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Deutsche Telekom Obermanns riskante Wette in den USA

Probleme in Griechenland und der geplatzte Verkauf des US-Geschäfts haben der Deutschen Telekom das Jahr 2011 verhagelt. Nun will Konzernchef Obermann ausgerechnet in den USA massiv investieren. Ein riskanter Plan.
5 Kommentare

Telekom riskiert Milliardeninvestitionen

Bonn "2011 war ein schwieriges Jahr." Mit diesen Worten beginnt Telekom-Chef René Obermann die Präsentation seiner Jahresbilanz. Noch bevor er überhaupt eine Zahl genannt hat, versucht Obermann das Ergebnis zu erklären. 

Milliarden-Abschreibungen auf ihre Krisen-Töchter in den USA und Griechenland haben der Deutschen Telekom im vergangenen Jahr die Bilanz verhagelt. Der Überschuss sank 2011 auf 557 Millionen Euro von 1,7 Milliarden vor einem Jahr. Analysten hatten etwa sechs Mal so viel Überschuss erwartet, nämlich 2,95 Milliarden Euro. Im vierten Quartal schrieb die Telekom sogar rote Zahlen: Für Oktober bis Dezember stand ein Verlust von 1,34 Milliarden Euro in den Büchern. Analysten hatten im Schnitt gut eine Milliarde Gewinn im Quartal erwartet.

Die größten Probleme der Telekom liegen abseits des Heimatmarktes. Negativ schlugen vor allem die schlechte Geschäftsentwicklung der griechischen Tochter OTE und von T-Mobile USA zu Buche - letztere verlor 1,7 Millionen der lukrativen Vertragskunden, davon allein 800.000 im vierten Quartal. 

Obermann steckt im Dilemma: Der gescheiterte Verkauf von T-Mobile USA an AT&T hat das Ergebnis des vierten Quartals stark belastet. Und der Telekom-Chef macht kein Geheimnis daraus, dass er die Tochter am liebsten losgeworden wäre: "Ich bin nach wie vor der Meinung, dass dieser Verkauf im Interesse aller Beteiligten gewesen wäre - und damit beziehe ich die Mobilfunkkunden in den USA ausdrücklich mit ein." 

Da er keinen alternativen Käufer vorweisen kann, tut Obermann jetzt erst einmal das Gegenteil - und investiert Milliarden in die US-Mobilfunktochter. In der Entschädigung von AT&T ist auch ein zusätzliches Funk-Spektrum enthalten, mit der die Telekom ab 2013 auf den neuen Mobilfunk-Standard LTE in den USA anbieten will. "Das bedeutet zusätzliche Investitionen über die kommenden zwei Jahre von rund 1,4 Milliarden Dollar", so Obermann. Insgesamt will die Telekom in den USA damit vier Milliarden Dollar investieren.

Das ist eine riskante Wette auf zukünftige Erträge in einem hart umkämpften Markt. "Das sind ambitionierte Ziele und natürlich hoffen wir, dass die Bemühungen von Politik und FCC (Federal Communications Commission, Anm. d. Red.), zusätzliches Spektrum zur Verfügung zu stellen, bald Früchte tragen", räumt Obermann ein. Doch ohne den Zugang zu Breitband-Internet könnte der Kundenschwund bei T-Mobile USA anhalten.

Die Frage, ob man sich mit den Milliardeninvestitionen für einen anderen Partner aufhübschen will, verneinte Obermann eher halbherzig: Zu AT&T gebe es derzeit keine Alternative. "Dennoch kommen wir langfristig um Kooperationen nicht herum. Wir suchen weiterhin nach geeigneten Partnerschaften, um unsere Skaleneffekte zu verbessern. Wir brauchen bessere Geschäfte, wie auch immer die dann aussehen. Da bitten wir um etwas Geduld", so Obermann.

Das Hauptproblem in den USA liege in zwei Punkten: "Wir haben gegenüber Verizon und AT&T geringe Skalenvorteile. Und wir sind mit dem iPhone nicht am Markt - wenn überhaupt als Nummer vier." Den Verkaufsschub der Konkurrenz in den USA erklärt sich der Telekom-Vorstand unter anderem mit dem iPhone. Die Telekom ist der einzige große Anbieter, der Apples Kult-Smartphone nicht im Programm hat.

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5 Kommentare zu "Deutsche Telekom: Obermanns riskante Wette in den USA"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Wann werden die Aktionäre Herrn Obermann zwingen, endlich
    zurückzutreten. Unter seiner Regie sind keine erfolgreichen
    Jahre mehr zu erwarten.

  • die "Investitionen" sind ja nicht nur jene in die Realwirtschaft - insbesondere in Finanz"Produkte" fliesst das große Geld.

    Oder anders: wie werden denn Handelsbilanzdefizite bezahlt?
    Richtig: mit einem Schuldschein.

    Die Handelsbilanzüberschüsse von Deutschland seit 1950 belaufen sich -mit 3% Zinseszinslich berechnet - auf über 3 Billionen EUR.

    Willkommen in der Exportkolonie Deutschland.
    Die Eigner der Plantagen sowie die Verwalter kassieren ordentlich ab - die anderen werden ausgebeutet.

    ... und die Medien und Politiker verarschen und bescheissen das Volk - früher war dies der Job der Kirche....

  • Das sind lediglich Reparationszahlungen. Schließlich hat der amerikaner keine Möglichkeit, über die eu auf Deutsches Geld zuzugreifen.

  • Wäre mal interessant zu beziffern wieviele Milliarden deutsche Dax-Konzerne schon in den USA verbrannt haben, sicherlich ein erkleckliches Sümmchen.

  • Herr Obermann sollte Eines bedenken. Große Investitionen in den USA sind immer mit hohen Risiken verbunden, Daimler Crysler, Deutsche Post und andere können ein Lied davon singen. In anderen Länder ist dieses Risiko nicht annähernd so groß.
    Im Zweifelsfall sind die Amerikaner der Auffassung nicht sie müssen bei auftetenden Schwierigkeiten die Zeche zahlen sondern andere, die sich leichtsinnigerweise auf Gschäfte einlassen, die sie nicht richtig einzuschätzen vermögen.