Uber zu Besuch in München

Dara Khosrowshahi, Vorstandsvorsitzender von Uber, will in Deutschland das schlechte Image ablegen.

(Foto: dpa)

DLD-Konferenz Die Digitalbranche kommt zur Besinnung

Die Digitalkonferenz DLD gilt als buntes Festival für Gründer, Investoren und andere Vordenker – kurzum für die Revolutionäre des Tech-Zeitalters. Auch in diesem Jahr ist die Euphorie groß, aber viele sind nachdenklich.
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MünchenEs hat Zeiten beim DLD gegeben, da mussten die Vertreter aus dem Silicon Valley nur die Bühne des Digitalkongresses betreten und schon war ihnen die Begeisterung und Huldigung des Publikums sicher. In ihren Vorträgen ging es darum, die Welt mithilfe von Plattformen und Algorithmen besser zu machen, grenzenlos, frei. Sie predigten die unvergleichlichen Vorzüge ihrer Technologien – feierten sich selbst und ließen sich feiern.

Doch das vergangene Jahr hat die Schattenseiten offenbart: Datenklau bei Uber, Fake News und Hasskommentare bei Facebook, Rekord-Wettbewerbsstrafe aus Brüssel für Google, Steuernachforderungen der EU-Kommission an Apple und Amazon. Der Widerstand der Gesellschaft, vor allem gegen die vier scheinbar übermächtigen US-Tech-Giganten, wächst. Ihre wirtschaftliche und politische Dominanz wird vielen unheimlich. Obendrein zeigte sich auch das Silicon Valley, nach wie vor für viele das Tech-Mekka schlechthin, von seiner schlechten Seite: hochmütig, ignorant und auch sexistisch. So verwundert es nicht, dass es bei der diesjährigen DLD – Digital Life Design – der Mediengruppe Hubert Burda Media grüblerischer zuging als sonst. Sprach man mit traditionellen Besuchern der Konferenz, die von Samstag bis Montag in München stattfand, fiel das Urteil fast einhellig aus: In diesem Jahr herrsche eine nachdenkliche Stimmung.

Das spiegelte sich auch im diesjährigen Motto wieder: Reconquer, also Wiedererobern, deutet an, dass bei dem rasanten Fortschreiten von Künstlicher Intelligenz und Automatisierung etwas verloren oder in Vergessenheit geraten ist. Auch DLD-Mitgründerin Steffi Czerny, kreativer Kopf hinter der Konferenz, merkte an, dass der digital getriebenen Wandel zwar viele Chancen und Perspektiven eröffnet, aber eben auch neue Herausforderungen und Fragen geschaffen habe: „Um diesen begegnen zu können, darf der Blick nicht immer nur nach vorne gerichtet sein“, so Czerny. Es ginge darum, Neues zu gestalten, ohne dabei alles, was einem lieb und teuer geworden sei, über Bord zu werfen. Das Motto beherzigten auch viele Redner: Während sich die Gründer und Manager aus dem Silicon Valley ungewöhnlich zurückhaltend gaben, fast reumütig, versprühte die europäische Tech- und Investorenszene Aufbruchstimmung und ein selten dagewesenes Selbstbewusstsein.

Das Rückbesinnen auf die Stärken und Werte Europas war ein zentrales Momentum der DLD. Als Vorkämpfer präsentierte sich zum Auftakt Außenminister Sigmar Gabriel, der die Eröffnungsrede am Samstagabend hielt: Er erinnerte daran, dass früher einmal europäische Entdecker ausschwärmten, um neue Seewege zu erobern. Gabriel plädierte dafür, auch heute die Grenzen zu überschreiten und sich in das „digitale Terra incognita“ zu wagen.

Gabriel forderte, Europa solle nicht dem Silicon Valley oder China nacheifern, sondern seinen eigenen Weg finden. „Ohne eine Vision von Europa als globaler Champion bei Tech-Innovation, können wir keine Balance finden zwischen Privatsphäre und Regulierung, Liberalismus und Sicherheitsbedenken, Dogma und Pragmatik.“

Auch in zahlreichen Panels und Diskussionen wurden die digitalen Chancen von Europa beschworen. Zwar bekannte Telekom-Chef Tim Höttges auf der Bühne, dass Europa bei den B2C-Plattformen – gemeint sind etwa Amazon, Google und Facebook – für immer den Anschluss verloren habe. Aber im Internet der Dinge, im Geschäft zwischen Unternehmen, liege Europas Stärke. Auch Mattias Ljungman, Mitgründer des Risikokapitalgebers Atomico sagte dem Handelsblatt: „Es gibt so viele Tech-Start-ups in Europa, die es wert sind betrachtet zu werden.“ In Deutschland gebe es zum Beispiel viele junge Unternehmer, die versuchten die Herstellung und Ingenieurskunst neu zu erfinden. Und er forderte: „Wir müssen endlich dieses Narrativ aufbrechen, dass jede Innovation aus dem Silicon Valley kommt. Ich kann nicht verstehen, dass selbst Europäer diese Geschichte glauben.“

„Viele glaube, dass Technologie die Spaltung vorantreibt“
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