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Der Datenhack und seine Folgen Die Tragödien rund um Ashley Madison

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Account ist nicht gleich Seitensprung

Bleibt die Frage nach der Glaubwürdigkeit. Schließlich handelt es sich immer um ungeprüfte Selbstangaben der Nutzer. Hier verweist HPI-Sprecher Hans-Joachim Allgaier auf die Altersauswertung: Da finden sich so absurde Alterseinträge wie 1 Jahr oder 119. So könnten auch Angaben gemacht worden sein, die nur der Verschleierung des tatsächlichen Wohnorts dienten. Verantwortungsvolle Sicherheitsberater wie Per Thorsheim warnen deshalb seit langem vor voreiligen Schlüssen und sensationsgetriebener Berichterstattung.

Auf seiner Website haveibeenpwned.com gibt es Informationen zu AM nur diskret an die direkt betroffene Email-Adresse. So kann sich kein Schnüffler durch die Eingabe einer x-beliebigen Angabe Informationen verschaffen, die ihn nichts angehen. Das halten nicht alle Anbieter so, die sich ein zusätzliches Geschäft versprechen. Auch der Identitytracker des Hasso-Plattner-Instituts sendet nur eine diskrete E-Mail mit Basisdaten an die angefragte Adresse, ohne Details zu verraten.

Bleibt die Frage, wie sich die Hacker derart umfassend Zugang verschaffen konnten? Kamen sie aus dem Unternehmen selbst? Zumindest ein Experte ist sicher, der gigantische Datendiebstahl sei nur von innen möglich gewesen. John McAfee, Gründer des gleichnamigen Sicherheitsunternehmens, das mittlerweile zu Intel gehört, erklärt den Fall in einem Artikel für International Business Times. Bei der Sichtung der 40 Gigabyte Daten aus dem Hack seien ihm einige Besonderheiten aufgefallen. Es wurden komplette und sehr umfangreiche Datenbanken aus dem System herausgeladen. Hacker von außen, so McAfee, hätten selten die nötigen Kenntnisse der Software-Programme im Unternehmen, um solche komplexen Aktionen durchzuführen.

Wenngleich McAfee selbst eine, freundlich formuliert, sehr bewegte jüngere Vergangenheit hat, ist er zumindest auf dem Gebiet der Sicherheitstechnik ein unbestrittener Experte. Auch Edward Snowden war Insider und es ist unwidersprochen, dass er von außen niemals solch gewaltigen Datenmengen von der NSA hätte stehlen können. Auch bei anderen Hacks, so wie bei Sony, schließen Ermittler zumindest interne Helfer nicht aus.

Bei einer weiteren Vermutung begibt sich McAfee auf dünnes Eis. Er glaubt der Hacker war in Wahrheit eine Hackerin. Darauf deuteten Worte wie „scumbags“ (Drecksack/Mistkerl) in den Erklärungen der Hackergruppe hin, ein Wort, dass im amerikanischen Sprachgebrauch in der Regel nur von Frauen als abschätzige Beschreibung für Männer gebraucht wird. Solchen Auffälligkeiten nachzugehen, ist auch bei US-Behörden nicht unüblich, um Anschuldigungen auszusprechen. So gelten zum Beispiel das Ausbleiben von Hackerangriffen an bestimmten Feiertagen in Russland, Nordkorea oder China als ernste Indizien darauf, dass Angriffe von diesen Ländern ausgehen. Oder es ist bewusste Irreführung – zum Beispiel um Ermittler auf die falsche Fährte einer Frau als Hackerin zu locken.

Für Avid Life steht derweil alles auf dem Spiel. In Kalifornien ist eine erste Sammelklage auf dem Weg. Die Kläger behaupten, sie hätten 19 Dollar für den „Full Delete“-Service bezahlt, der eine komplette Löschung aller Aktivitäten auf dem Seitensprung-Portal einschließlich Fotos und Konversationen von den Servern verspricht. Trotzdem fanden sie sich angeblich in den geklauten Datenlisten im Internet wieder.

Nur ein Grund mehr um daran zu zweifeln, wie sicher die Daten im Internet sind und ob man Web-Unternehmen in dieser Hinsicht trauen kann.

