „ein industriepolitisches Desaster“, betont Telekom-Chef Höttges.

Starke US-Tochter

Für Europas größten Telekommunikationskonzern läuft es dennoch sehr gut. Die Prognose für das bereinigte Betriebsergebnis (Ebitda) hob Höttges auf 23,6 Milliarden Euro an. Das sind 400 Millionen Euro mehr, als er zum Jahresbeginn als Zielmarke ausgegeben hatte.

Besonders stark trieb die US-Tochter das Wachstum. T-Mobile US trug fast die Hälfte zu dem um 4,7 Prozent gestiegenen Konzernerlös von 19,1 Milliarden Euro bei. Das bereinigte Betriebsergebnis (Ebitda) des Konzerns legte um 8,5 Prozent auf 6,2 Milliarden Euro zu.

„Wir werden jedes Jahr 5,5 Milliarden Euro nur in Deutschland investieren“

Der Gewinn stieg auf 1,11 Milliarden Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte er noch bei einer halben Milliarde Euro gelegen, unter anderem, weil Schwierigkeiten der Großkundentochter T-Systems zu einer Abschreibung von 1,2 Milliarden Euro geführt hatten.

Unter dem neuen Chef Adel Al-Saleh steckt T-Systems mitten in einer Umbauphase. Mehr als 10.000 Stellen sollen abgebaut werden. Im abgelaufenen Quartal konnte Al-Saleh deutlich bessere Zahlen präsentieren. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 2,8 Prozent. Das bereinigte Ebitda legte um sechs Prozent auf 139 Millionen Euro zu. Al-Saleh hatte erst vor wenigen Tagen bekanntgegeben, eine Kooperation im Cloudcomputing mit dem Konkurrenten Amazon einzugehen. Rivale Microsoft hatte im August bekanntgeben, ein Cloud-Modell mit der Telekom als Treuhänder nicht weiterführen zu wollen.

Die Umstrukturierung bei T-Systems werde noch länger dauern, mahnt Finanzchef Thomas Dannenfeldt, der die Telekom nach über 25 Jahren Ende 2018 verlässt. „Es ist noch zu früh, Victory zu schreien“, sagte Dannenfeldt.

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