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Der Fall Relotius „Der Spiegel“ macht den eigenen Betrugsfall zur Titelgeschichte

Ein Redakteur des Nachrichtenmagazins hat jahrelang Geschichten gefälscht und Protagonisten erfunden. Der Spiegel reagiert mit Selbstkritik.
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Das Logo des Nachrichtenmagazins am Redaktionsgebäude in Hamburg. Quelle: AFP
Der Spiegel

Das Logo des Nachrichtenmagazins am Redaktionsgebäude in Hamburg.

(Foto: AFP)

BerlinDas Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ hat den Betrugsfall im eigenen Haus zur Titelgeschichte der aktuellen Ausgabe gemacht. Die Titelseite kommt diesmal ohne jedes Foto aus. Stattdessen ist dort in großen Buchstaben das Motto des „Spiegel“-Gründers Rudolf Augstein „Sagen, was ist.“ zu lesen.

„Dieses Haus ist erschüttert. Uns ist das Schlimmste passiert, was einer Redaktion passieren kann. Wir hatten über Jahre Reportagen und andere Texte im Blatt, die nicht die Wirklichkeit abbildeten, sondern in Teilen erfunden waren“, heißt es in der „Hausmitteilung“ zum Auftakt der eigenen Berichterstattung über den Betrugsfall, den der „Spiegel“ bereits am Mittwoch bekannt gemacht hat.

Danach hat ein Redakteur in „großem Umfang seine eigenen Geschichten gefälscht und Protagonisten erfunden“. Er hat die Vorwürfe den Angaben zufolge eingeräumt und seinen Vertrag nach anderthalb Jahren am vergangenen Montag gekündigt. Von ihm sind dem „Spiegel“ zufolge seit 2011 knapp 60 Texte im Heft und bei „Spiegel Online“ erschienen.

HANDOUT - 21.12.2018, ---: Das Cover des Nachrichtenmagazins
Spiegel

HANDOUT - 21.12.2018, ---: Das Cover des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" Nr. 52, der am 22.12.2018 erscheint. Das Nachrichtenmagazin hat den Betrugsfall im eigenen Haus zur Titelgeschichte der aktuellen Ausgabe gemacht. (zu dpa «Der Spiegel» macht den eigenen Betrugsfall zur Titelgeschichte" vom 21.12.2018) Foto: Spiegel/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit einer Berichterstattung über die Ausgabe Nummer 52 und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits +++ dpa-Bildfunk +++

(Foto: dpa)

„Wir waren immer stolz auf unsere Sicherungssysteme, auf den aufwendigen Produktionsprozess für unsere Texte“, schreiben Susanne Beyer und Dirk Kurbjuweit im Namen der Chefredaktion. Die Texte würden von Ressortleitern, Dokumentaren, Chefredakteuren und Schlussredakteuren gelesen und gegebenenfalls verbessert. „Vor allem die Dokumentare haben die Aufgabe, Fehler in den Texten zu finden, sie sind unsere Faktenchecker.“

Im Fall der gefälschten Texte des Mitarbeiters hätten diese Sicherungssysteme jedoch versagt. „Die Fälschungen wurden nicht erkannt, die Machwerke gingen in Druck, fanden begeisterte Leser und eine Menge Jurys, die sie mit Preisen auszeichneten. Das beschämt uns.“

Die hausinternen Recherchen zu dem Betrugsfall sollen weitergehen. „Dies wird ein langer Prozess, wir werden jeden Stein umdrehen“, kündigen Beyer und Kurbjuweit an. Eine Kommission sei bereits ins Leben gerufen worden, die den Fall, aber auch alles andere, was vielleicht noch kommen könnte, gründlich überprüfen werde. „Die Ergebnisse ihrer Arbeit werden wir öffentlich machen.“

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  • dpa
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