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Fall Relotius Verlegerpräsident hält Spiegel-Fälschungsskandal für „schlimmer als die Hitler-Tagebücher“

Der Fälschungsskandal um Claas Relotius habe angesichts seiner Tragweite zu wenig Platz in den Nachrichten gefunden, findet Mathias Döpfner.
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Der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger hält den Fälschungsskandal um Reporter Claas Relotius für tiefergreifend als die Tagebuch-Affäre des „Stern“ in den 80er Jahren. Quelle: dpa
Mathias Döpfner

Der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger hält den Fälschungsskandal um Reporter Claas Relotius für tiefergreifend als die Tagebuch-Affäre des „Stern“ in den 80er Jahren.

(Foto: dpa)

Berlin Der Fälschungsskandal beim „Spiegel“ um den früheren Reporter Claas Relotius wird nach Ansicht des Verlegerpräsidenten Mathias Döpfner nur zögerlich von den Medien aufgearbeitet. Die Beschäftigung mit dem Thema sei „erstaunlich zurückhaltend“, sagte der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) der Deutschen Presse-Agentur.

Offensichtlich wirke das Argument, dass Relotius auch in anderen Publikationen veröffentlicht habe, wie „eine Beißhemmung“. Dabei betreffe der Fall nicht nur das Hamburger Nachrichtenmagazin. „Das Problem, dass einstweilen aus dem ‚Sturmgeschütz der Demokratie‘ ein ‚Luftgewehr der Fantasie‘ geworden ist, das muss der ‚Spiegel‘ lösen“, fand Döpfner, der auch Springer-Vorstandschef ist.

Dafür habe das Blatt gute Chancen mit seinem neuen, unbelasteten Chefredakteur. Doch eine ähnliche Einstellung wie beim „Spiegel“ herrsche in vielen anderen Redaktionen und Jurys für Reporterpreise. „Haltung ist oft wichtiger als Handwerk, Weltanschauung wichtiger als Anschauung“.

Der Skandal sei bisher im Wesentlichen auf den Medienseiten und in den Feuilletons abgehandelt worden. Dies sei erstaunlich, wenn man den Fall mit den gefälschten Hitler-Tagebüchern des „Stern“ in den 80er Jahren vergleiche. „Dieser Fall ist ja wesentlich schlimmer als die Hitler-Tagebücher.“ Der Vorgang beim „Spiegel“ sei viel tiefergehend.

„Hier ist ein Klima geschaffen worden, in dem Relotius über einen langen Zeitraum mehr als fünfzig Texte im Heft und auf „Spiegel“-Online, darunter zum Teil fast komplett erfundene Geschichten, veröffentlichen konnte. Kontrollmechanismen haben wiederholt versagt“, sagte Döpfner.

Die gefälschten Tagebücher hätten damals wochenlang die Nachrichten bestimmt. Bei den gefälschten Relotius-Artikeln habe es schon nach ein paar Tagen nur noch kleine Meldungen gegeben. „Es wäre gut für die Branche, etwas mehr Unabhängigkeit und Selbstkritik zu beweisen“, sagte Döpfner.

  • dpa
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