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Event der Extraklasse in L.A. „Jeder will ein Rockstar sein“

Ein elektronischer Plastik-Plattenspieler macht's möglich: Jeder Amateur, der einen PC besitzt, kann Platten auflegen wie ein Profi. Jetzt präsentierte der Hersteller sein Produkt in Los Angeles. Mit dabei: Eminem und Jay Z.
Rapper unter sich: Eminem und Jay Z in Los Angeles. Quelle: ap

Rapper unter sich: Eminem und Jay Z in Los Angeles.

(Foto: ap)

LOS ANGELES. Das wollten sich weder Titanic-Taucher Leonardo di Caprio noch Spiderman Tobey Maguire oder Partygirl Nicki Hilton entgehen lassen: Mit Jay-Z und Eminem rockten gleich die beiden angesagtesten Rap-Musiker der USA die Bühne des traditionsreichen Wiltern Theater in Downtown Los Angeles. Über 2 000 Partygäste umjubelten die Soloauftritte und ein spontanes Duett der beiden Superstars. Ein Event der Extraklasse, selbst in der Heimat der Stars und Sternchen. Anlass der Megaparty war schlicht der Start eines Videospiels: DJ Hero.

Der Beat hämmert, auf dem Fernsehschirm laufen zur Musik wie wie auf einem Fließband die Spielanweisungen durch. Die Software gibt haargenau vor, wann welche Taste auf dem nachgebauten Plastik-Plattenspielers gedrückt, wann der Plattenteller stakkatoartig hin und her gedreht werden muss, damit partytauglicher Groove aus der Heimkinoanlage erschallt. Ein kleiner Schieberegler, der "Fader", sorgt für reibungslose Überblendungen zwischen Top-Hits wie "Boom Boom Pow" von den Black Eyed Peas und Benny Benassis "Satisfaction".

Auch Rapper Eminem, der von seinem Comeback-Album "Relapse" gerade rekordverdächtige 600 000 Stück in nur einer Woche verkauft hat, ist dabei. DJ Hero macht aus jedem Vorstadt-Bubi einen angesagten Szene-DJ, das weiß der Geschäftsmann Eminem. DJ Hero ist ein neue Art, Musik unter die Fans und auf die Partys zu bringen. Ein paar Lieder sind bei jedem Softwarekauf dabei, der Rest muss gekauft werden: Über 45 Mio. Lieder wurden bereits für die verschiedenen Guitar Hero-Spiele aus dem Web geladen, für jeweils zwei Dollar im Schnitt. Der gleiche Track kostet für den iPod bei iTunes 99 Cent. Die Musikindustrei ist begeistert, bei DJ-Hero beispielsweise werden die Mixe von den Plattenfirmen lizensiert und nur für das Spiel herausgegeben. Geplant sind auch Bundle-Angebote mit exklusiven Stücken und CDs einzelner Künstler. Kein Wunder, dass auch Künstler wie Jay-Z mit dem geschäftlichen Spürsinn eines Bluthunds schnell auf den Zug aufspringen.

"Jeder will doch ein Rockstar sein", begründet Dan Rosensweig, seit April CEO der Musiksparte von Activision, den Boom. "Heute will jeder fühlen, was der DJ in dem Club fühlt, in der er immer geht." Die Guitar-Hero-Serie hat längst die Umsatzmarke von zwei Mrd. Dollar geknackt, und im Herbst soll die Version 5 auf den Markt kommen. Von 2002 bis 2006 war Rosensweig CEO von Yahoo, bevor er von Jerry Yang aus dem Amt gedrängt wurde. Heute soll er Activisions Musikgeschäft ins Internet führen.

Dabei kommt auch der Web-2.0-Gedanke nicht zu kurz. Die Fans können mittlerweile Lieder mit ihrer Plastikgitarre erstellen und auf die Community-Seite hochladen. Rund 300 000 Stücke sind online, gut 700 000-mal wurden sie von anderen zum Nachspielen heruntergeladen. "Die Onlinegemeinde wächst alle sechs Monate um dreißig Prozent", so Rosensweig. "Das wird die größte Party der Welt."

Gerhard Florin vom Konkurrenten Electronic Arts sieht die ganze Sache gelassener. "Das Musikbusiness bei Electronic Arts ist im Jahresverlauf bereits um 33 Prozent zurückgegangen", sagt er. EA hat unter anderem das Spiel Rockband vertrieben, das von Harmonix und MTV Games herausgegeben wird. Der Grund, räumt Florin ein, ist aber nicht einer Überraschenden Musikmüdigkeit der jungen Zielgruppe zuzuschreiben. "Ein großer Teil des Umsatzes rekrutiert sich aus der Hardware", rechnet der EA-Manager vor. "Aber mittlerweile hat jeder eine Gitarre Zuhause."

Also wird sich der Umsatz immer stärker alleine auf Software und Downloads konzentrieren müssen, das Geschäft wird härter. Da muss ständig etwas Neues her. Um im Kampf mitzuhalten hat Harmonix/MTV deshalb mit "The Beatles: Rockband" eine Legende wieder zum Leben erweckt. Doch vielleicht sind die Zeiten über die Pilzköpfe hinweggegangen. Zur Vorstellung des Programms kamen Yoko Ono Lennon und Olivia Harrison nach LA, winkten wortlos und verließen wieder die Bühne, um ja nicht mit Ringo Starr und Paul McCartney zusammenzustoßen.Die machten ein paar Witze und gingen ebenfalls wieder. Keine Spur von Engagement wie bei Eminem und Jay-Z.

Deshalb hat auch Rosensweig nicht wirklich Angst: "Für jedes verkaufte Rockband-Spiel verkaufen wir in den USA vier Guitar Hero-Pakete", sagt der Activision-Mann und sieht nicht, warum sich das wegen der Beatles-Edition ändern sollte. pos

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