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Digitalisierung Eon verbündet sich bei Smart-Home-Systemen mit Microsoft

Eine gemeinsame Plattform soll den Energieverbrauch privater Haushalte intelligent steuern. Der Markt ist noch jung, verspricht aber hohe Wachstumsraten.
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Microsoft und Eon haben nach Informationen des Handelsblatts eine internationale Partnerschaft geschlossen. Quelle: Getty Images
Intelligentes Wohnen

Microsoft und Eon haben nach Informationen des Handelsblatts eine internationale Partnerschaft geschlossen.

(Foto: Getty Images)

Düsseldorf Einmal im Jahr lädt Microsoft zu einer der weltgrößten Konferenzen für Entwickler und IT-Experten ein. Auf der „Microsoft Ignite“ präsentiert der US-Softwarekonzern rund 30.000 Teilnehmern in Vorträgen und Workshops neue Trends, Produkte und Features.

Am Montag begann das diesjährige Treffen in Orlando in Florida. Und wie in jedem Jahr eröffnete Konzernchef Satya Nadella die Veranstaltung mit einer visionären Rede. Dieses Mal fiel dabei auch der Name eines deutschen Energiekonzerns: Eon.

Der US-Softwarekonzern und der deutsche Energieversorger haben nach Informationen des Handelsblatts eine internationale Partnerschaft geschlossen – und Nadella ließ es sich nicht nehmen, sie dem Fachpublikum selbst vorzustellen. Mithilfe von Microsoft will Eon den Markt für das intelligente Energiemanagement privater Haushalte aufrollen.

Die beiden Partner haben eine Softwarelösung entwickelt, die die zentrale Steuerung sämtlicher Anlagen, die in einem Haus Strom verbrauchen oder produzieren, ermöglichen soll: von Heizung, Klimaanlage und Waschmaschine über Solardach und Batteriespeicher bis zum Ladegerät für das Elektrofahrzeug. Mithilfe künstlicher Intelligenz soll das Energiemanagementsystem Kunden helfen, Stromkosten zu sparen, den Energieverbrauch zu senken und den Wohnkomfort zu steigern.

Eon und Microsoft treiben damit den Trend zur Digitalisierung der Energiewirtschaft voran, bei der die Energieversorgung smart, das heißt intelligent, werden soll. Smart Grids verbinden den Stromtransport mit Datenverkehr, um Angebot und Nachfrage punktgenau aufeinander abzustimmen. Smart Meter wiederum messen den Stromverbrauch in kürzesten Intervallen. Und beim Smart Home werden in den Privathaushalten einzelne Geräte wie Heizungsthermostate oder Waschmaschinen möglichst komfortabel und energieeffizient gesteuert.

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Eon und Microsoft greifen mit ihrem neuen Angebot, das Anfang 2019 starten soll, im Markt für Smart-Home-Systeme an – der intelligenten Hausautomatisierung. Er ist noch recht jung, gilt aber als wachstumsstark.

Aktuell werden in Europa jährlich bislang nur 40.000 Smart-Home-Systeme verkauft. Nach einer Studie des Beratungshauses Delta Energy & Environment soll das Marktvolumen aber schon in den kommenden drei Jahren auf 200.000 steigen. Das Marktpotenzial sei aber noch deutlich größer, wenn erst private Energiespeicher und Elektroautos den Durchbruch schafften, heißt es in der Analyse.

Es gibt schon viele Einzellösungen

Es sind zwar schon viele Anbieter auf dem Markt. Die Sonnen GmbH bietet beispielsweise einen intelligenten Stromspeicher an, der selbst produzierte Solarenergie aufnimmt und so abgibt, dass der Haushalt den eigenen Strom maximal selbst verbraucht. Beegy, eine Tochter des Mannheimer Versorgers MVV Energie, bietet eine Lösung an, um Elektroautos mit selbst produziertem Sonnenstrom zu laden.

