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Facebook arbeitet an neuem Tool Der „Gefällt mir nicht“-Button kommt

Das Ende der Hurra-Kultur: Facebook-Nutzer werden künftig per Klick signalisieren können, wenn ihnen etwas nicht gefällt. Der Schritt ist richtig – und wird das soziale Netzwerk authentischer und erwachsener machen.
Update: 16.09.2015 - 04:53 Uhr
Facebook arbeitet an einem Button, mit dem man sein Missfallen ausdrücken kann. Quelle: dpa
Facebook-Daumen

Facebook arbeitet an einem Button, mit dem man sein Missfallen ausdrücken kann.

(Foto: dpa)

Menlo Park Ein Video aus dem Urlaub, Fotos vom Dinner oder der schnelle Flitzer an der Straßenecke – aus diesen heiter bis launigen Inhalten besteht traditionell ein Großteil dessen, was Nutzer bei Facebook posten. Doch in jüngster Zeit, angesichts der weltweiten Flüchtlingskrise, stößt das Netzwerk zunehmend an die Grenze dessen, was es mit dem Kommentar oder „Gefällt mir” ausdrücken kann. Die schockierende Aufnahme des ertrunkenen syrischen Flüchtlingsjungen am Strand des türkischen Bodrum, nein, die lässt sich wahrhaftig nicht „liken“.

Gründer Mark Zuckerberg hat sich deshalb zu einem Schritt entschlossen, der die Philosophie seiner Firma verändern wird. Facebook entwickle einen „Gefällt mir nicht“-Button („Dislike“), erklärte der 31-Jährige bei einer Veranstaltung im Firmen-Hauptquartier in Menlo Park. „Die Leute wollen seit Jahren einen "Dislike-Button", hunderte Menschen fragten danach, und heute ist der Tag, an dem ich endlich sagen kann, dass wir daran arbeiten und es nicht mehr lange dauern wird, bis eine Testversion auf den Markt kommt.“

Was sich bei Facebook künftig ändert
Facebook
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Ab Freitag (30. Januar) gelten im sozialen Netzwerk Facebook neue Geschäftsbedingungen. Dann haben Nutzer mehr Möglichkeiten, Privatsphäre- und Sichtbarkeitseinstellungen zu kontrollieren. Auf der anderen Seite bringen die neuen AGB aber auch eine viel detailliertere und zielgerichtetere Verfolgung des Nutzerverhaltens mit sich.

Mit einem Log-in nach dem 30. Januar stimmen Nutzer den neuen AGB automatisch zu, ein Widerspruch ist nicht möglich. Nutzer haben zwei Möglichkeiten: Akzeptieren oder Abmelden. Doch auch wenn man einzelnen Punkten nicht widersprechen kann, ist es wichtig, sich darüber bewusst zu sein, was mit den eigenen Daten geschieht. Hier die wichtigsten Änderungen im Überblick.

(Foto: dpa)
File illustration photo of electronic cables silhouetted next to the logo of Facebook
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Datenschutz

Facebook will es Nutzer leichter machen, zu entscheiden, wer ihre Inhalte sieht. Dazu gibt es jetzt interaktive Anleitungen und auch Möglichkeiten, die Analyse von besuchten Seiten und Apps zu kontrollieren. Hier muss der Nutzer aber aktiv tätig werden. Neue Funktionen müssen in der Regel abgestellt werden, wenn man mit ihnen nicht einverstanden ist. Und trotz aller Einstellungen: Facebook erfährt alles und kann es möglicherweise auswerten.

(Foto: Reuters)
Facebook ändert seine Nutzungsbedingungen. Wer sich ab dem 30. Januar 2015 anmeldet, stimmt ihnen zu. Der einzig mögliche Widerspruch dagegen ist die Abmeldung. Foto: Franziska Gabbert
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Standortdaten

Künftig können Standortdaten mit denen der Freunde und mit Werbeanzeigen verbunden werden. Wer seinen Standort teilt, kann etwa Informationen über Restaurants in der Nähe oder Neuigkeiten von Freunden angezeigt bekommen. Wer das nicht möchte, sollte der Facebook-App auf seinem Smartphone wenn möglich keinen Zugriff auf das GPS-Modul gewähren. Allerdings räumt nicht jede Plattform diese Möglichkeit ein.

