Entwicklerkonferenz „Next“ Google wendet sich mit seiner Cloud den Unternehmen zu

Diane Greene hat mit dem Cloud-Geschäft ein völlig neues Google für Firmenkunden geschaffen. Nun gilt es, den Rückstand auf Amazon und Microsoft aufzuholen.
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Die Managerin wirbt auf der „Next“-Konferenz um Vertrauen bei Kunden, Software-Entwicklern sowie Partnern. Quelle: Bloomberg
Diane Greene

Die Managerin wirbt auf der „Next“-Konferenz um Vertrauen bei Kunden, Software-Entwicklern sowie Partnern.

(Foto: Bloomberg)

San FranciscoDer Durchbruch ist geschafft: 2015 passte „Next“, Googles hauseigene Entwicklerkonferenz für Cloud Computing, noch in einen kleinen Konzertsaal in San Francisco. 2016 hatte sich die Teilnehmerzahl schon vervielfacht und die Konferenz zog in den alten Hafen, wo ein Pier mit umgebauten Lagerhallen für 2000 Teilnehmer angemietet wurde.

2017 dann der erneute Umzug: Diane Greene, die erst Ende 2015 bei der Cloud-Tochter von Google das Zepter übernommen hat, begrüßte die nun 10.000 Konferenzteilnehmer im Moscone Center im Zentrum der US-Metropole, wo auch IT-Giganten wie Oracle und Salesforce ihre Hausmessen abhalten.

Ein Jahr später ist sie wieder hier, und mit ihr rund 25.000 registrierte Teilnehmer. Die wollen vom heutigen Dienstag bis zum Wochenende erfahren, welche Neuigkeiten es bei Googles Cloud gibt, und sich in Seminaren und Workshops mit den Apps und Programmiertools vertraut machen.

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Am Tag zuvor hatte die Google-Dachgesellschaft Alphabet Quartalszahlen vorgelegt. Dabei stach eine Entwicklung heraus: Das Cloud-Geschäft selbst wächst offenbar ebenso rasant wie die Konferenz. Der Bereich „andere Umsätze“, wo die Cloud, aber auch Verkäufe von Smartphones, Lautsprechern oder Laptops zusammengefasst werden, wuchs verglichen mit dem Vorjahr im zweiten Quartal um 37 Prozent auf jetzt 4,4 Milliarden Dollar.

Da das Frühlingsquartal, anders als das Weihnachtsgeschäft, nicht gerade als Hochsaison für Hardware-Verkäufe gilt, kann man davon ausgehen, dass die Cloud das Wachstum bestimmt hat. Genaue Zahlen gibt es nicht. Nur einmal hat Google-Chef Sundar Pichai Anfang 2018 durchblicken lassen, dass die Cloud-Aktivitäten mittlerweile „mehr als eine Milliarde Dollar im Quartal“ einbringen. Das sind die Cloud selbst und die „G-Suite“ getaufte Sammlung von Produktivitäts-Apps, sozusagen die Cloud Konkurrenz zu Microsofts „Office 365“.

Es ist auch ein Erfolg für Diane Greene persönlich. Als sie übernahm, dümpelten Googles Cloud-Aktivitäten vor sich hin. Amazon mit AWS war mit jährlichen Wachstumsraten um 100 Prozent zum Marktführer aufgestiegen, mit 5,4 Milliarden Dollar Umsatz im Quartal. Microsoft-Chef Satya Nadella pumpt ebenfalls unablässig Milliarden von Dollar in neue Rechenzentren weltweit. Das Cloud-Geschäft des Konzerns wächst ähnlich stark und ist die Nummer zwei hinter AWS.

So etwas hätte nie geschehen dürfen: Google war praktisch in der Cloud geboren und groß geworden, besitzt das wahrscheinlich noch immer größte Netzwerk aus Rechenzentren und globalen Datenleitungen aller Internet-Giganten – und hechelt dennoch den Konkurrenten hinterher.