Und auch die Innogy SE, die Eon im kommenden Jahr übernehmen will, hat seit Jahren Smart-Home-Produkte im Angebot – von steuerbaren Thermostaten und Steckdosen bis zu Sensoren, die registrieren, wenn ein Fenster geöffnet wird.

Eon und Microsoft wollen aber jetzt eine Plattform anbieten, mit der die Daten möglichst aller Anlagen zusammengefasst werden und sie so zentral gesteuert werden können – und das weitgehend unabhängig vom Anbieter. Dank künstlicher Intelligenz lernt die Steuerung zudem stetig dazu. So soll sie beispielsweise vorhersagen können, wann die Bewohner nach Hause kommen, um sie mit der Wunschtemperatur zu empfangen.

Das System kann entscheiden, überschüssigen Strom aus der Batterie des Elektroautos oder der Solaranlage auf dem Markt anzubieten, wenn dort die Preise hoch sind. Andererseits erkennt es auch, dass der Strom aus dem eigenen Solardach nicht ausreichen wird und kann ihn möglichst günstig einkaufen. Eon und Microsoft sprechen selbst von der „nächsten Stufe des Smart Home“.

Neben einer App haben die beiden Unternehmen eine Energy Management Box entwickelt – einen Gateway, der die Informationen der verschiedenen Geräte bündelt. Microsoft sorgt mit der Cloud-Lösung Azure Sphere für Datenschutz der verbundenen Geräte. Das System soll so möglichst sicher gegen Angriffe von außen werden – schließlich werden viele Informationen gespeichert, die Aufschluss über das Privatleben geben.

„Durch die Zusammenarbeit mit Microsoft werden wir das Segment intelligentes Haus spürbar vorwärtsbringen“, ist Eon-Vorstandsmitglied Karsten Wildberger überzeugt: „Digitalisierung, das Internet der Dinge und künstliche Intelligenz schaffen neue Möglichkeiten, um den Kunden neuen Komfort zu bieten.“

Was bei der Partnerschaft geholfen haben dürfte: Seit April leitet Victoria Ossadnik die Eon-Vertriebstochter, die für Deutschland zuständig ist – zuvor war die IT-Spezialistin bei Microsoft tätig.

Eon braucht neue Umsätze

Die Kooperation ist ein weiterer Schritt in Eons Strategie, sich neue Geschäftsfelder und Umsätze außerhalb der klassischen Strom- und Gasversorgung zu erschließen. Der Energiekonzern will verstärkt ins Geschäft mit Energiedienstleistungen, weil die Wachstumsaussichten im reinen Vertriebsgeschäft begrenzt sind. Mit Produkten wie dem neuen Energiemanagement-System will er sich nicht nur neue Umsätze erschließen. Eon wird die Softwarelösung und den Gateway vertreiben und dafür eine monatliche Gebühr verlangen.

Für den Energiekonzern sind solche Produkte auch eine Möglichkeit, die bestehenden Kunden an sich zu binden und neue zu gewinnen. Im reinen Strom- und Gasvertrieb ist der Wettbewerb schließlich hart. Eon konkurriert hier mit Discountanbietern, die mit Billigangeboten die Margen drücken. Mit Energiedienstleistungen kann sich Eon von der Konkurrenz abheben.

Langfristig will der Konzern mehr an Kilowattstunden verdienen, die er für Kunden einspart, als an denen, die er seinen Kunden liefert. Gleichzeitig kann Eon mit Daten, die er von seinen Kunden einsammelt, auch nutzen, um das eigenen Stromnetz effizienter zu steuern.

