Dieter Gorny Plattenfirmen fordern Musiksender von ARD und ZDF

Die üppigen Gebühreneinahmen der öffentlich-rechtlichen Sender wecken Begehrlichkeiten. Die Musikindustrie fordert jetzt einen Musiksender von ARD und ZDF. Die Sender seien „zur Kultur verpflichtet“.
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Ex Viva-Chef Dieter Gorny arbeitet wirbt jetzt für die Musikindustrie. Quelle: dapd

Ex Viva-Chef Dieter Gorny arbeitet wirbt jetzt für die Musikindustrie.

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DüsseldorfDie Musikindustrie fordert von ARD und ZDF einen öffentlich-rechtlichen Musikkanal. „Wenn ARD und ZDF den weiteren Generationenabriss stoppen wollen, brauchen Sie mehr Musik mit spannenden Formaten, innovativ und bimedial. Kurzum: einen eigenen Musiksender“, sagt Dieter Gorny, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Musikindustrie, dem Handelsblatt (Montagsausgabe). „ARD und ZDF sind auf Grund des Rundfunkstaatsvertrags zu Kultur und Bildung verpflichtet. Mit einem Musikkanal könnten sie dieser Verpflichtung in idealer Weise nachkommen.“

Marktexperten schätzen die Kosten einen solchen öffentlich-rechtlichen Musiksenders auf 30 Millionen Euro. „Die finanziellen Aufwendungen für einen solchen Musik-lastigen TV-Sender sind angesichts von 7,5 Milliarden Euro an Gebühreneinnahmen überschaubar“, sagt Gorny. Der 59-Jährige weiß wovon er spricht. Gorny gründete vor 20 Jahren den Musiksender Viva und führte das Kölner Unternehmen später als Vorstandschef an die Börse. Sorgen um fehlende Inhalte bräuchten sich ARD und ZDF laut Gorny nicht machen. „An Programmmaterial fehlt es ARD und ZDF nicht. Die Sender engagieren sich ja bereits heute im Pop-musikalischen Nachwuchsbereich und produzieren zahlreiche Musiksendungen, übertragen Konzerte von Hiphop bis zur Klassik“, sagt Gorny.

Bereits seit Monaten diskutieren ARD und ZDF über einen Jugendkanal, der die Überalterung der Zuschauerschaft stoppen soll. Von dieser Idee eines inhaltlich breit aufgestellten Jugendkanals hält der ehemalige Fernsehmanager Gorny hingegen nichts: „Die Diskussion um einen Jugendkanal führt in die Irre. Was ARD und ZDF brauchen, ist ein musikalischer TV Sender mit Anspruch, zumal ehemals erfolgreiche Formate und Trendsetter wie MTV und Viva keinerlei mediale Relevanz mehr haben.“

Als Vorbild nennt er den Berliner Musik-Internetfernsehsender tape.tv. Die Plattenindustrie in Deutschland hofft über einen eigenen öffentlich-rechtlichen Musiksender die kreative Szene hierzulande zu stärken. Der Anteil nationaler Produktionen an den in Deutschland verkauften Musikalben beträgt nach Angaben des Bundesverbandes Musikindustrie im vergangenen Jahr bereits mehr als 50 Prozent. Nach Angaben von Media Control hatten es im vergangenen Jahr 14 Alben deutscher Künstler in den Top 20 der Jahreshitliste geschafft.

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14 Kommentare zu "Dieter Gorny: Plattenfirmen fordern Musiksender von ARD und ZDF"

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  • In dem Fall werden GEZ und GEMA vermischt, weil für die öffentliche Ausstrahlung Gema-Gebühren fällig werden, aber der Verbraucher per GEZ ja schon den Sender bezahlt hat. Die Gema-Gebühren fließen von den öffentlich-rechtlichen dann an die Gema und dort wie immer in Bruchteilen anhand der undurchsichtigen unfairen Verteilerschlüssel an die jweiligen Künstler.

    Wiedermal eine Gängelung, die uns noch mehr Mainstreambrei aufdrückt und die Gewinne der Gema und der großen Plattenlabels steigern soll.

    Hoffentlich wird hier eine Abfuhr erteilt.

    Alternativ wäre ich für einen Musiksender, der ausschließlich lizenzfreie oder kostnelose Musik spiele und so dem Zuschauer weniger oder gar unbekannte Künstler präsentiert.

  • Das Desinteresse an Musik liegt auch an dem was uns so seit etwa 15 Jahren vorgesetzt wird. Nur noch Mainstream-Einheitsbrei. Ja nichts neues wagen, lieber irgendwelche zusammengecastete "Bands" und hochgepushte Interpreten bis zum bitteren Ende ausschlachten. Das vergrätzt irgendwann auch noch den letzten Kunden. Anstatt an sich selbst zu arbeiten ist es doch einfacher sich mit einem Zwangsbeitrag durchfüttern zu lassen.

    Der ZDF Theaterkanal bringt übrigens ab und an interessante Konzertmitschnitte. Ansonsten ist er aber zu einer Abnudelstation für langweilige Dokumentarfilme verkommen.

  • @netshadow

    "Kultur und Gema schließen sich schon mal aus, insofern ist so eine Forderung in diesem Kontext schon zu verstehen *lol*."

