Elektronikkonzern Sharp einigt sich mit Banken auf Rettungsplan

Der Elektronik-Konzern Sharp steckt massiv in der Krise. Laut einem Insider muss das Unternehmen 5000 Stellen abbauen. Für manche Investoren geht der vorliegende Rettungsplan aber nicht weit genug.
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Stellenstreichung? Der japanische Elektronik-Konzern steckt massiv in der Krise. Quelle: Reuters
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Stellenstreichung? Der japanische Elektronik-Konzern steckt massiv in der Krise.

(Foto: Reuters)

TokioSharp hat sich Reuters-Informationen zufolge mit seinen Banken auf eine neuerliche Sanierung geeinigt. Eine mit dem Vorgang vertraute Person sagte, die Hauptgeldgeber - Mizuho und Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ - hätten bei einem Treffen am Donnerstag dem japanischen Elektronik-Konzern zusammen 1,7 Milliarden Dollar zugesagt.

Damit verbunden sei ein Rettungs- und Restrukturierungsplan. So müsse Sharp zum Beispiel 5000 Arbeitsplätze und damit zehn Prozent der gesamten Stellen streichen sowie sein TV-Geschäft zurückfahren. Zudem werde das Geschäft mit Displays für Smartphones abgetrennt. Ein anderer Insider ergänzte, es werde auch erwogen, die Zentrale in Osaka zu verkaufen. Ferner stünden Fabriken zur Disposition.

2012 wurde der Konzern, der Produkte vom Solarmodul über Taschenrechner und LED-Lampen bis hin zu Fernsehern und Smartphone-Displays herstellt, mit rund drei Milliarden Dollar vor dem Aus gerettet. Damals fielen bereits 5000 Stellen weg, und Sharp stieg aus dem europäischen Fernseher-Geschäft aus. Nun benötigt der Konzern erneut frisches Geld für die Sanierung. Hauptproblem ist Analysten zufolge, dass Sharp seine LCD-Fabriken mit fast voller Kapazität laufen lässt, obwohl dies die Nachfrage nicht hergibt.

Das lange Leiden der japanischen Elektronikkonzerne
Sony Corp.'s first personal headphone stereo Walkman, the "TPS-L2", launched in July 1979, is seen in this undated handout
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Sony

Die einstige Technik-Ikone Sony hat sich zum Sanierungsfall gewandelt. In den 1950er Jahren brachte der Elektronikkonzern das erste Transistorradio im Westentaschen-Format auf den Markt. Mit dem legendären Walkman (Bild) wurde Sony in den 1980er Jahren das, was Apple heute ist. Mit der Playstation schuf das Unternehmen später einen Markt für Videospiele. Doch die glorreichen Zeiten sind vorbei. Der neue Chef Kazuo Hirai, seit Februar 2012 im Amt, will Sony in den drei Kernbereichen Smartphones, Digitalkameras und Computerspiele wieder zu einem schlagfertigen Wettbewerber machen.

To match Special Report SONY/
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Sony

Kazuo Hirai (Bild) hat dem ehemaligen japanischen Vorzeigeunternehmen ein striktes Sparprogramm verordnet. Die Sanierung will sich Hirai allein im aktuellen Geschäftsjahr 700 Millionen Euro kosten lassen. 10.000 Stellen sollen abgebaut werden. Die TV-Sparte soll ihre Fix- und Betriebskosten drastisch senken. Gerade bei Fernsehern zeigt sich, wie weit Sony im internationalen Vergleich inzwischen zurückgefallen ist. Hirai will so schnell es geht wieder in die schwarzen Zahlen. Dafür hat der Manager, der zuvor das erfolgreiche Geschäft mit den Spielekonsolen führte, ehrgeizige Ziele. Sony soll Weltmarktführer bei Mobiltelefonen werden und auf neuen Geschäftsfeldern aktiv werden.

SONY'S NEW AIBO ENTERTAINMENT ROBOT UNVEILED IN TOKYO
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Sony

Abseits der klassischen Unterhaltungselektronik soll Sony vor allem in der Medizintechnik wachsen. Hirai kündigte Übernahmen und eine regelrechte Einkaufstour an, um bis 2015 auf einen Umsatz von einer halben Milliarde Euro zu kommen. Allerdings wird der Medizintechnik-Markt von mächtigen Konkurrenten beherrscht. Auf einem anderen Gebiet hingegen ist Sony mittlerweile abgeschlagen. Bei der Robotik waren die Japaner früher einer der Weltmarktführer. Doch auch das Aushängeschild, der Roboterhund Aibo (Bild), ist inzwischen in der Versenkung verschwunden. Hirais Vorgänger Howard Stringer stellte die Förderung der Sparte ein.