„Die Kundenbindung ist das Thema Nummer eins bei allen Energieversorgern“, sagt Berater Bernd Kotschi, der mit seiner Firma Kotschi Consulting auf Geschäftsmodelle und Plattformstrategien fürs vernetzte Zuhause spezialisiert ist. Diese sei bislang relativ schwach – über einen Strom- oder Gastarif könne man sich kaum differenzieren. „Das Energiemanagement ist für die Energieversorger eine der wenigen Möglichkeiten, um die Beziehung zum Endkunden aufrecht zu erhalten.“

Der Markt, unterschiedliche Smart-Home-Anwendungen zu verknüpfen, locke aber viele Anbieter an – Eon und Microsoft müssten sich mit ihrer Plattform auf viel Konkurrenz einstellen: Hersteller von Heizungen und Solaranlagen arbeiteten beispielsweise schon an Systemen zum Energiemanagement - damit beschäftigen sich auch Autohersteller, die künftig das Laden von Elektrofahrzeugen steuern müssen. Der neue E-Tron von Audi lässt sich zum Beispiel in ein System des Solaranlagenspezialisten SMA einbinden.

Dienstleister spielen zentrale Rolle

Die Präsentation in Orlando zeigt: Auch für Microsoft ist das Projekt mit Eon eine wichtige Angelegenheit. Der Softwarekonzern gewinnt mit dem Energieerzeuger einen namhaften Partner – und er zeigt ein Beispiel, wie Kunden seine Technologie zur Vernetzung von Geräten aller Art nutzen können.

Denn das Internet der Dinge, wie das Prinzip im Fachjargon genannt wird, gilt in der IT-Branche als Zukunftsgeschäft. Der Marktforscher IDC erwartet, dass die Ausgaben in diesem Jahr um 15 Prozent auf gut 770 Milliarden Dollar steigen. Nach der Industrie gelten Transport und Versorgungsindustrie als die Branchen, die am meisten in die Vernetzung investieren.

Bei dieser komplexen Aufgaben spielen Dienstleister wie Amazon, IBM, Google und eben Microsoft eine zentrale Rolle: Sie bieten Rechenleistung, Speicherplatz und Programme gegen Gebühr an – Kunden können so die Daten aus dem Zuhause in der Cloud der IT-Riesen speichern und analysieren.

Den IT-Riesen fehlen jedoch häufig Wissen und Zugang, um Lösungen für bestimmte Industrien zu entwickeln. Hier kommen Partnerschaften wie die zwischen Microsoft und Eon ins Spiel – sie zeige, „welches Wachstumspotenzial entsteht, wenn wir unsere Technologieexpertise mit der Industrieexpertise unserer Partner und Kunden vereinen“, sagte Sabine Bendiek, Deutschlandchefin von Microsoft, dem Handelsblatt.

Der Konzern habe aber keine Ambitionen, in Konkurrenz mit Industrieunternehmen zu treten, betonte sie. Er biete „eine industrieübergreifende Plattform“ für Cloud-Computing, Internet der Dinge und künstliche Intelligenz. „Wir verstehen uns als Partner der Industrie, nicht als Wettbewerber“, betonte Bendiek.

Die Partnerschaft mit Eon ist nicht zuletzt exemplarisch, weil der Energiekonzern als einer der ersten Kunden einen neuen Mikrocontroller für Smart Home und Industrie 4.0 einsetzt, den Microsoft selbst entwickelt hat.

Dieser Chip, Azure Sphere genannt, nutzt ein Betriebssystem, das für die Vernetzung von Produkten angepasst wurde, und verarbeitet die Daten in der Cloud – all das mit einem hohen Sicherheitsstandard, wie der Konzern betont. Eon will mit Microsofts Hilfe also erreichen, dass die Daten im vernetzten Zuhause sicher vor potenziellen Angriffen von außen sind.

„Die nächste Attacke könnte im Internet der Dinge passieren“, erläuterte Microsoft-Chef Nadella in Orlando bei der Präsentation der Kooperation. Jedes einzelne der Milliarden Geräte, die ins Internet der Dinge angeschlossen würden, könne attackiert werden. „Deshalb ist es sehr wichtig, dass wir den Kunden Vertrauen und Sicherheit vermitteln“, sagte Nadella.

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