    Erstens geht es um die GEZ und NICHT!! die GEMA.
    Zweitens, wer den Unterschied zwischen GEZ und GEMA immer noch nicht verstanden hat, sollte sich zuerst informieren bevor er so sinnlose Kommentare schreibt.

  • Haben wir nicht schon genug öffentliche Sender die von der breiten masse eh nicht geschaut wird ???
    Aufforderung an dei öffentlich rechtlichen sender -REFORMEN heisst das zauberwort und dann wäre weder diese gebühr noch die damalige gez nötig (gewesen). Kann es sein das ein teil der einnahmen in die eurokrisenrettung fliesst ??? -die zeit passt,das format passt und die motivation auch.

  • Kultur und Gema schließen sich schon mal aus, insofern ist so eine Forderung in diesem Kontext schon zu verstehen *lol*.

    Aber was nun ein Musiksender mit Kultur an sich zu tun haben soll, ist mir auch schleierhaft. Da haben die privaten doch schon längst das Feld abgeräumt und dürfen sich der verblödenden Volkskunst hingeben, und das in aller Konsequenz. ARD und ZDF machen den Musikantenstadl, da wird sowieso mehr verdient. Bleibt noch Klassic, aber die höre ich mir mit Sicherheit nicht im TV an.
    Jetzt die eigentliche Forderung nach mehr Kohle aus Volkstöpfen so zu verpacken ist schon reichlich dekadent. Dekadenz kann sich eigentlich nur jemand leisten, der sicher ist das ihn das System für seine Forderungen nicht köpft. Mit Kultur hat Dekadenz aber nicht viel zu tun, oder sollte es zumindest nicht.
    Aber hier kann man sich getrost ein einen Werbeslogan halten, der aussagt das nichts unmöglich ist.

  • Lächerlicher Versuch von jemandem, der den Hals nicht voll genug bekommen kann.

  • Wasfür Kultur?
    POP KULTUR durch öffentliche Steuergelder unterstützen?
    Nein Danke Herr Gorni, Ihr TV Sender VIVA hat bei unserer Jugend schon genügend Schaden angerichtet von 1990 bis 2000.
    Danach kam YOUTUBE und MTV/VIVA schaut heute (zum Glück) sowieso nur noch die verwahrlosten sozialen Schichten welche sich kein Internet leisten können.

  • Natürlich Herr Gorny,

    so muss es ja kommen! Leistungsabgabe für Qualitätsjournalismus (was das ist kann mir bisher keiner erklären. Auch niemand der akkreditierten Inhaber eines seitens der Industrie gesponserten Journalistenausweises auf dem Presseball) und jetzt der staatliche Musiksender! Tatatatata!!!
    Alles andere haben wir ja eh schon geschaffen, gerettet oder wie die kognitive Suboptimierung längst abgeschafft! Frage: Was läuft denn da für ne Musik? Volksmusik? Hardcoremetal? Sexorientierter Hip-Hop oder alles was in den Charts und Mainstream ist? Wie soll den bitte ihre Vermarktungsplattform dann ausschauen? Nachts Klassik moderiert von Joko und Klaas und am Mittag dann Housemusik-Video? Wer aus der Musikindustrie bestimmt dann die Inhalte? Sie, Sony oder wird es pseudo-interaktiv angepinselt?
    Und noch eine abschließende Frage: Wenn Viva und MTV so innovativ gewesen sind-warum gibt es diese Sender heute nicht mehr. Hier muss ich zugeben das MTV in sich eine Innovation darstellte. Viva ist jedoch lediglich ein Abklatsch gewesen, der in meiner Erinnerung nur noch durch die Werbung á la Yambaa-Spots und Stefan Raab besteht. Ein Markus Kavka ist Vielen doch zuviel gewesen. Also für mich: Nein Danke! Diese Musikindustrie hat bereits sooooo viele Fehler gemacht. Diesen können wir uns ersparen! Und wenn Sie Glück haben, dann wird die Musikindustrie wieder von einer Computerfirma "gerettet".
    So-und jetzt einen feinen Abend noch. Gruß

    P.S.: Das Internet hat hier neue Möglichkeiten hervorgebracht Herr Gorny. Testen Sie mal.

  • Warum wohl gibt es MTV nicht mehr im Free-TV? Und warum bringt VIVA kaum noch Musik?
    Eben! Es besteht einfach kein Bedarf!
    Heutzutage gibt es bessere und individuell anpassbarere Möglichkeiten Musik(videos) zu hören bzw. zu schauen.
    Zu Zeiten von YouTube, Tape.tv, Spotify und Co. wäre ein extra Musiksender nur eine weitere millionenschwere Totgeburt der Öffentlich-Rechtlichen.
    Und zum Thema Bildungsauftrag braucht man wohl nicht viel zu sagen. Während im Ersten der Musikantenstadl läuft, kann man sich auf NTV oder N24 wirklich bilden.

  • Tja, es wollen eben alle an die staatlichen Subventionstöpfe. Da ist die regelmäßige Fütterung schließlich unabhängig von Leistung garantiert und man muß sich auch nicht mit so etwas Blödem wie Marktwirtchaft / Wettbewerb und Kundenwünschen herumplagen.
    Zwangskonsum und Umverteilung für alle!

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