Deutscher Film „Fack ju Göhte 2“ und „Honig im Kopf“ sorgen für Rekord

Gute Nachrichten zur Berlinale: Der deutsche Film steht dank „Fack ju Göhte 2“ und „Honig im Kopf“ so gut da wie selten zuvor. Gleichwohl warnt die Filmförderungsanstalt vor einer Kürzung staatlicher Gelder.
Lisi Schnabelstedt (Karoline Herfurth) und Zeki Müller (Elyas M'Barek) in einer Szene des Kinofilms „Fack Ju Göhte 2“. Quelle: dpa
Traumpaar im Lehrerzimmer

Lisi Schnabelstedt (Karoline Herfurth) und Zeki Müller (Elyas M'Barek) in einer Szene des Kinofilms „Fack Ju Göhte 2“.

(Foto: dpa)

BerlinMit Besuchermillionären wie „Fack ju Göhte 2“ und „Honig im Kopf“ hat der deutsche Film 2015 ein Rekordjahr hingelegt. Mehr als 37 Millionen Menschen sahen eine heimische Produktion, der Marktanteil des deutschen Films stieg damit gegenüber ausländischen Titeln auf 27,5 Prozent. Das sei der höchste Wert seit Erfassung der Besucherzahlen, teilte die Filmförderungsanstalt (FFA) am Mittwoch in ihrer Jahresbilanz mit.

Insgesamt zählten die Kinos mehr als 139 Millionen Besucher – ein Plus von gut 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Umsätze stiegen um satte 19 Prozent auf 1,17 Milliarden Euro (2014: 980 Mio Euro). Nach dem Kinosterben vor einigen Jahren nahm auch die Zahl der Leinwände wieder merklich zu – um 55 auf jetzt 4692.

Neun deutsche Filme schafften es bei den Besucherzahlen über die Millionengrenze. Nach den Spitzenreitern „Fack ju Göhte 2“ (7,7 Mio Besucher) und „Honig im Kopf“ (7,2 Mio) sind das etwa „Er ist wieder da“ (2,4 Mio) und „Traumfrauen“ (1,7 Mio). „Der deutsche Film ist für die Kinobesucher zu einer Qualitätsmarke und für die Kinos zu einem wesentlichen Umsatzträger geworden“, sagte FFA-Vorstand Peter Dinges.

Das war das Kinojahr 2015
„Fack Ju Göhte 2“
1 von 10

Dieser Film dominiert das zurückliegende Kinojahr ganz klar: Die Schulkomödie „Fack Ju Göhte 2“ mit Elyas M'Barek und Karoline Herfurth brach zahlreiche Rekorde und zog innerhalb weniger Wochen mehrere Millionen Menschen ins Kino. Doch das war natürlich längst nicht alles - über die Sadomaso-Romanze „Fifty Shades of Grey“ etwa erhitzen sich die Gemüter, das Actionspektakel „Jurassic World“ holte weltweit so viele Zuschauer in die Kinos wie kaum ein anderer Film bisher, und im Dezember machte sich „Star Wars“ auf Rekordjagd.

Drohungen
2 von 10

So etwas gab es in der Filmgeschichte wohl noch nie: Eine eher klamaukige Komödie führt zu politischen Spannungen und beherrscht damit tagelang die internationalen Nachrichten. Der Medienkonzern Sony zog schließlich die Reißleine und stoppte den geplanten US-Start der Satire „The Interview“, der von einem fiktiven Attentat auf den nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un erzählt. Angeblich hatte es Terrordrohungen aus Pjöngjang gegeben. Die Aufregung legte sich aber bald wieder, und in Deutschland kam der Film mit James Franco und Seth Rogen dann wie geplant in die Kinos.

Erotik
3 von 10

Auch „Fifty Shades of Grey“ sorgte für einigen Wirbel, war es doch die erste, langerwartete Verfilmung der weltweiten Bestseller-Reihe mit einigen Sexszenen. Eine junge, naive, bildschöne Frau trifft da auf einen emotionskalten, erfolgreichen Geschäftsmann, der auf Sadomaso-Praktiken steht. Trotz aller Klischees und der überraschend wenigen SM-Sequenzen entwickelte sich das Werk schnell zum Publikumserfolg mit über vier Millionen Zuschauern allein in Deutschland - und machte die laszive Hauptdarstellerin Dakota Johnson (Tochter von Melanie Griffith und Don Johnson) quasi über Nacht zum Star.

