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„Fake News“ „Wir sind nicht die Feinde des Volkes“ – US-Zeitungen wehren sich gemeinsam gegen Trump

US-Präsident Donald Trump sieht die Medien als Feinde des Volkes. Nachrichtenredaktionen in ganz Amerika wehren sich gegen seine Vorwürfe.
16.08.2018 Update: 16.08.2018 - 09:13 Uhr 1 Kommentar
Die US-Zeitung rief andere amerikanische Medien dazu auf, in Leitartikeln gegen Donald Trumps Vorwürfe Stellung zu beziehen. Quelle: AFP
„Boston Globe“

Die US-Zeitung rief andere amerikanische Medien dazu auf, in Leitartikeln gegen Donald Trumps Vorwürfe Stellung zu beziehen.

(Foto: AFP)

New York Nachrichtenredaktionen in ganz Amerika wehren sich mit einer Serie von Leitartikeln gegen Attacken von US-Präsident Donald Trump. Die Beiträge wenden sich gegen dessen Behauptungen, wonach Medien „Fake News“, also Falschnachrichten, verbreiteten und kritische Journalisten Feinde des Volkes seien.

Die Initiative ging von der Zeitung „The Boston Globe“ aus, die andere Blätter im Land dazu aufrief, am Donnerstag mit Leitartikeln Position zu beziehen. Fast 350 Nachrichtenmedien hätten eine Beteiligung zugesagt, sagte die beim „Globe“ für Kolumnen zuständige Redakteurin Marjorie Pritchard.

Etliche Zeitungen stellten ihre Leitartikel schon am Vortag online. Die in St. Louis ansässige „Post-Dispatch“ bezeichnete Journalisten als „die wahrhaftesten Patrioten“. Die „Chicago Sun-Times“ schrieb, die meisten Amerikaner wüssten, dass Trump Unsinn rede.

Das Blatt „Fayetteville Observer“ im Staat North Carolina drückte zwar die Hoffnung aus, dass Trump mit seinen Attacken auf die Medien aufhören möge, stellte aber auch klar: „Wir halten nicht die Luft an. Vielmehr hoffen wir, dass alle Unterstützer des Präsidenten erkennen, was er da macht – die Realität manipulieren, um zu bekommen, was er will.“

Einige Zeitungen bemühten Lektionen aus der Geschichte, um ihren Standpunkt näher zu bringen: Das Blatt „Elizabethtown Advocate“ im Staat Pennsylvania verglich die Pressefreiheit in den USA mit jenen Rechten, die in der ehemaligen Sowjetunion zwar versprochen, aber nicht eingelöst wurden.

Die „New York Times“ setzte noch eins drauf. „Falls Sie es nicht schon getan haben, bitte abonnieren Sie ihre Lokalzeitung“, schrieb das renommierte Blatt, in dessen Kommentarspalten die Leitartikel anderer Medien im Land zusammengefasst wurden. „Loben Sie sie, wenn Sie denken, dass sie gute Arbeit geleistet haben – und kritisieren Sie sie, wenn Sie denken, dass sie es besser könnten. Wir sind alle im gleichen Boot.“

Gerade letztere Aussage versetzte jedoch einige Journalisten in Unruhe. Das bekannte „Wall Street Journal“ beteiligte sich nicht an der Aktion. In einer Kolumne von James Freeman wies die Zeitung vielmehr darauf hin, dass die Absichten des „Boston Globe“ ebenjener Unabhängigkeit zuwiderliefen, die die Chefredaktionen zu wahren behaupteten. Trump habe genauso das Recht auf freie Meinungsäußerung wie seine Gegner in den Medien, schrieb Freeman weiter.

Auch die „Baltimore Sun“ zeigte sich kritisch. „Auch wenn wir darin übereinstimmen, dass die Bezeichnung von Journalisten als „Feinde des amerikanischen Volkes“ und des Journalismus' als „Fake News“ nicht nur unserer Branche schadet, sondern auch zerstörerisch für unsere Demokratie ist, nährt eine koordinierte Reaktion unabhängiger – oder etwas gewagt formuliert „Mainstream“-Nachrichtenorganisationen – einen Narrativ, dass wir uns irgendwie gegen diesen republikanischen Präsidenten verbündet haben.“

Zugleich unterstützte die „Sun“ die Aktion und erinnerte dabei an die jüngsten Morde an fünf Angestellten des im nahen Annapolis ansässigen Blatts „Capital Gazette“ durch einen bewaffneten Angreifer.

Auch die Radio Television Digital News Association, ein Verband, der 1200 Sendeanstalten und Webseiten vertritt, warnte seine Mitglieder vor einer Kampagne gegen den Präsidenten. Sie sollten vor allem darauf hinweisen, dass Journalisten Freunde und Nachbarn seien, die mit ihrer wichtigen Arbeit die Regierung zur Rechenschaft zögen.

„Ich will sichergehen, dass das positiv bleibt“, sagte Dan Shelley, der Exekutivdirektor des Verbands. „Wir schießen uns ins eigene Bein, wenn wir daraus Attacken gegen den Präsidenten oder dessen Anhänger machen.“

Bleibt die Frage, welche Wirkung die Medieninitiative entfalten wird. Redaktionsleitungen der meisten Zeitungen in den USA hatten sich 2016 gegen eine Wahl Trumps positioniert. Schon seit einigen Jahren zeigen Umfragen, dass Anhänger der Republikaner Nachrichtenmedien immer skeptischer sehen: Laut dem Pew Research Center fanden 85 Prozent der Unterstützer der Partei und der ihr zuneigenden unabhängigen Wähler im Juni 2017, dass die Presse einen negativen Effekt auf das Land habe. 2010 waren es noch 68 Prozent.

  • ap
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1 Kommentar zu "„Fake News“: „Wir sind nicht die Feinde des Volkes“ – US-Zeitungen wehren sich gemeinsam gegen Trump"

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  • #FREEPRESS - einfach nur lachhaft! Wenn man wirklich einmal Faschismus-Vergleiche ziehen möchte, so ist ein Merkmal des Faschismus die Gleichschaltung der Presse - und genau das sehen wir (sowohl in US als auch hier in Deutschland): nämlich eine gleichgeschaltete Anti-Trump-Presse! Wenn es also eine faschistische Gefahr gibt, dann kommt sie von links - wie ja auch die Geschwister-Feindlichkeiten nicht darüber hinwegtäuschen dürfen, dass Faschismus selber als Bruder-Ideologie zu Sozialismus, Bolschewismus, Kommunismus etc. eine LINKE Ideologie ist! Und wenn dann hier'rumgejammert wird, "Fake-News"-Vertreter würden auf Trump-Rallies ausgebuht und angefeindet - ja, was passiert denn wohl mit Fox-News-Vertretern auf linken Veranstaltungen!!?

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