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DLD19 Afrikanische Start-ups hoffen auf den großen Durchbruch

Afrika entwickelt sich zu einem der größten Start-up-Hubs der Welt. Während manche die Probleme fürchten, haben erste Investoren die Chancen erkannt.
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Fatoumata Ba, Gründerin von Janngo, wird auf der DLD in München mit dem Aenne Burda Award ausgezeichnet. Quelle: dpa
Afrikanische Vordenkerin

Fatoumata Ba, Gründerin von Janngo, wird auf der DLD in München mit dem Aenne Burda Award ausgezeichnet.

(Foto: dpa)

MünchenWährend sich bei anderen Vorträgen die Besucher des DLD, der Digitalkonferenz von Hubert Burda Media, sogar noch an den Seiten drängeln, um zumindest dabei gewesen zu sein, ist das Interesse bei Themen rund um Afrika deutlich geringer. Immer wieder bleiben ganze Stuhlreihen auf der Digitalkonferenz leer. Die Aufmerksamkeit gilt China, dem Silicon Valley, Europa. Aber Afrika?

Dabei sind die Chancen auf dem Kontinent groß: In Afrika entwickelt sich gerade ein Markt, der größer, schneller und jünger ist, als in vielen anderen Regionen der Welt. Bereits jetzt leben dort mehr als 1,2 Milliarden Menschen. In 2050 werden es Schätzungen zufolge etwa 2,2 Milliarden sein.

Während das Durchschnittsalter in Deutschland fast 46 ist, ist es in Nigeria 15. Und während sich etwa in Deutschland mobiles Bezahlen nur langsam verbreitet, ist es in vielen Ländern Afrikas längst völlig normal.

„Ich erinnere gerne daran, dass es in Kenia schon M-Pesa gab, bevor die USA Apple Pay oder China Alipay hatten“, sagt Okendo Lewis-Gayle selbstbewusst. Der junge Mann sitzt auf der Bühne bei einer Gesprächsrunde, die den Namen „Africa on the Move“ trägt. Er ist einer der Gründer von Harambe, einer Organisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, ein Ökosystem für afrikanische Gründer zu schaffen und ihnen dabei zu helfen, ihre Innovationen stärker zu skalieren.

Harambe ist Suaheli und bedeutet grob übersetzt „alle zusammengezogen“. Die Organisation hat bereits mehr als 300 Millionen Euro von Investoren eingesammelt – unter anderem von Alibaba-CEO Jack Ma und Facebook-Gründer Mark Zuckerberg.

Das Bezahlsystem M-Pesa gehört zum Vodafone-Konzern und ist schon seit 2007 im Einsatz. Es wird unter anderem genutzt, um Gutscheine für Strom zu kaufen, Gehälter zu zahlen, Restaurantrechnungen zu begleichen oder online zu shoppen. Auf einem Kontinent, auf dem die Versorgung mit Bargeld immer ein Problem war, bringt bargeldloses Bezahlen völlig neue Möglichkeiten. Die Entwicklung wird daher immer wieder auch als „Mobile Money Revolution“ bezeichnet.

Harvard-Absolvent Lewis-Gayle sieht für Afrika eine einfache Gleichung: „Wenn Technologie Afrika dabei helfen kann, einige Entwicklungsschritte zu überspringen und vorne mit dabei zu sein und wenn Not die Mutter aller großen Innovationen ist, dann ist mir völlig klar, dass Afrika das Labor für viele dieser Technologien sein wird.“

Dieses Überspringen von Entwicklungsstufen nennt sich „Leapfrogging“, was wörtlich übersetzt schnöde Bockspringen heißt - aber für Afrika den Aufschluss zu wohlhabenderen Gesellschaften bedeutet.

Auch für Fatouma Ba sind die technologischen Entwicklungssprünge eine riesige Chance für Afrika. Ihre Leidenschaft für die afrikanische Gründergesellschaft ist spürbar. Ba spricht auf der Bühne der alten Kongresshalle in München zunächst über das von ihr mitgegründete Jumia, den größten Onlinehändler des Kontinents – Afrikas Amazon. Das Unternehmen ist mittlerweile in 13 Ländern aktiv, hat einen eigenen Bezahldienst gegründet und arbeitet laut eigener Aussage mit mehr als 50.000 lokalen Anbietern in Afrika zusammen, denen es so neue Absatzmöglichkeiten verschafft.

Unter anderem haben Goldman Sachs, Rocket Internet und der Versicherer Axa in Jumia investiert. Informationen der Nachrichtenagentur Reuters zufolge ist wohl auch ein Börsengang angedacht.

„Ich glaube, dass Talent unter den Menschen gleichverteilt ist, aber Chancen sind es nicht“, erklärt die senegalesische Unternehmerin. Deswegen will sie jungen Gründern helfen und ihnen unter anderem Zugang zu Kapital verschaffen. Also hat sie Janngo ins Leben gerufen, ein Start-up-Accelerator für afrikanische Start-ups.

