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E-Mail-Enthüllungen Was der neue Datenskandal für Facebook bedeutet

Ein britischer Abgeordneter hat interne E-Mails des Konzerns veröffentlicht. Facebook gerät damit noch stärker unter Druck – ein Überblick.
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Facebook: Was der neue Datenskandal bedeutet Quelle: Reuters
Mark Zuckerberg

Nutzerdaten nur für ausgewählte Firmen.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfAm 7. Oktober 2012 hat Facebook-Chef Mark Zuckerberg in einer internen E-Mail Einblick in seine Sicht auf das Geschäftsmodell des sozialen Netzwerks gegeben. Im Kern ging es darum, wie Nutzerdaten gegen Werbung oder die Steigerung des Engagements auf der Plattform getauscht werden sollten. Bei der Konkurrenz war Facebook indes weniger großzügig, ihr Zugang wurde beschränkt.

Dieser E-Mailverkehr und weitere Unterlagen sind Teil eines über 200 Seiten starken Dokuments, das nun vom konservativen britischen Abgeordneten Damian Collins veröffentlicht wurde. Die Dokumente stammen vom App-Entwickler Six4Three, der einen Rechtsstreit mit Facebook austrägt.

In einem Jahr, in dem Facebook nicht aus den Negativschlagzeilen herauskommt, sind die Veröffentlichungen ein Schlag, der das Netzwerk weiter unter Druck setzt. Was die Unterlagen über Facebooks Geschäftsgebaren verraten sollen, welche Fragen nun neu aufgerollt werden und was der Skandal für das größte Netzwerk der Welt bedeutet.

Was die Dokumente verraten

Die Welt von Facebook, sie ist klar aufgeteilt: Den Dokumenten zufolge gab das weltgrößte Internetnetzwerk einigen Unternehmen wie Netflix und Airbnb bevorzugten Zugang zu bestimmten Nutzerdaten. Dies soll 2015 geschehen sein.

Auch die Dating-App Badoo sowie der Fahrdienst Lyft hätten Zugriff auf Daten gehabt. Diese sollen dann eine besonderen Zugang zu den Daten erhalten haben. Auch Apps, die dafür sorgen sollten, das Nutzer mehr Zeit auf Facebook verbringen, sollen Daten zur Verfügung gestellt worden sein.

Doch nicht jeder kam in den Genuss des Datenschatzes: Wie aus den Unterlagen hervorgeht, war Facebook restriktiv gegenüber seinen Rivalen. So soll es beispielsweise eine Liste mit Konkurrenten gegeben haben, die Chef Zuckerberg persönlich abgesegnet haben soll. Anhand dieser Liste soll dann der Zugang zu Datenpunkten verwehrt worden sein.

Konkretes Beispiel: Ein veröffentlichter E-Mailverkehr zwischen Zuckerberg und einem Mitarbeiter aus dem Jahr 2013. In diesem Jahr führte Twitter seinen Kurzvideodienst Vine ein, der auch mit Facebook-Freunden geteilt werden konnte. Ein Facebook-Mitarbeiter soll daraufhin in einer E-Mail unter Hinweis auf die Bedrohung für die eigene Plattform an den Chef vorgeschlagen haben, den Zugang von Vine zu den Facebook-Daten abzutrennen. Zuckerbergs knappe Antwort, so wollen es die veröffentlichten Dokumente belegen: „Yup, go for it“ („Ja, tue es“).

Um welche Daten es geht

Laut den britischen Ermittlern soll es zum Beispiel um die Freundeslisten der Nutzer gegangen sein. Mehr noch: Die in den Unterlagen aufgezeigte Diskussion zwischen Mitarbeitern legt auch offen, dass darüber gesprochen wurde, ob Facebook 2015 Anrufprotokolle von Nutzern von Android-Smartphones sammeln sollte, ohne zuvor entsprechende Genehmigungen einzuholen.

