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Die Jagd auf Apple ist eröffnet Wall Street: Microsoft überholt Amazon

Wachablösung in der Spitzengruppe: Microsoft überholt Amazon und steigt zum zweitwertvollsten Börsenunternehmen der Welt auf. Ist nun auch Spitzenreiter Apple in Gefahr?
Update: 27.10.2018 - 08:06 Uhr Kommentieren
Microsoft ist wieder zweitwertvollstes börsennotiertes Unternehmen der Welt. Quelle: AP
Satya Nadella

Microsoft ist wieder zweitwertvollstes börsennotiertes Unternehmen der Welt.

(Foto: AP)

San FranciscoDie beiden wertvollsten börsennotierten Unternehmen der Welt sind Technologieunternehmen – und beide gehören zur Methusalem-Fraktion der Branche, sie sind beide über 40 Jahre alt. Apple, gegründet 1976 und Microsoft, gegründet 1975, belegen die Top-Plätze.

Die bisherige Nummer zwei, Amazon, verlor am tiefroten Freitag an der Wall Street nach Bekanntgabe seiner Quartalszahlen rund 7,8 Prozent, insgesamt über 65 Milliarden Dollar, an Börsenkapitalisierung. Mit einem Börsenwert von insgesamt rund 800 Milliarden Dollar bleibt nur Platz drei. Danach folgt Google mit 751 Milliarden Dollar. Microsoft verlor am Freitag hingegen nur 1,24 Prozent – und kommt so noch auf einen Börsenwert von 821 Milliarden Dollar.

Apple und Microsoft verbindet eine gemeinsame Vergangenheit. Beide mussten durch ein tiefes Tal gehen, sich völlig neu erfinden, um dorthin zu gelangen wo sie jetzt sind. Apple führt aktuell noch immer mit einer Börsenbewertung von über einer Billion Dollar.

Vor dem „dot.com-Crash“ war Microsoft die unangefochtene Nummer eins, kollabierte aber 2001 mit dem gesamten Aktienmarkt. Später folgte dann das, was allgemeint heute das „verlorene Jahrzehnt“ genannt wird. Die Zeit nach dem Wachwechsel von Bill Gates zu Steve Ballmer.

Das Geschäftsgenie Ballmer machte Microsoft unbestritten zu einem Giganten, was Umsatz, Ertrag und Dividende betraf. Aber letztlich trat der einstige Innovator auf der Stelle, genauso wie sein Aktienkurs.

Apple musste sogar vom Erzfeind Microsoft mit einer demütigenden Finanzspritze vor dem Bankrott gerettet werden, bevor der mittlerweile verstorbene Steve Jobs das Unternehmen mit iPod, iPhone und iPad in den Börsenolymp hievte.

Microsofts Wiederaufstieg begann 2014 mit der Ernennung von Satya Nadella zum CEO. Er rief das Motto „Mobile first, Cloud first“ aus, dessen bisheriger Höhepunkt mit der Vorlage der Zahlen zum dritten Quartal 2018 erreicht wurde.

Amazon gilt als Onlinehandelskonzern, aber die wahre Gewinnmaschine ist derzeit die Cloud-Tochter AWS. Sie steigerte ihren Umsatz im dritten Quartal 2018 um 46 Prozent – und den operativen Gewinn um 77 Prozent. AWS liefert das Geld, um all die ehrgeizigen Expansionen in neue Märkte wie zum Beispiel Pharma- oder Modehandel und, um Krankenversicherungen in den USA zu finanzieren.

Microsoft holt jedoch auf. Dem Wachstum bei AWS steht ein Wachstum bei Microsofts Cloud-Plattform Azure von 76 Prozent gegenüber. Microsoft ist laut dem Marktforscher Canalys mit 17 Prozent Marktanteil die Nummer zwei hinter AWS mit 32 Prozent.

Der Vorsprung schrumpft kontinuierlich seit mehreren Quartalen. Ein wichtiger Grund: Viele große Kunden setzen auf „Multi-Clouds“, also verteilen ihre IT auf mehrere Anbieter und lassen auch einen Teil in ihren eigenen Datencentern („Hybrid-Cloud“). Das ist für Amazon Neuland, Microsoft als größter Anbieter von Geschäftskundensoftware, ist damit schon seit langem konfrontiert und hat die Produkte.

Daneben hat Amazon eine enttäuschende Prognose für das Weihnachtsquartal abgegeben. Es drohen Wachstumsprobleme im Handelsbereich. Warum ist unklar, es könnten höhere Lohnkosten, Transportkosten oder ein drohender Wirtschaftsabschwung sein, die auf die Konsumlaune drücken könnten

. Microsoft geht nach eigenen Angaben weiter von einem „robusten Wachstum“ aus. Neben der Cloud liefern auch die Bürosoftware Office 365 und Neuerwerbung LinkedIn deutliche Zuwächse.

Was ist mit Apple? Am Freitag ging der Kurs um 1,59 Prozent runter, der Börsenwert liegt mit 1,04 Billion Dollar immer noch sicher vor dem Verfolgerfeld. Apple wird seine Quartalszahlen am 1. November vorlegen, nur einen Tag nach einer großen Hardware-Vorstellung in New York. Es werden neue Computer und iPads erwartet.

Hier droht ein doppeltes Risiko: Die neuen Produkte könnten enttäuschen, am Tag darauf die Quartalsahlen oder die Prognose. Die Lücke zu den Verfolgern könnte sich weiter schließen.

Analysten, die von Zacks Investment befragt wurden, schätzen für Apples Quartal einen Umsatzzuwachs von 33,8 Prozent, was über dem von Microsoft liegen würde, und ein Gewinnplus pro Aktie von 33,8 Prozent. Das bliebe unter dem von Microsoft mit Plus 36 Prozent pro Aktie.

Wie bei Amazon wird allerdings bei Apple das größte Augenmerk der Analysten und Investoren auf der Einschätzung des Managements zum laufenden Weihnachtsquartal liegen. Mehr noch als Amazon ist Apple eine auf Konsumenten fokussierte Marke. Apple lebt und stirbt mit dem iPhone.

Von 53 Milliarden Dollar Gesamtumsatz im Quartal zum 30. Juni entfielen 29,9 Milliarden auf das Smartphone. Der Umsatz lag um 20 Prozent höher, aber die Stückzahl war unverändert zum Vorjahr. Ein Trend zu teuren Geräten in einem gesamtwirtschaftlich positiven Umfeld sorgte also für das Wachstum. Doch die Zeichen für die Weltwirtschaft stehen auf Sturm.

Das dann ausgleichende und extrem wachstumsstarke Cloud-Geschäft, das auch Amazon antreibt, fehlt Apple. Das könnte der entscheidende Punkt sein, ob Microsoft, das Geschäftskundenunternehmen mit angehängter Spielekonsole, zurück zur Weltspitze kommt – wie 1998, vor dem „dot.com-Crash“.

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