Filmmarkt Vivendi übernimmt Kinowelt

Der französische Konzern Vivendi wird mit dem Kauf der deutschen Kinowelt zu einer der führenden unabhängigen Filmfirmen weltweit. Das Unternehmen möchte mit dem Zukauf den schwelenden Autorenstreit in Hollywood nutzen und die US-Medien-Konzerne wie Time Warner oder Viacom angreifen.
  • Holger Alich und Hans-Peter Siebenhaar

PARIS/DÜSSELDORF. Der französische Mischkonzern Vivendi übernimmt die deutsche Filmfirma Kinowelt. Das teilten Vivendis Filmtochter Studio Canal und Kinowelt mit. Der Kaufpreis liegt nach Angaben von Beteiligten bei rund 70 Mill. Euro. "Mit dem Zukauf sind wir mit einer 100-prozentigen Tochter im drittgrößten europäischen Film-Markt präsent", sagte Olivier Courson, Chef von Studio Canal, dem Handelsblatt. Zum Kaufpreis machte er keine Angaben. Derzeit sind die Franzosen außer auf ihrem Heimatmarkt in den Benelux-Ländern und Großbritannien stark.

Kinowelt-Gründer Michael Kölmel besitzt eine der größten Filmbibliotheken in Deutschland. Zuletzt hatte er einen Teil aus der legendären Bibliothek des Filmhändlers Leo Kirch gekauft. Der Rechtekatalog umfasst rund 7 000 Filme. Darunter sind Werke von Regisseuren wie Werner Herzog, Volker Schlöndorff und Rainer Werner Fassbinder. 2006 erzielte die Kinowelt-Gruppe Erlöse von 106 Mill. Euro. Der Bilanzgewinn lag bei knapp zehn Mill. Euro. "Dank Kinowelt steigt der Umsatz von Studio Canal nun auf 500 Mill. Euro. Wir streben eine Ebit-Marge von zwölf Prozent an", sagte Courson.

Durch den Zukauf steigt Studio Canal, die 100-prozentige Tochter der Vivendi -Fernsehsparte Canal Plus, zu einer der führenden unabhängigen Filmfirmen weltweit auf. Damit wollen die Franzosen vor allem gegen die mächtige Konkurrenz aus Hollywood punkten. Die großen Studios der US-Konzerne wie Time Warner, News Corp. und Viacom leiden derzeit unter einem Streik der Autoren. Ohne neue Drehbücher droht die Produktion von Kinofilmen ins Stocken zu geraten. Ein starker europäischer Wettbewerber wie Vivendi kommt daher für Hollywood zu einer ungünstigen Zeit.

Die Franzosen wollen nun via Kinowelt ihren Filmkatalog von 5 000 Titeln in Deutschland vermarkten und Kinowelt bei der Produktion neuer Filme helfen. "Insgesamt wollen wir in Frankreich, England und Deutschland 200 Mill. Euro pro Jahr in neue Filme investieren", sagt Courson. Modell für den Kinowelt-Kauf sei die erfolgreiche Übernahme der britischen Filmgesellschaft Optimum im Sommer 2006. "Optimum hat unsere Filmbibliothek in England mit Erfolg vermarkten können. Unter anderem hat sich dadurch der Betriebsgewinn von Optimum in drei Jahren verfünffacht", berichtet der Studio-Canal-Chef.

Die Franzosen kennen Kinowelt seit langem. Denn die Deutschen haben Filme des französischen Bezahlsenders Canal Plus vertrieben und ausgewertet. "Studio Canal passt am besten zu uns, obwohl wir drei weitere Angebote hatten", sagte Kölmel dem Handelsblatt. Bereits zu Beginn der Verhandlungen sei klar gewesen, dass die beiden Unternehmensgründer Michael und Rainer Kölmel weiter Kinowelt führen werden. Die Brüder verfügen über exzellente Kontakte in der Film- und TV-Branche. Gerade das persönliche Netz des Managements entscheidet in der Filmbranche über Aufstieg und Fall eines Unternehmens.

Die Branche ist derzeit europaweit in Bewegung. So kaufte sich der britische Fernsehproduzent All 3 Media im Frühjahr 2007 für 78 Mill. Euro bei der Berliner Filmfirma MME Moviement ein.

Studio Canal kauft aber nicht den Bezahlkanal, den Kinowelt auf der Plattform von Premiere betreibt. Nachdem Vivendi wegen der hohen Bewertung Abstand von einer Übernahme von Premiere genommen hatte, bleiben die Franzosen damit weiter dem deutschen Pay-TV-Markt fern. Erst kürzlich ist der Medienunternehmer Rupert Murdoch über seine News Corp. bei Premiere als Großaktionär eingestiegen. Er erwarb für 287 Mill. Euro ein Aktienpaket von 15 Prozent an Premiere.

Kölmel wird in Deutschland als konzernunabhängiger Medienunternehmer aktiv bleiben. Er behält Zweitausendeins, Buchladenkette und Versandhändler in einem, und die Filmproduktion. Auch die Mehrheitsbeteiligung am börsennotierten Filmrechtehändler Intertainment gibt der Kölmel nicht an die Franzosen ab.

Startseite
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%