A "Don't Walk" traffic signal is seen in front of the national flag hoisted on the headquarters of Bank of Japan in Tokyo
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Japanische Elektronikkonzerne

Mit den Problemen steht Sony nicht alleine da, sie sind symptomatisch. Die großen japanischen Konzerne haben in der Konsumelektronik die Vorherrschaft verloren. Die einstige Innovationsführerschaft bei den wichtigsten Produkten der vergangenen 30 Jahren, Fernsehern und Handy, ist Vergangenheit. Vor allem Apple und der südkoreanische Konzern Samsung haben den Japanern das Wasser abgegraben. Japans Konzerne müssten sich „neu erfinden, um wieder zu den Innovationsführern aufzuschließen“, schrieb die japanische Wirtschaftszeitung „Nikkei“. Stellenabbau und Konsolidierung, die klassischen Rezepte in der Krise, reichen dafür allein nicht mehr aus.

huGO-BildID: 22016371 (FILES) This file photo taken on January 10, 2010 shows Japan's highest mountain Mount Fuji rising up behind the skyscraper sky
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Japanische Elektronikkonzerne

Während Apples Innovation im Geschäftsmodell und nicht in der Hardware liegt, konzentrierten sich die japanischen Elektronikriesen weiterhin auf die Fertigung von Produkten - von der Schraube an. Apples Innovation, mit iTunes und dem Betriebssystem der Endgeräte ein geschlossenes System zu entwickeln, das den Alltag der Menschen prägt, wurde von den Japanern nicht aufgegriffen. „Diese Art der Innovation haben Sony und die anderen japanischen Elektronikkonzerne nie verstanden“, sagt Morinosuke Kawaguchi von der Unternehmensberatung Arthur D. Little in Tokio. „Wir können einen guten Walkman bauen, aber kein gutes System.“ Deshalb leiden neben Sony auch die weiteren großen japanischen Elektronikkonzerne (Bild: Skyline von Tokio).

Sharp Corporation net loss to FY11 to 4.7 Billion US Dollars
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Sharp

Auch der Elektronikkonzern Sharp (Bild: Elektronikgeschäft in Tokio) musste im abgelaufenen Geschäftsjahr 2011/12 einen Verlust verbuchen. Nach jüngsten Schätzungen beträgt das Minus 380 Milliarden Yen (3,6 Milliarden Euro). Ursprünglich hatte Sharp einen Gewinn in Aussicht gestellt. Das schwache Geschäft mit Solarzellen und Fernsehern macht dem Konzern zu schaffen. Dabei war Sharp einst führend in der TV-Technik.

huGO-BildID: 9047464 Japan's electronics giant Sharp unveils their prototype model of the world's lightest, thinest and lowest power consuming 52-inc
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Sharp

Bei Sharp ist wie bei Sony das Fernsehgeschäft der wichtigste Pfeiler. Doch es gibt weltweit Überkapazitäten, die Preise fallen rasant. Es tobt ein heftiger Konkurrenzkampf. Zudem hinken die japanischen Hersteller der Konkurrenz aus Asien hinterher. Als Samsung zuletzt marktreife superflache Fernseher der nächsten Generation aus organischen Leuchtdioden zeigte, hatten Sharp und Sony dem nichts entgegenzusetzen. Sharp kündigte zuletzt an, die Produktion von großen TV-Bildschirmen herunterzufahren und sich stärker auf kleinere Bildschirme zu konzentrieren. Diese könnten bei Tablets oder Smartphones eingesetzt werden. Auch auf diesem Gebiet haben die Japaner den Anschluss längst verloren. Auch einem anderen japanischen Elektrokonzern geht es schlecht.

Ein Schlüssel beim anstehenden Umbau ist eben dieser LCD-Bereich, der für etwa 30 Prozent des Umsatzes steht. Analysten erwarten nach einer Abtrennung des Segments eine Fusion des LCD-Geschäfts mit dem Rivalen Japan Display. Allerdings hatte Sharp solche Überlegungen bislang immer zurückgewiesen.

An der Börse verteuerten sich Sharp-Aktien am Donnerstag um 4,5 Prozent und kletterten auf den höchsten Stand seit Dezember. Für manche Investoren geht der diskutierte Rettungsplan aber nicht weit genug. Die Restrukturierung könne zwar „die Blutung stoppen“, sagte Yasuo Sakuma vom Vermögensverwalter Bayview Asset Management. Das Grundproblem werde dadurch aber nicht gelöst.

Es fehle eine Strategie, wo künftig wieder Wachstum herkommen könne. Analyst Masayuki Otani vom Wertpapierhändler Securities Japan äußerte sich ebenfalls skeptisch: „Es ist schwer zu sagen, ob diese Restrukturierung ausreichen wird.“

Eine Sharp-Sprecherin sagte, das Unternehmen erwäge mehrere Optionen. Es sei aber noch nichts entschieden. Die Banken wollten sich nicht zu den Reuters-Informationen äußern.

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