Doch diese Zeiten sind vorbei, verspricht Greene. Die Cloud-Konferenz ist so etwas wie die Einweihungsparty für ihr neues, unternehmensorientiertes Google. Als sie begann, sei ihr von Analysten vorgehalten worden, Google sei im Gegensatz etwa zu Microsoft organisatorisch gar nicht bereit für das Unternehmensgeschäft, berichtet Greene. Man habe ihr prophezeit, Google sei ein Privatkunden-Unternehmen, sie werde zehn Jahre brauchen, um das zu ändern. Sie hat es in zwei Jahren geschafft – sagt Greene.

Datenanalytik wird zur Chefsache gemacht

Jetzt wirbt die Managerin auf der „Next“-Konferenz um Vertrauen bei Kunden, Software-Entwicklern sowie Partnern. Die müssen zuversichtlich sein, mit Googles Cloud Geld verdienen zu können. Sonst programmieren sie für Amazon, Microsoft oder IBM.

Immer mehr große Namen tauchen derweil auf Greenes Kundenliste auf, zuletzt Target, der drittgrößte Einzelhändler der USA. Mike McNamara, Digitalchef bei Target, bringt die neue Strategie stellvertretend für viele Unternehmen auf den Punkt: Mit der Cloud werde die Technologie, die zuvor an externe Dienstleister ausgegliedert wurde, wieder zurück ins Haus geholt. Nicht physisch, weil die Rechner ja bei Google, Amazon oder Microsoft stehen, sondern strategisch. Die Datenanalytik wird zur Chefsache gemacht.

Viele Kunden, so Cloud-Chefin Greene, kommen zu Google wegen der ausgefeilten Technologie für Datenanalyse und Maschinenlernen, für künstliche Intelligenz. Dank der neuen Möglichkeiten der Cloud sehen Unternehmen ihre IT und ihre Daten jetzt als Wettbewerbsvorteil.

Fei-Fei Li, Googles Chefstrategin für künstliche Intelligenz, sieht die smarte Technologie in jede Branche einziehen: „Das ist keine Nischentechnologie mehr. Das wird zum Unterscheidungsmerkmal für Unternehmen in allen Industrien.“

Entwicklungen wie Cloud AutoML, vereinfachtes automatisiertes Maschinenlernen, würden Millionen von Entwicklern weltweit in die Lage versetzen, Technologien einzusetzen, die sie bislang nicht nutzen konnten. Googles künstliche Intelligenz, entwickelt für den Einsatz in den eigenen Produkten, gilt im Markt als der Konkurrenz überlegen, aber Microsoft und Amazon holen auf.

Neben künstlicher Intelligenz und Maschinenlernen wird Google jetzt auch Blockchain-Technologie in seine Cloud bringen. Eine Entwicklungspartnerschaft dafür wurde jetzt mit dem Start-up Digital Asset geschlossen. Bei G-Suite gibt es neue Sicherheitsmerkmale und eine Auswahl, um die Orte verbindlich vorzugeben, wo Daten gespeichert werden. Das ist eine Reaktion auf verschärfte Datenschutzgesetze.

Mit der neu vorgestellten Cloud-Serviceplattform erkennt Google jetzt eine Realität der „alten“ Wirtschaftswelt an. Diese Plattform ist praktisch eine Familie von Cloud-Dienstleistungen, die sowohl in Googles Datenwolke laufen können als auch in Rechenzentren der Kunden. Diese müssen in Zukunft also nicht mehr ihre alten Investitionen abschreiben und alles auf Google setzen.

Laut Urs Hölzle, Google Vice President und strategischer Vordenker des Konzerns, betreiben heute 80 Prozent der Unternehmen eine „Multi-Cloud- und Hybrid-Strategie“. Sie arbeiten also mit mehreren Anbietern zusammen und haben oft dazu noch eigene IT-Infrastruktur.

Solche komplexen Systeme zu managen sei nicht nur schwierig, sondern auch teuer, sagt Hölzle. Die neue Plattform soll diese Verwaltungsarbeit vereinfachen, beschleunigen und somit mehr Neukunden bringen. Als Vertriebspartner wurde der Netzwerkgigant Cisco angekündigt. Ein Name, dem Unternehmenschefs heute noch mehr vertrauen als Google, wenn es um IT-Investitionen geht. Aber auch das will Greene ändern.

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