Kinder
4 von 10

Kleine gelbe Wesen bevölkerten als „Minions“ die Leinwände und eroberten nicht nur die Herzen der Kinder. Schließlich verbreiten sie überall ein herrliches Chaos, plappern in einem überdrehten Kauderwelsch und sehen bei all dem auch äußerst putzig aus - damit stand der 3D-Animationsfilm wochenlang auf Platz eins der Kinocharts. Auch andere Geschichten feierten vor allem bei den Jüngeren große Erfolge, so etwa die britischen Knetfiguren um „Shaun das Schaf“ und der Pixarfilm „Alles steht Kopf“ mit der wunderbaren Innenansicht aus dem Kopf eines Mädchens.

Oscars
5 von 10

Gleich vier Oscars gingen an die Hollywoodsatire „Birdman oder Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit“ von Regisseur Alejandro G. Iñárritu, darunter der Preis für den besten Film. Auch Wes Andersons Groteske „Grand Budapest Hotel“, eine deutsche Ko-Produktion, heimste vier Oscars ein - jedoch in Nebenkategorien. Als beste Hauptdarsteller konnten der Brite Eddie Redmayne (für seine Darstellung des Physikers Stephen Hawking in „Die Entdeckung der Unendlichkeit“) und die Amerikanerin Julianne Moore (für das Alzheimer-Drama „Still Alice - Mein Leben ohne Gestern“) jubeln.

Deutschland
6 von 10

Für Erfolge in Deutschland sorgten vor allem mehrere Männer: Matthias Schweighöfer führte bei „Der Nanny“ einmal mehr Regie und gab darin auch gleich noch einen fiesen Berliner Baulöwen, der seine Kinder von einem Nanny (Milan Peschel) beaufsichtigen lässt. David Wnendt verfilmte einen Bestseller und feierte mit der Hitlersatire „Er ist wieder da“ einen Publikumserfolg. Til Schweiger zeigte in „Honig im Kopf“ Dieter Hallervorden als Alzheimerkranken und zog damit mehr als 7 Millionen Zuschauer an, wofür es im Juni den Deutschen Filmpreis für den „besucherstärksten Film des Jahres“ gab. Und bei der Gala gewann der Echtzeit-Thriller „Victoria“ von Sebastian Schipper die Goldene Lola als bester Spielfilm - eine von sechs Trophäen des Abends.

Neuauflagen
7 von 10

Für alte Heldenfiguren war es ebenfalls ein gutes Jahr. So durfte Arnold Schwarzenegger gut 30 Jahre nach dem ersten „Terminator“ erneut die muskelbepackte Kampfmaschine geben und rettete in „Terminator: Genisys“ einmal mehr die Welt. Auch ein anderer Action-Klassiker wurde neu aufgelegt: In „Mad Max: Fury Road“ rasten Tom Hardy und Charlize Theron durch ein apokalyptisches Inferno, und Regielegende George Miller bewies, dass man mit 70 noch einen der spektakulärsten Actionfilme eines Jahres vorlegen kann.

Der frühere Kulturstaatsminister und jetzige FFA-Präsident Bernd Neumann warnte vor einer Reduzierung der Fördermittel. „Der Kinofilm ist gesellschaftlich wie inhaltlich ein unersetzbarer Bestandteil unserer Kultur“, sagte er. „Wie in anderen Filmnationen bedarf er auch deshalb öffentlicher Unterstützung von Bund und Ländern.“

Vor allem in Nachbarstaaten wie Frankreich und Italien bekommt das heimische Kino viel staatliche Förderung. Der Marktanteil, also der Anteil der Besucher deutscher Filme an der Gesamtbesucherzahl, ist deshalb ein wichtiger Indikator für die Lage der Branche. 2010 lag er bei mageren 16,8 Prozent, 2012 bei 18,1 Prozent. In den beiden darauffolgenden Jahren gab es dann mit über 26 Prozent schon den Aufschwung.

Statistisch betrachtet ging im vergangenen Jahr jeder Deutsche 1,7 Mal ins Kino, der Durchschnittspreis für eine Karte lag bei 8,40 Euro (2014: 8,05 Euro). Insgesamt liefen fast 2500 Filme in den Kinos, rund 600 davon waren Erstaufführungen - 26 mehr als im Jahr zuvor.

  • dpa
Startseite
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%