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Film- und Seriengeschäft Streamingdienste boomen: So bereitet sich Netflix auf die neue Apple-Konkurrenz vor

Für Filmproduzenten läuft es – nicht im Kino, sondern beim Streaming. Die Konkurrenz der Dienste wächst mit Apples neuem Angebot weiter. Netflix ergreift bereits Maßnahmen.
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So bereitet sich Netflix auf die neue Apple-Konkurrenz vor Quelle: AFP
Streamingdienst Netflix

Der Streamingdienst bekommt durch Apple jetzt einen weiteren Konkurrenten.

(Foto: AFP)

Wien Es ist kein Zufall, dass sich Kai Finke von Amsterdam auf den langen Weg in das Südtiroler Dorf Schenna macht. Denn der Manager des US-Streamingdienstes Netflix, der vor fünf Jahren in Deutschland, Österreich und der Schweiz gestartet ist, braucht dringend Inhalte für seine weltweit mehr als 140 Millionen Abonnenten. In dem Touristenort versammeln sich bei der Filmkonferenz Incontri rund 80 Produzenten aus Deutschland, Österreich und Italien auf Einladung der Südtiroler Filmförderung IDM.

Das ist die ideale Zielgruppe für Kai Finke, der in der Europazentrale von Netflix den Einkauf und die Koproduktionen verantwortet. „Wir suchen nach einzigartigen Geschichten“, sagte der gebürtige Sylter. „Ein origineller Film für Netflix muss anders sein als die bisherige Produktion. Ich suche nach Inhalten, deren Themen noch nicht im Kinomarkt kursieren“, fordert er seine internationalen Geschäftspartner auf.

Die Produzenten hören ihm konzentriert zu. Sie wissen: Die Taschen bei Netflix sind voller Geld für neue Projekte – vom Spielfilm bis zur Serie.

Bereits für 8.000 europäische Kinofilme hat Netflix die Rechte erworben. Der Hunger nach Inhalten in Europa ist unstillbar. „Für Filmschaffende ist es eine spannende Zeit, denn mehr denn je können sie heute mit lokalen Inhalten ein weltweites Publikum erreichen. Selbst außergewöhnliche Ideen und Genre-Stoffe sind interessant für uns“, sagt Finke.

Einer dieser Nutznießer des großen Appetits auf Inhalte ist der italienische Produzent Andrea Occhipinti mit seiner traditionsreichen Firma Lucky Red, die Filme von berühmten Regisseuren wie Michael Haneke, Lars von Trier, Stephen Frears oder Steven Soderbergh produziert und vertreibt.

Occhipint hatte zuletzt den von Netflix produzierten Film „Sulla Mia Pelle“ („On my hands“) auf den Filmfestspielen von Venedig präsentiert und damit viel Unmut ausgelöst. Denn der Film war nur eingeschränkt in den Kinos zu sehen, aber für die Abonnenten des im kalifornischen Los Gatos beheimateten Medienriesen verfügbar. Das gefährdet das Geschäftsmodell der Kinobetreiber.

Occhipinti trat schließlich als Präsident des italienischen Filmverleiherverbands Anica zurück. Wie viele seiner Kollegen hat der Unternehmer hat längst die Streamingdienste als neuen Gewinnbringer ausgemacht. „Für mich als Filmeproduzent in Italien ist es großartig, mit Netflix ein Publikum in mehr als 100 Ländern zu erreichen“, sagt Produzent aus Rom. „Diese Möglichkeit will ich nicht auslassen.“ Noch immer würden zu viele Kinofilme produziert, die kaum ein Publikum erreichen.

Die Streamingplattformen Netflix und Amazon Prime, Tochter des wertvollsten Unternehmens der Welt, werden unterdessen nicht unter sich bleiben. Am 25. März wird Apple eine mit Spannung erwartete Videoplattform vorstellen. Noch in diesem Jahr wollen Disney und Warner Media, Tochter des Telekomriesen AT&T, mit eigenen Angeboten starten.

„Es gab noch nie bessere Zeiten für Produzenten und Kreative“, sagt Netflix-Manager Finke. „Der Wettbewerb wird zu noch mehr zielgerichteten Programmen auf allen Plattformen führen.“ Er weiß, der Wettbewerb um die besten Serien und Filme wird in Zukunft noch härter.

Netflix baut bereits vor und hortet Inhalte. Unermüdlich werben die Manager um die besten Kreativen der Filmbranche. „Wenn es ein gutes Drehbuch gibt, würde ich auch einen Zombiefilm finanzieren, der in Bozen spielt“, ruft Finke den Produzenten in dem Südtiroler Ferienresort zu.

