ExB bekommt Finanzspritze Neues Projekt für den Maschinenversteher Ramin Assadollahi

Das Start-up ExB erhält 9,5 Millionen Euro. Mit dem Kapital will der Gründer Versicherungen dabei helfen, die Kunden-Post automatisch auszuwerten.
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Der Gründer und CEO von ExB Labs will die tägliche Flut an Briefen kanalisieren. Quelle: DLD Conference
Ramin Assadollahi

Der Gründer und CEO von ExB Labs will die tägliche Flut an Briefen kanalisieren.

(Foto: DLD Conference)

DüsseldorfKündigungen und Adressänderungen, Beschwerden und Schadensfälle: Versicherungen bekommen jeden Tag Tausende Briefe von ihren Kunden. Die Mitarbeiter müssen jeden einzelnen überfliegen und an die richtige Abteilung weiterleiten – fast wie vor 50 Jahren, wenn auch mit digitalen Dokumenten.

Ramin Assadollahi will die Dokumentenverarbeitung ins 21. Jahrhundert holen. Der Computerlinguist hat mit seiner Firma ExB Labs eine Software entwickelt, die Briefe automatisch in Kategorien einordnet und an die Fachabteilungen weiterleitet – künstliche Intelligenz soll relevante Informationen erkennen.

Um dieses Geschäft auszubauen, erhält das Start-up in einer Finanzierungsrunde 9,5 Millionen Euro. Hauptinvestor ist Alstin Capital, eine Gesellschaft von Unternehmer Carsten Maschmeyer, zudem beteiligt sich die staatliche Bayern Kapital GmbH. Die genaue Bewertung teilen die Unternehmen nicht mit, sie soll sich aber im zweistelligen Millionenbereich bewegen.

Assadollahi sah darin anfangs kein geschäftliches Potenzial: Er dachte, dass die Konkurrenten „alle technischen Möglichkeiten ausgeschöpft hätten“. Zu wichtig ist das Geschäft für die Versicherungen. Und zu groß ist auch das Datenvolumen – eine Voraussetzung für den Einsatz künstlicher Intelligenz. Bei einem Hackathon der Allianz stellte das Start-up fest, dass es doch eine Chance hat.

Wie Maschinen Sprache verstehen können – für Assadollahi ist das ein Lebensthema. Noch während der Promotion machte er sich im Jahr 2000 mit ExB Labs selbstständig. Eines der ersten Produkte war gleich ein durchschlagender Erfolg, der Informatiker durfte aber jahrelang nicht darüber reden: Eine Software machte Handynutzern beim Tippen von SMS oder Notizen Vorschläge, welches Wort als nächstes kommen könnte. Nokia, 2010 Marktführer, kaufte die Technologie samt der Patente, verlangte aber Verschwiegenheit.

Mit dem Erlös, über den der Sprachforscher immer noch nicht spricht, und dem Wissen, das in das Produkt eingeflossen war, machte Assadollahi weiter – immer mit der Überlegung, wie Maschinen besser vorhersagen können, was Menschen wollen. Seine Software nennt er deswegen eine „Verstehmaschine“.

Sie kommt zum Beispiel bei einigen Autoherstellern und Zulieferern zum Einsatz. Diese verwenden das System zur Spracherkennung – der Fahrer kann fragen, warum eine Warnlampe blinkt, das Auto gibt die Antwort aus dem Handbuch über den Lautsprecher aus. Oder sie nutzen es, um das Cockpit an die Vorlieben der Passagiere anzupassen – etwa, was die Wohlfühltemperatur betrifft. Zu den Kunden zählen Audi und Bosch.

Maschine versteht Menschen: Dieses Prinzip will ExB Labs auf andere Branchen übertragen. Der Pharmaindustrie bietet die Firma ein System an, das Inhalte aus zahlreichen wissenschaftlichen Publikationen aggregiert – linguistische Verfahren sollen Zusammenhänge zwischen Genen und Krankheiten erkennen. Und Versicherungen sollen Post von Kunden automatisch auswerten können. „Wir wollen ein Produkt wie ein Schweizer Taschenmesser entwickeln“, sagt Assadollahi.

Fokus auf Finanzindustrie

Der Hauptinvestor Alstin Capital investiert schwerpunktmäßig in Start-ups aus der Finanzindustrie. „Finanzdienstleister, Banken und Versicherungen haben erheblichen Mehrwert durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz“, sagt Investmentmanager Lukas Bennemann. ExB Labs könne das bieten: Die Technologie sei ein „Game Changer“, die sich mit internationalen Konkurrenten messe. Die Firma habe zudem ein „erfahrenes Management, das erprobte Produkte auf den Markt bringt“.

Mit dem neuen Kapital will ExB Labs einerseits den Vertrieb stärken. „Wir haben gezeigt, dass unsere Technologie leistungsfähig ist“, sagt Assadollahi. „Jetzt wollen und müssen wir stärker mit dem Markt interagieren.“ Sprich: Der Firmenchef sucht nun Vertriebler und Partner. Andererseits investiert das Start-up in die Technologie – etwa, damit das System besser in den oft komplexen IT-Landschaften der Kunden läuft.

Alstin Capital, an dem der Unternehmer Carsten Maschmeyer als Mitgründer und Investor beteiligt ist, soll bei der Verkaufsoffensive helfen. Die Spezialisten unterstützten ExB Labs bei dem Aufbau eines skalierbaren und professionellen Vertriebs, sagt Bennemann. Sie haben enge Kontakte in die Versicherungsbranche, wo das Start-up nun verstärkt Akquise betreiben will.

Wie groß das Geschäft jetzt schon ist, macht ExB Labs nicht öffentlich. Derzeit stehe das Wachstum im Mittelpunkt, sagt Assadollahi – 2020 will er aber die Gewinnschwelle erreichen. Über einen Verkauf, wie ihn viele Start-ups planen, denkt der Computerlinguist derzeit nicht nach. „Ich möchte gerne langfristig eine Plattform entwickeln – mal gucken, wie weit das geht.“

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