Elektronikkonzern Toshiba startet Radikalumbau

Die Krisenserie reißt bei Toshiba nicht ab. Nach dem Bilanzskandal und Verlusten im TV- und PC-Geschäft soll der japanische Elektronikkonzern nun umgebaut werden. Der neue Chef will dabei auch heilige Kühe schlachten.
Update: 14.09.2015 - 14:18 Uhr
Der japanische Elektronikkonzern kämpft mit Absatzproblemen. Quelle: Reuters
Werbung für Toshiba

Der japanische Elektronikkonzern kämpft mit Absatzproblemen.

(Foto: Reuters)

TokioToshiba steht nach dem größten Bilanzskandal seit Jahren vor einem radikalen Umbau. Auf dem Weg aus der Krise werde es keine „heiligen Kühe“ geben, kündigte der neue Firmenchef Masashi Muromachi am Montag an. „Ich prüfe derzeit verschiedene Optionen für Strukturreformen, die sowohl drastisch als auch ohne Limitierungen ausfallen werden.“ Voraussichtlich werde es bis spätestens Anfang November erste Details geben.

Wegen des Bilanzskandals, der ein Volumen von insgesamt 1,15 Milliarden Euro hat, rutschte der Technologiekonzern auch im Frühjahr in die roten Zahlen. Von April bis Juni fiel ein Verlust von umgerechnet rund 80 Millionen Euro an. Vor allem auf Computern und Fernsehern blieb Toshiba sitzen. Der Umsatz sank um fünf Prozent. Für das abgelaufene Geschäftsjahr bis Ende März 2015 hatte Toshiba bereits einen Fehlbetrag von 277 Millionen Euro gemeldet.

Das zweite Leben deutscher Traditionsmarken
Borgward
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Borgward kommt nach Hause: 55 Jahre nach der Insolvenz will der Autobauer an seinem Heimatort Bremen wieder Autos bauen. Das kündigte das Unternehmen, dessen Hauptaktionär der chinesische Lkw-Hersteller Foton ist, am Mittwoch in Bremen an. Derzeit produziert Borgward ausschließlich in einem Werk in Peking sein SUV-Modell BX7. Die Teile für die Fertigung in Bremen werden aus China, Deutschland und Europa zugeliefert.

Borgward
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Am Standort Bremen werden nach Unternehmensangaben in der Anfangsphase 50 bis 100 Arbeitsplätze entstehen. Im ersten Schritt sei eine Fertigung mit einer Jahreskapazität von bis zu 10.000 Fahrzeugen geplant. Dazu werde eine Fertigungshalle mit rund 10 000 Quadratmetern Fläche gebaut. Das Premierenmodell aus Bremer Fertigung werde ein Borgward BX7 mit „vollelektrischem Antrieb“ sein.

Borgward
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Die Anfangsinvestitionen belaufen sich laut Borgward auf einen „zweistelligen Millionenbetrag“. Borgward gehörte einst zu den bekanntesten Autoherstellern Deutschlands und ging 1961 pleite. Borgwards Enkel Christian belebte die von seinem Großvater gegründete Marke 2015 wieder und ist Aufsichtsratschef der Borward Group. Seinerzeit wurde Borgward durch Top-Modelle wie Isabella, Arabella und Hansa 2400 bekannt.

Hertie
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2008 meldete Hertie Insolvenz an, 2009 schloss die Kette trotz Mitarbeiterprotesten ihr letztes Haus – vier Jahre später folgte das Comeback als Online-Shop. 2013 sicherten sich die Osnabrücker Internet-Unternehmer Nils und Jan Klöker die Namensrechte. Seitdem lebt Hertie als Internet-Kaufhaus weiter und bietet hertie.de nach eigenen Angaben über 1,2 Millionen Produkte an - vom Halloween-Kostüm bis zum Holzkohlegrill. Laut Experten ist dafür unter anderen der immer noch hohe Bekanntheitsgrad verantwortlich für gute Klick- und Kaufzahlen. „Das ist eine ganz andere Liga, als wenn man einen Markennamen völlig neu aufbauen muss“, so Hertie-Sprecher Klaus-Martin Meyer.

