Eigener Streaming-Dienst geplant Disney beendet Partnerschaft mit Netflix

Ab 2019 wird Disney keine neuen Produktionen mehr an Netflix liefern und einen eigenen Videoservice anbieten. Durch den direkten Draht verspricht sich Disney langfristig höhere Gewinne. Analysten sind skeptisch.
Update: 09.08.2017 - 11:48 Uhr Kommentieren

„Ich mache es wie George Lucas“

BurbankDer US-Unterhaltungsriese Walt Disney geht im schnell wachsenden Streaming-Markt eigene Wege und beendet die Partnerschaft mit Netflix. Von 2019 an werden neue Disney-Filme den Zuschauern in den USA direkt über einen eigenen Streaming-Dienst angeboten, wie das Unternehmen am Dienstag nach Börsenschluss ankündigte. Der Sportsender ESPN will bereits ab dem kommenden Jahr seine Sendungen auch über Internet verbreiten.

Immer mehr Zuschauer kündigen teure TV-Abos, weil viele Filme und Sendungen über Streaming-Dienste wie Netflix und Amazon Video online verfügbar sind. Das schlägt sich auch in sinkenden Abonnentenzahlen bei ESPN nieder. Der Sportsender ist eine der wichtigsten Einnahmequellen des Disney-Konzerns, dessen Gewinn im jüngsten Quartal fiel. Künftig soll der neue ESPN-Dienst zusätzlich zum Angebot der ESPN-TV-Kanäle jährlich rund 10.000 Sportereignisse über das Internet zeigen. Der Schwerpunkt liege dabei auf Baseball, Eishockey und Fußball.

Durch den direkten Draht zum Konsumenten verspricht sich Disney-Chef Bob Iger langfristig höhere Gewinne. Die Streaming-Dienste sicherten Disney wieder eine „viel stärkere Kontrolle über das eigene Schicksal in einem sich rasant ändernden Markt“, sagte Iger.

Anleger und Analysten sind allerdings skeptisch. Der Streaming-Markt ist bereits heiß umkämpft, zudem fallen hohe Investitionen an. Um das neue Angebot technisch zu schultern, stockt Disney seinen Minderheitsanteil am Video-Streaming-Unternehmen Bamtech für 1,58 Milliarden Dollar um weitere 42 Prozent auf.

Mit dem Ende des Netflix-Deals wird Disney Filme wie „Toy Story 4“ und „Frozen 2“ nun, nach dem Start im Kino, selbst den Zuschauern anbieten können. Dagegen sei noch nicht entschieden worden, wie Filme des Disney-Studios Marvel und des „Star Wars“-Produzenten Lucasfilm nach 2018 vermarktet werden sollen, sagte Iger.

Das sind die beliebtesten Streamingdienste der Deutschen
Die großen Anbieter
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Amazon Prime oder Netflix sind wohl mit die bekanntesten Anbieter von Video-on-Demand (VoD, Video auf Abruf). Und die entwickeln sich prächtig – zeigt eine Erhebung des Online-Portals „Netzsieger“. Machten die Anbieter 2016 einen Umsatz von 801 Millionen Euro, soll der 2017 noch einmal weiter wachsen: Auf bis zu 945 Millionen Euro. Wer davon am meisten profitiert.

Quelle: Netzsieger

Platz 9: Select Video
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Das Video-on-Demand-Angebot der Vodafone-Tochter Kabel Deutschland liegt auf einem geteilten neunten Platz im Ranking. Der Zugang zum Dienst ist speziell auf Kunden von Vodafone Kabel Deutschland zugeschnitten, die kriegen den Zugang zum Portal bei Vertragsabschluss gratis oben drauf. Ähnlich wie beim ungleich erfolgreicheren Amazon Prime gibt es in der digitalen Videothek dann sowohl kostenfreie als auch -pflichtige Angebote. Bisher schafft es der Netzanbieter aber nur auf zwei Prozent Marktanteil.

Platz 9: Unitymedia
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Auch den anderen neunten Platz nimmt ein Kabelnetzbetreiber ein. VoD-Optionen bietet Unitymedia dabei sowohl über die Unitymedia Videothek, als auch über Kooperationen mit dem Pay-TV-Sender Sky und der Video-Plattform Maxdome an. Der Marktanteil: Ebenfalls zwei Prozent.

Platz 7: Watchever
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Gute Kritiken, ein breites Offline-Programm, Werbung bei „Bild“ und mit Til Schweiger: All das konnte Watchever, dem VoD-Dienst des größten französischen Medienkonzerns Vivendi, nicht retten. Ende 2016 wurde der hoch-defizitäre Dienst, der nur auf drei Prozent Marktanteil kam, eingestellt. Auch zu den angekündigten Eigenproduktionen für das Portal kam es nie.

Platz 7: Videoload
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Ebenfalls auf gerade einmal drei Prozent Marktanteil kommt Videoload – dabei ist das wenig bekannte Portal immerhin das VoD-Angebot der Deutschen Telekom. Das exklusiv in Deutschland verfügbare Angebot arbeitet anders als viele Konkurrenten ohne Abo-Funktion, stattdessen können über das Portal Serien und Filme geliehen oder gekauft werden.

Platz 6: iTunes
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iTunes gehört mit rund acht Prozent Marktanteil zu den beliebtesten VoD-Anbietern Deutschlands – der Apple-Dienst landet damit auf Platz sechs. Auf der Plattform können Filme sowohl gekauft, als auch ausgeliehen werden. Auch Serien bietet iTunes seinen Nutzern an.

Platz 5: Google Play
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Auch Tech-Gigant Alphabet bietet eine eigene Plattform für Medieninhalte: Mit zehn Prozent Marktanteil landet der Google-Dienst auf Platz 5. Zu den Verlierern des Erfolgs der Anbieter von Video-on-Demand gehören vor allem Deutschlands Videotheken: Laut Netzsieger gab es hierzulande 2016 gerade einmal noch 933 Videotheken. Auch die Kinobesucher würden weniger: So reduzierte sich die Zahl der verkauften Kinotickets von 2003 bis 2016 um 32 Millionen.

Netflix-Abonnenten müssen aber von 2019 an nicht völlig auf Disney-Filme verzichten, betonte der Streaming-Anbieter. Netflix werde weiter weltweit Geschäfte mit Disney machen. Unter anderem würden die Shows von Marvel-TV weiter exklusiv zu sehen sein. Netflix-Aktien fielen im nachbörslichen Handel um drei Prozent. Disney-Papiere gaben um 3,8 Prozent nach.

Die wachsende Konkurrenz durch Netflix & Co spiegelt sich auch in den Zahlen von Disney wider. Im abgelaufenen Quartal fiel der Gewinn wegen der rückläufigen Abonnentenzahlen bei ESPN und höhere Produktionskosten um neun Prozent auf 2,37 Milliarden Dollar. Der Umsatz verringerte sich leicht auf 14,24 Milliarden Dollar.

  • rtr
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