„Für junge Filmemacher, Drehbuchautoren und Schauspieler sind wir eine einzigartige Chance, mit ihren Filmen nicht nur den lokalen Markt, sondern den internationalen zu bedienen“, trommelt der Manager, der früher für die ehemalige ARD-Tochter Telepool in München Filme und Fernsehserien einkaufte. Heute verantwortet Finke bei Netflix Filmeinkauf und Koproduktionen in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Deutsche, englische und französische Produktionen seien durch Netflix beispielsweise in Asien sehr viel präsenter als in früheren Zeiten, lobt er den eigenen Konzern. „Wir haben gelernt, dass nicht nur TV-Serien, sondern auch Filme rund um die Welt reisen können“, sagte Finke. „Wir sind weltweit mit den Talenten vernetzt.“

Die Produzenten hören das gerne. „Die Filmproduktion in Europa ist für uns eine hoch willkommene Ergänzung“, legt Finke nach. „Wir werden eine Menge von TV-Serien und Filmen lizenzieren.“

In Deutschland hat Netflix zuletzt die Hochglanz-Serie „Das Parfüm“ erworben, die von Constantin-Manager Oliver Berben produziert wird. Sie ist inspiriert vom gleichnamigen Bestseller von Patrick Süskind. Die Serie wird zuerst auf ZDF Neo zu sehen sein und dann bei Netflix. „Mit dem ZDF haben wir einen sehr guten Partner gefunden“, sagt Finke. „Aber natürlich braucht es auch diplomatisches Geschick, um Partner zu finden.“

Koalitionen geht Netflix mit jedem Marktteilnehmer ein, wenn es dem Unternehmen nützt. Der Hunger nach Inhalten ist gewaltig. „Wir werden keine einzelnen Genres ausschließen“, sagt Finke.

Talente sind weltweit ausgebucht

Auch mit dem deutschen Marktführer Ufa ist Netflix im Geschäft. Die Amerikaner haben drei Filme, darunter die Hochstapler-Film „Betongold“, bei der Bertelsmann-Tochter in Auftrag gegeben. Bereits im vergangenen Jahr hatte Netflix in Italien drei Filme produziert. Wie viel Geld Netflix im deutschsprachigen Raum ausgeben will, wollte der Netflix-Manager auf Anfrage nicht sagen.

Die Produktionen bewegen sich nach seiner Darstellung in einem Budget von zwei bis fünf Millionen Euro. „Wenn es ein ehrgeiziges Projekt gibt, werden wir auch über diesen Budgetrahmen hinausgehen“, sagt Finke. Doch das Kostenbewusstsein der Amerikaner sollte niemand unterschätzen. „Netflix ist nicht der Sugardaddy“, sagt Heinrich Ambrosch, CEO und Gründer der österreichischen Firma Satel Film („Soko Wien“).

Bei den Produzenten rennt der US-Streamingdienst offene Türen ein. Denn Netflix hat in der Branche mittlerweile einen guten Ruf. Ambrosch produziert für Netflix derzeit die achtteilige Thriller-Serie „Freud“, die vom ORF koproduziert wird.

Der Wiener Film- und Fernsehmacher lobt die Zusammenarbeit mit Netflix, „Netflix mischt sich nicht ein“, sagt er anerkennend. Das geringe Einmischen in die Produktion liegt offenbar an der international geringen Größe des Projekts „Freud“. Bei teuren Produktionen legt Netflix andere Maßstäbe an, wie Brancheninsider berichten.

Die Stimmung in der Branche ist angesichts voller Auftragsbücher großartig. „Wir befinden uns in einem Goldenen Zeitalter für Produzenten und Vertrieb. Wir lieben jede neue Plattform, die auf den Markt kommt“, sagt Dirk Schürhoff, geschäftsführender Partner der Beta Cinema (Babylon Berlin“, „3 Tage in Quiberon“) in München. „Nicht nur in Deutschland, sondern auch in Frankreich, Italien oder Spanien gibt es so viele Möglichkeiten, Filme und Serien zu drehen.“

„Es gab noch nie so viele Möglichkeiten für Inhalteproduzenten wie heutzutage, weil der Bedarf der Plattformen von Sky bis Netflix so groß ist. Die Qualität wächst dadurch“, sagt auch der italienische Produzent und Verleiher Occhipinti.

Netflix will Synchronisation und Untertitelung ausbauen

Hinter vorgehaltener Hand klagt bereits mancher Branchenteilnehmer über Schwierigkeiten, Techniker, Regisseure und Schauspieler zu finden. „Die Talente sind ausgebucht“, sagt ein Filmmanager. Daran wird sich künftig nur wenig ändern.

Seit 2016 hat Netflix weltweit expandiert und drückt weiter auf das Tempo. „Unser Wachstum kommt von außerhalb der USA. Wir synchronisieren bereits in zehn Sprachen, untertiteln in fast 30 Sprachen. Wir werden das Sprachenangebot noch ausbauen“, kündigte Finke an.

Netflix hat in den vergangenen drei Jahren immer mehr Manager aus den verschiedenen Märkten in Europa unter Vertrag genommen. Finke ist einer davon. Derzeit beschäftigt das börsennotierte Unternehmen 300 Beschäftigte in der Europa-Zentrale Amsterdam sowie in Paris, London und Madrid. Der Medienkonzern will weiter in Europa wachsen – mit noch mehr Inhalten vom alten Kontinent.

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