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Ericsson-Chef Börje Ekholm im Interview „Wir müssen für die Glaubwürdigkeit und Integrität des Netzes sorgen“

Der Chef des Netzausrüsters Ericsson spricht über die Chancen durch den 5G-Ausbau und die Übernahme des deutschen Antennenherstellers Kathrein.
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Für den Ericsson-CEO ist die Diskussion über Industriespionage durch Huawei ein politisches Thema, und keines der Unternehmen. Quelle: Bloomberg
Börje Ekholm

Für den Ericsson-CEO ist die Diskussion über Industriespionage durch Huawei ein politisches Thema, und keines der Unternehmen.

(Foto: Bloomberg)

Als Börje Ekholm, 56, Anfang 2017 Chef von Ericsson wurde, steckte der Netzwerkausrüster in der Krise. Nach einer Restrukturierung verspricht der Manager wieder Wachstum – vor allem dank des Mobilfunkstandards 5G. Im Handelsblatt-Interview spricht er über den Kauf des deutschen Antennenherstellers Kathrein und die Rolle von 5G für sein Unternehmen.

Trotz der Spionagevorwürfe gegen das chinesische Unternehmen Huawei ist Ekholm skeptisch bei Zertifizierungen von Netzwerktechnik. „Wir als Industrie müssen für die Glaubwürdigkeit und Integrität des Netzes sorgen“, sagte er dem Handelsblatt. Tests seien aber „kein Allheilmittel“.

Bei der Überprüfung erhalte man „im Grunde nur eine Momentaufnahme, die nicht das gesamte Netz darstellt“, argumentierte Ekholm – die Entwicklung sei schließlich ein kontinuierlicher Prozess. „Außerdem drohen Sicherheitslücken, wenn man wichtige Updates lange testet. Das wäre ein echtes Problem“, warnte Ekholm. Eine „allumfassende Antwort“ habe die Industrie noch nicht gefunden.

Der Schwede wollte sich nicht dazu äußern, welche Folgen ein Ausschluss von Huawei hätte, wie es die USA von Partnern fordern: „Über solche Szenarien spekulieren wir nicht.“ Er ließ aber durchblicken, dass sein Unternehmen die Lücke schließen könnte: „Prinzipiell bereiten wir uns aber auf eine schnelle 5G-Einführung vor. Unsere Fabriken und Zulieferer sind darauf eingestellt.“

Lesen Sie hier das gesamte Interview:

Herr Ekholm, die Mobilfunkbranche sagt, dass 5G unser Leben verändern wird. Wann ist es denn so weit?
In den USA ist es schon so weit, dort hat im Oktober der Aufbau eines kommerziellen Netzes begonnen. Auch in Asien tut sich einiges. In Europa sieht die Situation anders aus.

Wird Europa abgehängt?
Die Technologie steht bereit. In Europa gibt es jedoch in vielen Ländern eine unklare Lage bei den Frequenzen. Auch die Investitionssituation ist eine andere: In China gibt es drei Netzanbieter, in den USA noch vier – in Europa sind es etwa 220.

Wo sehen Sie die besten Chancen?
Das erste Anwendungsszenario ist der Umgang mit den wachsenden Datenmengen. Das erfordert neue Technologien und neue Frequenzen, damit das Netz nicht so sehr verstopft wird und die Kosten niedrig gehalten werden. Auch die Anbindung von Haushalten per Mobilfunk statt per Kabel ist ein attraktives Geschäft. Darüber hinaus wird es um das industrielle Internet gehen.

Zum Beispiel?
Beispiele sind die Fabrikautomation und die Vernetzung von Lieferketten. Neue Möglichkeiten gibt es auch in der Landwirtschaft und dem Gesundheitswesen.

Das ist ein Blick in die Zukunft. Wann wird das Geschäft konkret?
Erst wenn es diese Netze gibt, können diese Anwendungen entwickelt werden. Das wird ein bisschen dauern, wir reden über 2020, vielleicht 2021 und 2022.

Politiker in mehreren Ländern fordern, Huawei aus Angst vor Spionage vom Netzausbau auszuschließen. Was halten Sie davon?
Es gibt aktuell viele Spekulationen rund um das Thema. Aber darüber müssen ohnehin Länder diskutieren, nicht Unternehmen. Wir konzentrieren uns darauf, unsere Produkte für die kommerzielle Einführung von 5G vorzubereiten.

Der Mobilfunkverband GSMA schlägt vor, dass Netzbetreiber gemeinsam Ausrüstung überprüfen.
Die Mobilfunkbranche wird mit 5G eines Tages jedes einzelne Gerät vernetzen, daher muss Sicherheit im Mittelpunkt stehen. Wir als Industrie müssen für die Glaubwürdigkeit und Integrität des Netzes sorgen. Eine allumfassende Antwort auf die Frage, wie das gehen soll, sucht die Industrie aktuell noch.

Was spricht gegen eine Überprüfung?
Tests sind kein Allheilmittel. Wenn man das gesamte System betrachtet, erhält man im Grunde nur eine Momentaufnahme, die nicht das gesamte Netz darstellt. Die Netzentwicklung ist ja ein kontinuierlicher Prozess. Außerdem drohen Sicherheitslücken, wenn man wichtige Updates lange testet. Das wäre ein echtes Problem.

Falls Huawei ausgeschlossen würde: Könnten Sie die Lücke schließen?
Über solche Szenarien spekulieren wir nicht. Prinzipiell bereiten wir uns aber auf eine schnelle 5G-Einführung vor. Unsere Fabriken und Zulieferer sind darauf eingestellt.

Sie haben die Übernahme des deutschen Antennenherstellers Kathrein angekündigt. Welche Rolle soll er im Konzern spielen?
Kathrein ist schon seit einiger Zeit ein wichtiger Zulieferer für uns. Ein wichtiger Grund für die Übernahme: Die Mobilfunknetzbetreiber geben viel Geld für den Aufbau und die Wartung der Basisstationen aus. Wenn wir sowohl die Radioeinheit als auch die enthaltenen Antennen kontrollieren, können wir die Kosten für Mobilfunkstandorte optimieren.

Was heißt das für die Mitarbeiter in Deutschland? Werden Sie Stellen streichen?
Kathrein hat mehrere Restrukturierungen hinter sich. Ich sehe heute keinen zusätzlichen Bedarf. Im Gegenteil, wir werden eher noch in Deutschland investieren. Wir wollen den starken Standort bewahren – wir haben ja nicht nur ein Produktportfolio gekauft, sondern auch die Kompetenzen. Aber die Akquisition ist noch nicht abgeschlossen, und für Kathrein können wir so lange nicht sprechen.

Herr Ekholm, vielen Dank für das Gespräch.

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