Konkret sollten diese Daten etwa genutzt werden, um Angebote wie „Personen, die du vielleicht kennst“ zu verbessern. Zuckerberg selbst soll den Wert in einem Schreiben auf rund zehn Cent pro Nutzer und Jahr taxiert haben. Im Gegenzug für den Wert sollten Unternehmen dann Werbung auf Facebook schalten.

Zudem soll Zuckerberg in einem Schriftverkehr zugegeben haben, dass das Beste für Facebook nicht immer das Beste für die Nutzer sei. Bis wann die Vereinbarungen bestanden haben sollen, ist allerdings weiter unklar.

Was der Skandal für Facebook bedeutet

Selbst den größten Facebook-Fans dürfte mittlerweile dämmern, dass der Konzern tief in einer Krise steckt. Spätestens seit der versuchten russischen Einflussnahme auf den US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 steht das Netzwerk in der Dauerkritik. Im März diesen Jahres sorgte dann der Datenskandal rund um die Analysefirma Cambridge Analytica für einen tiefen Kratzer am Image des Konzerns.

Politiker überall auf der Welt kritisieren Steuervermeidung, den Umgang mit Hasskommentaren und Fake-News. Im Zuge der Gelbwesten-Proteste in Frankreich wurde Facebook zuletzt gar als Gefahr für die Demokratie bezeichnet.

Und der Konzern tut wenig dafür, dass sich das Bild dreht: Erst vor wenigen Wochen sorgte das Engagement einer PR-Agentur für Kritik, die gezielt Konkurrenten und Kritiker in Misskredit bringen sollte. Konkret ging es dabei um den Milliardär und bekannten Facebook-Kritiker George Soros. Zuckerberg und seine wichtigste Managerin Sheryl Sandberg leugneten, davon gewusst zu haben.

Der scheidende Politik-Chef Elliot Schrage übernahm die Verantwortung für das Engagement, will aber von Negativkampagnen auch nichts gewusst haben. Er rechtfertigte sich am Mittwoch bei einer Veranstaltung in San Francisco: Es sei eine legitime Strategie, die Motivation von Investoren zu untersuchen, die einem Konzern kritisch gegenüberstünden.

Die Untersuchungen aus Großbritannien zeigen nun: Mehr und mehr Regierungen wollen sich nicht mehr mit Lippenbekenntnissen aus dem Silicon Valley zufrieden geben. Nach einem Jahr der Skandale scheint es derzeit fast so, als würde es nur eine Frage der Zeit sein, bis die nächste Enthüllung droht. Auch die Aktie von Facebook geriet zuletzt unter Druck.

Woher die Unterlagen kommen

Der britische Abgeordnete Collins erhielt die Daten von dem App-Entwickler Six4Three. Der ist mittlerweile vom Markt verschwunden und in einen Gerichtsstreit mit Facebook verwickelt. Das Unternehmen hatte sich auf die Weiterverarbeitung von Freundeslisten und entsprechenden Daten spezialisiert.

Facebook machte diesen Zugang im Jahr 2015 dicht. Six4Three stützt seine Klage gegen den Konzern mit der Begründung, Unternehmen wie Airbnb oder Netflix hätten weiter Zugang gehabt.

Was Facebook sagt

Facebook richtet seine Kritik gegen den Kläger: Die Unterlagen würden in irreführender Weise präsentiert und spiegelten nicht die ganze Realität wider. Konkret wirft Facebook Six4Three vor, die Daten selektiv veröffentlicht zu haben. Zudem betonte der Konzern, dass man nie Daten verkauft habe.

Zuckerberg selbst meldete sich auf seiner Facebook-Seite zu Wort und bemühte sich, den Vorgang und die veröffentlichten Dokumente einzuordnen. Er verstehe, dass es Kontrolle gebe, wie die Systeme von Facebook funktionierten, schreibt er: „Das ist gesund, wenn man die riesige Menge an Menschen betrachtet, die unseren Service überall auf der Welt nutzen, und es ist richtig, dass wir konstant erklären, was wir tun.“

Aber es sei auch richtig, dass die Berichterstattung die Handlungen und die Motivation von Facebook falsch darstellte.

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