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7 Kommentare zu "Der Datenhack und seine Folgen: Die Tragödien rund um Ashley Madison"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • "Ja, dann werfe ich mal den ersten Stein."
    Aha, ja cool, wenn ich Sie somit richtig verstehe, dann sind Sie also als einer der ultra wenigen Menschen auf dem Planeten ohne (!) Schuld und haben sich quasi damit das Recht "erlebt", um erhaben über alle Beziehungen anderer Leute zu urteilen!
    Prima, daher schlage ich Sie nun sogleich als Nachfolger von Mutter Theresa und Mahatma Gandhi vor, und bei so hoher moralischer Überlegenheit, ist es Ihnen freilich auch sicherlich ein Leichtes, den Kindern solcher (u.a. vom digitalen Mob) in den Selbstmord getriebenen Personen zu erklären, weshalb es definitiv okay ist, dass der betreffende Elternteil ja doch nur versucht habe die fahle Familienehre wieder herzustellen..
    Adieu!

  • Ja, dann werfe ich mal den ersten Stein. Dass man in einer Beziehung seinen Partner nicht betrügt, wenn es kein beidseitiges anderes Agreement gibt, ist doch nicht vorgestrig.

    Natürlich liegt der Veröffentlichung ein Verbrechen zugrunde und ich hoffe, die Täter werden gefasst und kommen vor Gericht.

    Aber Mitleid für die Opfer der Veröffentlichung kann ich überhaupt nicht empfinden und die Krokodils-Tränen derjenigen will ich nicht sehen und nehme diese nicht ernst. Handlungen führen zuweilen zu Konsequenzen - damit sollte man leben können oder die Handlungen unterlassen.

  • "Nur ein Grund mehr um daran zu zweifeln, wie sicher die Daten im Internet sind und ob man Web-Unternehmen in dieser Hinsicht trauen kann."

    Richtig. Und am wenigsten traut man dem StaatsUNwesen als allumfassenden Datensammler, denn das reicht alle Daten an alle Behörden und auch private Unternehmen(Stichwort: Melderegisterdaten) weiter und umgekehrt.

    Nur Daten, die nicht erhoben werden sind sicher. Ein Leben ohne BigData ist besser als eines mit. Das Leben geht genausogut ohne riesige Datensammlungen (egal von wem) weiter.

  • "Beide Sorten haben es verdient nun am Pranger zu stehen. Mit denen muss man wirklich kein Mitleid haben."

    Sehr geehrte Frau Buschmann,
    wir leben Gottseidank nicht mehr im finsteren Mittelalter, als man Leute teils sogar nach Belieben Anschwärzen, an den Pranger und schließlich genüsslich voller Häme, Hass und Abscheu anspucken konnte. Menschen sind Menschen, und wenn sie Fehler begehen, dann möge sich von mir aus auch der liebe Gott selbst darum kümmern oder eben bei tatsächlich justiziablem Vergehen ein/e Richter/in.
    Ehebruch gehört im Übrigen nicht mehr dazu. In Deutschland wird Ehebruch seit dem 1. September 1969 (1. StrRG) nicht mehr strafrechtlich sanktioniert. Alle weiteren z.B. sorgerechtlichen Fragen hat ein Familiengericht zu klären.
    Abschließend möchte ich noch ein Jesuszitat erwähnen: "Derjenige von euch, der ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein!"

  • As times goes bye...

    ...ich auch nicht: die lieben Menschen und das böse Internet vice versa:
    howto build legends.

  • Ach nein.... meine Daten im Internet sind nicht 100Prozent sicher? Hätte ich jetzt nicht gedacht.

  • sorry, aber die Leute sind nun wirklich selbst schuld. Fremdgehen weil man unerwartet jedem über den Weg läuft der/die einen ungewollt fasziniert - mag verständlich sein. Eine offene Beziehung zu führen in der beide Partner tun und lassen können was sie wollen ist erst recht ok. Aber bewusst fremd gehen? Sorry, dann sollen sich diese Leute doch bitteschön vorher trennen.

    Aber endweder machen sie es nicht weil sie dabei finanziell verlieren würden, oder sie sind schlicht feige.

    Beide Sorten haben es verdient nun am Pranger zu stehen. Mit denen muss man wirklich kein Mitleid haben. Wer mit denen Mitleid hat, gehört wahrscheinlich selbst zu der Sorte Fremdgänger...

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