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Digitalkonferenz DLD Scott Galloway: „Facebook hat eine korrupte Kultur“

Der Bestsellerautor rechnet damit, dass Sheryl Sandberg Facebook 2019 verlässt. Er nennt geeignete Nachfolger und erklärt, wie es mit Mark Zuckerberg weitergehen sollte.
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Scott Galloway: „Facebook hat eine korrupte Kultur“ Quelle: picture alliance for DLD
Digitalkonferenz DLD

Scott Galloway spricht auf der Münchener Digitalkonferenz DLD.

(Foto: picture alliance for DLD)

MünchenDie Trends auf der Münchener Digitalkonferenz DLD wandeln sich, doch Scott Galloway ist eine verlässliche Größe. Der schlaksige, kahlköpfige Professor reist jedes Jahr nach München für seine „Vorhersagen“ zur Digitalwirtschaft in dem beginnenden Jahr.

Der 53-Jährige gründete einst selbst E-Commerce- und Beratungsunternehmen, saß in den Boards der „New York Times“ und Urban Outfitters, unterrichtet heute Marketing an der Business-School der New York University und schrieb zuletzt den Bestseller „The Four“ über die vier großen Tech-Konzerne Apple, Amazon, Facebook und Google.

Berühmt war Galloway vorher schon für seine provokanten, oft zielgenauen und immer unterhaltsamen Analysen der Geschäftsmodelle der Tech-Konzerne – so unterhaltsam, dass ihn Amazons Technologievorstand Werner Vogels auf eine Nachfrage zu einer von Galloways Thesen als „Stand-up Comedian“ abtut.

Wird Galloway derzeit nach Facebook gefragt, kippt sein ohnehin scharfer Humor ins Sarkastische. Zu Sheryl Sandberg, die auf dem DLD einen Tag vorher ihre Apologie hielt, hat Galloway eine klare Meinung.

Herr Galloway, Sie erwarten, dass Facebook Sheryl Sandberg in diesem Jahr entlassen wird. Warum wurde sie dann jetzt noch einmal auf Reue-Tour nach Deutschland geschickt?
Ich glaube, sie will ihren Ruf retten. Vor zwei Jahren sahen viele sie noch als inspirierendste Frau der Welt, sie hätte die nächste demokratische Präsidentschaftskandidatin werden können. Jetzt taumelt Facebook von einem Skandal in den nächsten, und Sandberg wird in die Geschichte eingehen als jemand, der die Demokratie beschädigt hat. Ich kann mir vorstellen, dass sie irgendwann einfach keinen Bock mehr hat. Sobald Facebook einmal 90 Tage ohne neue Kontroverse ist, wird sie es als ihren Erfolg deklarieren und gehen.

Wann wird das sein?
Gute Frage. Vor ein paar Tagen kam heraus, dass Minderjährige auf Facebook mit den Kreditkarten ihrer Eltern unautorisiert Credits (eine inzwischen wieder abgeschaffte Facebook-Währung, Anm. der Red.) gekauft haben und Facebook sich weigerte, das Geld zurückzuzahlen. Und im Vergleich zu Cambridge Analytica und anderen Skandalen ist das noch eine Kleinigkeit. Wenn Sheryl Sandberg 2019 aber nicht selbst den Absprung schafft, wird das Board sie feuern.

Was würde dann passieren?
Die Aktie würde binnen zehn Tagen um den Wert von General Motors in die Höhe springen. Gemessen an seinem immer noch starken Wachstum, ist Facebook aktuell unterbewertet, aber mit dem aktuellen Management traut ihnen keiner die Wende zu. Facebooks Werbegeschäft haben die Skandale nicht geschadet. Was machen die Nutzer, die Facebook löschen? Sie gehen zu Instagram.

Trotzdem wirkt Sandberg wie ein Bauern-, na, sagen wir Damenopfer. Müsste nicht eigentlich Mark Zuckerberg gehen?
Natürlich müsste er das. Weil er das Unternehmen kontrolliert, wäre das etwas schwerer, aber keinesfalls unmöglich. Wenn das Board ihn entließe oder – wahrscheinlicher – gegen seinen Willen auf die Chairman-Position schöbe, könnte er direkt das gesamte Board rausschmeißen. Aber es wäre der Skandal des Jahres. Wen soll er dann ins Board setzen? Seine Schwester und seine Eltern? Dann würden auch Konzerne, die auf Facebook werben, ihre Budgets zurückziehen. Die Aktie würde an einem Tag um 30 Prozent abrauschen.

Wen sollte Facebook als neue COO oder CEO holen?
Sie brauchen eine, die Entscheidungen trifft und exekutieren kann. Ginni Rometty, die Chefin von IBM, ist so eine außergewöhnliche Managerin. Tim Armstrong von Oath versteht digitale Medien. Oder Richard Plepler von HBO. Facebook kann zurzeit wahrscheinlich jeden haben. Die Aufgabe, dort aufzuräumen und dabei sehr reich zu werden, ist doch reizvoll.

Was müsste die Neue machen?
Sie müsste eine neue Kultur etablieren. Facebook hat hervorragende Produkte, aber eine korrupte Kultur. Mark und Sheryl wussten sehr früh, dass ihre Plattform als Waffe eingesetzt werden konnte – sie haben es hingenommen, um noch mehr Wachstum zu generieren. In Myanmar ist Facebook genutzt worden, um einen Völkermord zu orchestrieren. In Indien werden via WhatsApp massenhaft Lügen verbreitet und deswegen wird ein Dutzend Menschen aus ihren Autos gezerrt und gehängt. Die neue COO müsste die Dienste in diesen Ländern sofort abschalten. Nicht zögern, dementieren und verschweigen, bis Facebooks Einfluss nicht mehr zu leugnen ist. Sondern sofort entscheiden. Ab! Schal! Ten!

Herr Galloway, vielen Dank für das Interview.

Die Fragen stellte Alexander Demling

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