Quelle
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Ähnlich wie Hertie erging es dem Versandhaus Quelle: 2009 Pleite ging das Unternehmen pleite, der Name wurde anschließend vom Konkurrenten Otto übernommen und als Online-Shop neu aufgebaut. Heute ist quelle.de eine zusätzliche Verkaufsplattform für Haushaltsgeräte, Möbel, Elektronik und Textilien im großen Otto-Imperium. Und zwar eine äußerst erfolgreiche Plattform, wenn man dem letzten Otto-Geschäftsbericht Glauben schenkt: Im Vergleich zu 2014 habe Quelle den Umsatz in Deutschland, Österreich und der Schweiz um 20 Prozent gesteigert.

Praktiker
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Was Hertie und Quelle schon vor einiger Zeit geschafft haben, will nun auch Praktiker angehen. Die Internet-Unternehmer Christoph Kilz und Dirk Oschmann haben sich die Namensrechte der Baumarktkette gesichert. „Noch in diesem Jahr wird unter praktiker.de ein Online-Shop starten, der herkömmliche Baumärkte im Sortiment-Umfang deutlich übertreffen wird“, kündigt Mitgründer Oschmann an. Ob auch hier eine Erfolgsgeschichte entsteht, bleibt nach Meinung von Markenexperten, vor allem aufgrund der starken Konkurrenz im Baumarkt-Segment, abzuwarten.

Telefunken-Logo
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Sie galt einmal als Ikone der deutschen Industriegeschichte: Die rote Raute mit den vier Blitzen an den Seiten und dem Schriftzug „Telefunken“ stand jahrzehntelang für höchste Kompetenz in der Radio- Fernseh- und Funktechnik. Rund 20.000 Patente hielt die 1903 gegründete Firma. In ihren Forschungslabors wurde die erste Radarfalle für die Polizei, aber auch das Farbfernsehen mit dem noch heute gültigen PAL-System entwickelt.

Muromachi hat erst im Juli das Ruder übernommen. Sein Vorgänger Hisao Tanaka war gemeinsam mit anderen Spitzen-Managern zurückgetreten, weil Toshiba über viele Jahre die Gewinne zu hoch ausgewiesen hatte. Muromachi strebt nun einen Kulturwandel im Unternehmen an. Dafür sollen mehr Führungskräfte von außen angeworben werden. Der neue Chef will zudem kriselnde Bereiche wie das defizitäre Geschäft mit Computern und Fernsehern restrukturieren. In diesem Zusammenhang wird mit deutlichen Kostensenkungen gerechnet.

Die Börse in Tokio nahm Toshiba-Aktien am Montag unter besondere Beobachtung und brummte dem Konzern wegen Verstößen gegen die üblichen Regeln eine Strafe von rund 91 Millionen Yen (670.000 Euro) auf. Es wird damit gerechnet, dass die Regulierungsbehörden die Firma ebenfalls bestrafen. Die Summe dürfte hier um einiges höher ausfallen. Er wolle den Beobachtungsstatus möglichst bald wieder abschütteln, sagte Muromachi.

Die Veröffentlichung der Bilanz für das vergangene Jahr hatte das japanische Unternehmen zwei Mal verschoben. Damit lief es Gefahr, dass die Aktien von der Börse genommen wurden.Maue Geschäfte mit PCs und TV-Geräten haben Toshiba einen Verlust eingebrockt. Für das Quartal von April bis Juni wies der von einem Bilanzskandal erschütterte Elektronikkonzern am Montag einen Fehlbetrag von umgerechnet rund 80 Millionen Euro aus. Vor einem Jahr stand noch ein Plus von 350 Millionen Euro in den Büchern. Der Umsatz des japanischen Unternehmens sank um fünf Prozent auf 9,9 Milliarden Euro.

Vor allem mit Computern und Fernsehern lief es erneut schlechter. Im vorigen Geschäftsjahr, das bis Ende März lief, war Toshiba wegen der Bilanzaffäre in die roten Zahlen gerutscht.

Damit erhöht den Druck auf Konzernchef Masashi Muromachi, der im Juli das Ruder übernommen hatte. Sein Vorgänger Hisao Tanaka war gemeinsam mit anderen Spitzenmanagern zurückgetreten, weil Toshiba über viele Jahre die Gewinne zu hoch ausgewiesen hatte. Muromachi strebt nun einen Kulturwandel in dem Unternehmen an und will kriselnde Bereiche wie das defizitäre Geschäft mit Computern und Fernsehern restrukturieren.

  • rtr
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