(Foto: dpa)
File photo illustration of a man using an iPad with a Facebook app in Sofia
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Werbung I

Facebook will Werbung auf den Einzelnutzer zuschneiden. Bislang werden die Inhalte der Werbeanzeigen aus „Gefällt mir“-Angaben und anderen Aktivitäten im Netzwerk generiert. Bald sollen auch besuchte Webseiten und genutzte Apps ausgewertet werden. Das Netzwerk ist in der Lage, die Aktivitäten seiner eingeloggten Nutzer im Netz teilweise nachzuvollziehen.

Wer dann etwa online ein Paar Sportschuhe kauft, könnte beispielsweise Anzeigen für Sportkurse oder andere Trainingskleidung sehen. Wer Urlaubsziele recherchiert, sieht Werbung von Reiseveranstaltern.

(Foto: Reuters)
File illustration photo of people silhouetted as they pose with mobile devices in front of a screen projected with a Facebook logo
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Werbung II

Künftig sollen Facebook-Nutzer Werbeanzeigen auf ihre Relevanz bewerten können. Dazu wird auch sichtbar gemacht, in welche Zielgruppe Facebook die Nutzer einordnet und warum man eine bestimmte Anzeige sieht. Laut Facebook soll so sichergestellt werden, dass Nutzer nur relevante Werbung sehen.

Die neue Einstellung für Werbeanzeigen geben dem Nutzer zwar mehr Kontrolle, ein großer Gewinn sind sie aber nicht, wie Staatssekretär Ulrich Kelber (SPD) vom Bundesverbraucherschutzministerium bei der Vorstellung der neuen AGB Ende November 2014 urteilte: „Gleichzeitig erhält Facebook so aber auch noch mehr werberelevante Informationen über den Nutzer.“

(Foto: Reuters)
huGO-BildID: 41254910 (FILES)This February 25, 2013 file photo taken in Washington, DC, shows the splash page for the Internet social media giant Fac
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Neue Funktionen

Das Netzwerk will seine Kunden durch neue Optionen wie einen „Kaufen“-Knopf enger an sich binden. So könnte der Kauf von Waren direkt über das Facebook-Konto erfolgen. Damit könnte das Unternehmen neben Nutzungsdaten auch an Einkaufsgewohnheiten und Zahlungsdaten der Kunden kommen. Durch Zusammenführung dieser Daten lassen sich umfassende Personenprofile erstellen.

(Foto: AFP)
Mark Zuckerberg
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Verbraucherschützer empfehlen grundsätzlich, die Sichtbarkeit von Beiträgen stark zu kontrollieren und in den Privatsphäre-Einstellungen auf minimale Auswertung der persönlichen Daten zu Werbezwecken zu setzen. Und Facebook-Nutzer müssen wachsam sein, sagt Rechtsanwältin Sabine Petri von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen: „Man sollte regelmäßig nachsehen, ob die Einstellungen noch so sind, wie man sie eingestellt hatte.“

(Foto: ap)

Allerdings dürfe man dies nicht so verstehen, ergänzte der Manager, als könnten Nutzer über Beiträgen dann buchstäblich den Daumen senken und sie degradieren. Vielmehr könnten Posts künftig anders als nur rein positiv bewertet werden. „Die Nutzer wollen Empathie auszudrücken können. Nicht jeder Moment ist ein guter Moment“, erklärte Zuckerberg. „Wenn ein Nutzer etwas teilt, das traurig ist wie die Flüchtlingskrise, das den Nutzer berührt, oder etwas über ein verstorbenes Mitglied der Familie, könnte es sich falsch anfühlen, diesen Post zu "liken"“.

Facebook wird damit seiner wachsenden gesellschaftlichen Relevanz gerecht. Zuckerberg ist Chef eines virtuellen Weltreiches mit rund 1,4 Milliarden Menschen. Das sind mehr Einwohner als die USA, Europa und Russland zusammen haben. Dazu kommen 300 Millionen Nutzer des Bilderdienstes Instagram sowie 900 Millionen auf WhatsApp, das Facebook im vergangenen Jahr übernahm.

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