Die Risiken in Afrika würden häufig überschätzt, während die Chancen unterschätzt würden, sagt sie mit viel Inbrunst. Indien habe etwa die gleiche Einwohnerzahl und das Bruttosozialprodukt sei ähnlich hoch, bekomme aber 17 Mal mehr Risikokapital von Investoren. Dabei gebe es in Afrika 100 Millionen Mobiltelefone mehr - und genau in dieser weit verbreiteten Technologie sehen viele neue Geschäftsmöglichkeiten.

Der Kontinent mag viele Schwierigkeiten haben: mangelnde Infrastruktur, schlechte Stromversorgung, wenig Bildungschancen, eine schwache medizinische Versorgung und mitunter eine marode Wirtschaft. Laut dem Global Wealth Report 2018 der Credit Suisse liegt das Durchschnittsvermögen eines Erwachsenen weltweit bei 63.100 Dollar. In weiten Teilen Afrikas – vor allem in Zentralafrika – liegt dieser Wert bei unter 5.000 Dollar.

Aber: Afrika hat ein in weiten Teilen intaktes Mobilfunknetz. Das ist zwar nicht immer schnell, funktioniert aber oft auch in abgelegenen Dörfern und es reicht aus, um Dienste für mobiles Bezahlen zu ermöglichen, was wiederrum völlig neue Geschäftsmodelle ermöglich - auch welche, über die anderen Ländern nie jemand nach gedacht hätte.

Es sei in Afrika wichtig, die „offline“-Welt zu verstehen um ein gutes Geschäftsmodell zu finden, sagt Investor Eghosa Omoigui von EchoVC Partners bei der Diskussion „Investing in the future of Africa“. Zudem sei es wichtig zu verstehen, dass auch die Erwartungen der Kapitalgeberseite sich von denen in den USA unterscheiden müssten: Dort hofften die meisten auf einen erfolgreichen Exit des Start-ups. „In Afrika taucht nicht auf einmal ein Amazon auf. Da kommt der Exit aus dem Cashflow.“

Auch im Bildungsbereich unterscheide sich Afrika, betont Ludwig von Bayern. Er bringt jungen Afrikanern mit seiner Organisation Start-up Lions programmieren bei. Afrika habe die Möglichkeit bei der Ausbildung einen anderen Weg zu gehen“, sagt er. „Es ist nicht nötig, unser Bildungsmodell in dort zu replizieren.“

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Fred Swaniker hat neue Konzepte entwickelt, um vor allem die Hochschulbildung auf dem afrikanischen Kontinent auszubauen. Die afrikanische Bevölkerung wachse um 35 Millionen Menschen pro Jahr, rechnet der Ghanaer vor. Bei diesem Wachstum seien eigentlich zehn neue Universitäten pro Jahr nötig.

Da dies kaum umsetzbar ist, hat er die African Leadership Group gegründet und ein neues Universitätsmodell erdacht. Statt viele Professoren einzustellen lernen die Studenten auch durch vielfältige Onlinekurse – aber gemeinsam an einem Ort, um sich gegenseitig zu unterstützen und Teamarbeit zu lernen.

„Universitäten lehren heute Zahlen und Fakten, die später kaum noch eine Rolle spielen“, erklärt Swaniker. „Wir müssen aus den Studenten agile Menschen machen, die sich ständig neu erfinden können.“

Mit seinem Konzept reduzieren sich zudem die Studiengebühren auf 1.000 Dollar pro Person pro Jahr. In den kommenden 6.000 Tagen will er 200 neue Standorte für seine Schulen schaffen – und ist fest überzeugt, dass das Modell auch in westlichen Ländern Anklang finden wird.

Der Geist des Aufbruchs in Afrika überzeugt zunehmend auch deutsche Unternehmen. Ermutigt werden sie auch von den positiven Prognosen der Unternehmensberater. So erklären McKinsey-Berater im Buch „Africas Business Revolution“ etwa: „Die am schnellsten wachsenden und profitabelsten Unternehmen in Afrika sehen Herausforderungen typischerweise als Ansporn und unerfüllte Nachfrage als Möglichkeit zu wachsen.“

Afrika habe unter anderem Probleme bei der Bildung, beim Gesundheitssystem oder dem Stromnetz. „Das mag die Ängstlichen verschrecken“, schreiben die Autoren, „aber es macht Afrika zu einer fruchtbaren Arena für Gründer.“

Auf dem DLD hält Fatoumata Ba ihren Preis trotz seines hohen Gewichtes die ganze Zeit stolz in der Hand. Für ihre Arbeit wurde sie in München mit dem Aenne-Burda-Award ausgezeichnet, mit dem Frauen geehrt werden sollen, die sich mit herausragenden unternehmerischen und kreativen Leistungen einen Namen gemacht haben. Fatoumata Ba ist die erste Afrikanerin, die ihn erhält.

Die afrikanische Transformation sei kein Wunschdenken, erklärt sie bei ihrer Dankesrede bestimmt: „Das passiert gerade wirklich.“

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