Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Telekom

Dirk Wössner (vorn), Vorstandsmitglied und Deutschland-Chef der Deutschen Telekom, und Michael Hagspihl, Geschäftsführer Privatkunden, auf der Ifa in Berlin.

(Foto: dpa)

Dirk Wössner im Interview „Mir ist nicht nach Jubel“ – wie der Telekom-Deutschlandchef den 5G-Fahrplan bewertet

Der Plan für die Vergabe der 5G-Mobilfunkfrequenzen steht. Telekom-Deutschlandchef Wössner reicht er aber noch nicht – aus zwei Gründen.
Update: 02.09.2018 - 16:02 Uhr Kommentieren

BerlinEs soll der Mobilfunkstandard der Zukunft sein: 5G. Nahezu in Echtzeit sollen künftig Daten von A nach B fließen und das in Mengen, die die bisherigen Technologien wie LTE oder UMTS nicht schaffen. Maschinen sollen in Millisekunden miteinander kommunizieren, Autos mit Ampeln, mit anderen Fahrzeugen oder mit Straßenschildern Informationen austauschen und so selbständig fahren.

Die Funkfrequenzen dafür vergibt im kommenden Frühjahr die Bundesnetzagentur mit einer Laufzeit bis 2040 – und sie legt zugleich die Spielregeln fest, nach denen die Mobilfunkanbieter wie Telekom, Vodafone und Telefónica das Netz ausbauen müssen, damit es möglichst flächendeckend im Land zur Verfügung steht. Umfangreiche Kooperationen der Anbieter will die Agentur aber nicht vorschreiben, wie das Handelsblatt exklusiv berichtet hat. Über die geplanten Vergaberichtlinien für das G5-Netz sprach Handelsblatt-Redakteur Stephan Scheuer mit Dirk Wössner, dem Deutschlandchef der Telekom.

Herr Wössner, müssten Sie jetzt nicht jubeln? Die Bundesnetzagentur hat sich Ihren Kernforderungen angeschlossen: Sie werden nicht gezwungen, Ihr Netz mit einem Neueinsteiger zu teilen und es gibt keine harte Verpflichtung, Ihre Dienste an Mobilfunkdiscounter wie 1&1 oder Freenet zu vermieten.
Mir ist nicht nach Jubel. Wenn das, was wir kennen, stimmt, sagt die Bundesnetzagentur: „Im Prinzip gibt es keine Verpflichtung, aber …“ Mit so einer Argumentation wird Unsicherheit geschaffen. Es darf keine Regulierung durch die Hintertür geben. Wir brauchen vor allem eines: Klarheit.

Was meinen Sie konkret?
Beim nationalen Roaming (Anm. d. Red.: dem Teilen der Netze mit anderen Anbietern) gibt es zwar keine Verpflichtung. Es ist aber die Rede von einer Reihe von Einschränkungen, bei denen nicht klar ist, wie sie gemeint sind. Ich finde, es muss einen klaren Rahmen geben, damit die, die in neue Netze investieren wollen, wissen, zu welchen Bedingungen sie das tun müssen.

Aber der Rahmen ist doch weitgehend klar. Werden Sie jetzt einen konkreten Plan zum 5G-Ausbau in Deutschland vorlegen?
Das kann ich doch erst dann machen, wenn alle Details geklärt sind. Das ist aber nicht der Fall. Bislang gibt ein Positionspapier für die Beschlusskammer. Wir können erst Milliarden investieren, wenn ich die Rahmenbedingungen kenne. Genauso bewerten das jetzt auch die Analysten.

Ganz im Gegenteil sprechen viele Analysten davon, dass Ihnen die Bundesnetzagentur weit entgegengekommen ist.
Die Analystenberichte, die ich gelesen habe, sagen etwas anderes. Lassen Sie uns abwarten, was noch passiert. Ich kann klar sagen, dass wir dann bereit sind zu investieren, wenn alle Details geklärt sind.

Die Telekom hat United-Internet-Gründer Ralph Dommermuth angeboten, gemeinsam fünf Millionen Haushalte mit Glasfaser zu versorgen. Er hat angenommen. Wird jetzt gemeinsam gebaut?
Herr Dommermuth hat nicht einfach ja gesagt. Er hat gesagt, dass er will, dass die Telekom den Großteil des Risikos trägt und er selbst nur einen kleinen Teil des Risikos tragen wird. Statt der von uns vorgeschlagenen Kostenverteilung von 50:50 möchte er 25:75. Das ist nicht fair. Aber wir sind bereits verabredet, über die konkreten Rahmenbedingungen zu sprechen.

Wann werden Sie beide sich treffen?
In den nächsten Wochen werden wir uns zusammensetzen.

Jetzt haben Sie ein neues Angebot zum gemeinsamen Glasfaserausbau in Berlin gemacht. Wieso?
Wir möchte gerne in Berlin ausbauen und das mit einer Kostenverteilung von 50:50. Bei einem Marktanteil von 27 Prozent, den wir heute noch in Berlin haben, ist das ein faires Angebot. Wir sind offen für Partnerschaften, ob mit einem oder mehreren Partnern.

Neben Berlin machen Sie auch ein Angebot, bald vier weitere Städte mit Glasfaser zu erschließen. In den Großstädten ist Ihr Marktanteil im Festnetz deutlich geringer als auf dem Land. Wollen Sie mit einer Kooperation aufholen?
In den fünf Regionen liegt unser Marktanteil bei 28 Prozent.

Grafik

Deutschlandweit liegt ihr Marktanteil jedoch bei 42 Prozent.
Das stimmt. Das liegt daran, dass wir in den Städten aufgrund von Regulierung einen niedrigeren Marktanteil haben. Warum? Weil es in den Städten günstiger ist, zu bauen. Unsere Wettbewerber konnten uns dort preislich unterbieten. Wir haben aber auf dem Land einen größeren Marktanteil, weil es dort teurer ist, das Netz auszubauen. Trotzdem werden wir auch in Städten als marktbeherrschender Anbieter reguliert. Das ist nicht fair und das haben wir schon seit längerer Zeit kritisiert.

Ausgerechnet jetzt verlieren Sie Ihren Chef für die Kooperation im Breitband. Wieso konnten Sie ihn nicht halten?
Das war eine persönliche Entscheidung von Johannes Pruchnow, sich nach zwei Jahren als Vorstandsbeauftragter der Telekom für Breitbandkooperation in Deutschland anders zu orientieren. Mit Dido Blankenburg haben wir aber einen sehr erfahrenen Nachfolger gefunden. Er kennt alle Spieler im Markt sehr gut. Wir sind in vielen Diskussionen über weitere Kooperationen.
Herr Wössner, vielen Dank für das Interview.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Dirk Wössner im Interview - „Mir ist nicht nach Jubel“ – wie der Telekom-Deutschlandchef den 5G-Fahrplan bewertet

0 Kommentare zu "Dirk Wössner im Interview: „Mir ist nicht nach Jubel“ – wie der Telekom-Deutschlandchef den 5G-Fahrplan bewertet"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.