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Electronica in München Darwinismus in der Chipbranche

In der Chipindustrie sind Milliarden-Übernahmen an der Tagesordnung. Die Konzerne wollen sich damit die beste Ausgangsposition für das Internet der Dinge schaffen. Doch das vermeintlich gigantische Geschäft hat Tücken.
08.11.2016 - 15:29 Uhr
Fressen oder gefressen werden, in der Chipbranche herrscht Darwinismus pur. Quelle: dpa
Chiphersteller

Fressen oder gefressen werden, in der Chipbranche herrscht Darwinismus pur.

(Foto: dpa)

Was die Elefantenrunde im Fernsehen nach einer Wahl in Deutschland, ist der CEO-Roundtable bei der Messe „Electronica“ in München. Die Chefs der wichtigsten Chipfirmen treffen sich vor großem Publikum, um über die großen Fragen der Branche zu diskutieren.

So auch an diesem Dienstag. Ein langjähriger Teilnehmer allerdings fehlte diesmal in Halle A3: Freescale-Boss Greg Lowe. Sein Konzern wurde vergangenes Jahr vom niederländischen Konkurrenten NXP geschluckt. Dessen Chef Rick Clemmer nahm wie schon seit mehreren Jahren auf dem Podium Platz. Auch wenn es für den Amerikaner selbst vermutlich der letzte Auftritt in der Runde gewesen sein wird, zu der unter anderem auch Infineon-Chef Reinhard Ploss zählt. Denn der Manager hat gerade seine Firma verkauft. 

Fressen oder gefressen werden, in der Chipbranche herrscht Darwinismus pur. Erst Ende Oktober hat Qualcomm angekündigt, NXP für 47 Milliarden Dollar zu schlucken. Dabei ist es nur ein Jahr her, seit NXP seinerseits den Wettbewerber Freescale für elf Milliarden Euro übernahm. Nun werden die Niederländer selbst gekauft.

So geht es schon seit fast zwei Jahren: Ein Milliardendeal folgt auf den nächsten. Im Sommer hat bereits der japanische Telekommunikationsanbieter Softbank zugeschlagen: Die Asiaten übernahmen für knapp 30 Milliarden Euro den höchst erfolgreichen britischen Chipdesigner ARM. Vergangene Woche war die vorläufig letzte Mega-Akquisition: Broadcom verkündete den Kauf den US-Konzerns Brocade für gut fünf Milliarden Euro.

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    Die Einkaufstouren im großem Stil hat viele Gründe. Einerseits liegt es daran, dass Branchenschwergewichte wie Qualcomm oder Weltmarktführer Intel in einer Sackgasse angelangt sind. Sie verdienen zwar nach wie vor prächtig. Aber die Konzerne bewegen sich längst nicht mehr so dynamisch wie früher, den Investoren fehlt die Wachstumsstory.

    Dazu kommt, dass Chips zwar überall eingesetzt werden – vom Turnschuh über die Kaffeemaschine bis zum Flugzeug. Doch die Bauteile werden zum Schüttgut. Nur Unternehmen, die groß und effizient sind, können mithalten. Durch den Zusammenschluss von Qualcomm und NXP entsteht der drittgrößte Chipproduzent der Welt mit einem Umsatz von 30 Milliarden Euro. Nur Intel und Samsung erzielen höhere Erlöse.

    Dazu kommt: Die führenden Halbleiterhersteller versuchen sich eine gute Ausgangsposition für das sogenannte Internet der Dinge zu verschaffen, also die Vernetzung von Milliarden von Maschinen weltweit. Qualcomm etwa sichert sich mit dem NXP-Kauf wichtiges Know-how im Geschäft mit den Autobauern. NXP ist der größte Autochip-Produzent der Welt.

    Auch Softbank hatte gute Gründe, mehr als das 50-Fachen des Jahresgewinns des vergleichsweise kleinen britischen Chipdesigner ARM hinzublättern. Die Asiaten rechnen fest damit, dass das Geschäft von ARM in den nächsten Jahren richtig abgeht. Die Firma aus England hat die allerbesten Voraussetzungen, eine Schlüsselstellung im Internet der Dinge einzunehmen. Wenn ARM künftig in Autos, Kühlschränken, Computerbrillen und Werkzeugmaschinen auch nur annähernd die Rolle spielt wie jetzt bei Smartphones, dann lohnt sich jeder Cent.

    „Die Halbleiterindustrie ist eine ‘reife Industrie’“
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