Finanzierungsrunde fürs Start-up LeanIX Die digitalen Kartografen ziehen westwärts

Viele Firmen arbeiten mit veralteter und undurchsichtiger Technologie und kommen deswegen mit der Digitalisierung nicht voran. Das Start-up LeanIX will helfen – und erhält nun frisches Geld für die Expansion in die USA.
Kommentieren
Viele Unternehmen wissen nicht genau, welche Systeme bei ihnen laufen. Quelle: dpa
Kabelchaos im Rechenzentrum

Viele Unternehmen wissen nicht genau, welche Systeme bei ihnen laufen.

(Foto: dpa)

DüsseldorfFür eine Reise in die Vergangenheit müssen IT-Spezialisten vieler Banken nur in den Keller gehen: Dort stehen zahlreiche Großrechner, die nur Cobol verstehen. Diese Programmiersprache entstand bereits Ende der 1950er-Jahre, als Computer noch ganze Räume füllten und Programmierer ihre Anwendungen oft noch mit Lochkarten einspielten. Bis heute laufen die Geräte stabil – weshalb sie niemand anrührt. „Never change a running system“, lautet die Devise.

Seit der Einführung der Großrechner ist es für die Unternehmen nicht einfacher geworden. Im Gegenteil, die Technik ist über Jahre und Jahrzehnte gewuchert, häufig ohne dass jemand einen Rückschnitt gewagt hätte. Dabei ist eine moderne IT wichtiger denn je: Nur so können Firmen schnell eine neue App fürs Onlineshopping entwickeln, Kundendaten analysieren oder eine Fabrik vernetzen. Und nur so können sie sich gegen Cyberangriffe wehren und ihre Daten schützen.

Für das deutsche Start-up LeanIX ist das Chaos eine Chance. Es hat eine Software entwickelt, die IT-Systeme weitgehend automatisch vermisst. Bei einigen deutschen Konzernen kommt sie bereits zum Einsatz, nun will die Firma im Ausland vermehrt Kunden gewinnen: Es hat eine Finanzierungsrunde über 7,5 Millionen Dollar abgeschlossen, die der Expansion dienen soll. „Der primäre Zweck ist der Aufbau einer Organisation in den USA“, sagte Mitgründer André Christ dem Handelsblatt.

Jörg Beyer (l.) und André Christ wollen das Geld aus der Finanzierungsrunde für die Expansion in die USA nutzen.
LeanIX-Gründer

Jörg Beyer (l.) und André Christ wollen das Geld aus der Finanzierungsrunde für die Expansion in die USA nutzen.

Das Kapital stammt von DTCP (Deutsche Telekom Capital Partners), die bisherigen Investoren Capnamic Ventures und Iris Capital beteiligen sich. Zur Bewertung der Anteile äußerten sich die Beteiligten nicht, es soll sich aber um eine Minderheitsbeteiligung handeln.

Das LeanIX-System soll die Bestandsaufnahme der IT erleichtern – bislang ist das häufig eine aufwendige Aufgabe. Die Software analysiert beispielsweise, welche Systeme im Einsatz sind und welche Versionen laufen. Das funktioniere einfach und intuitiv, werben die Macher. Experten bezeichnen diese Disziplin als Enterprise Architecture Management (EAM). Man könnte auch sagen: Die LeanIX-Macher sind die Kartografen des digitalen Zeitalters. Angesichts der Digitalisierung ist das ein lukratives Geschäft: Das Unternehmen schätzt den Markt auf rund zwei Milliarden Euro.

Das Konzept scheint aufzugehen: Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben 80 Kunden, darunter Adidas, Merck, Vodafone und Zalando, zudem DHL – dort arbeiteten Christ und sein Mitgründer Jörg Beyer zuvor und stellten als IT-Berater fest, wie anstrengend die Bestandsaufnahme der IT-Systeme ist. Konkrete Geschäftszahlen legt das Start-up nicht offen, 2016 lag der Umsatz aber im einstelligen Millionenbereich, 2017 soll er sich verdoppeln.

Das sind die wertvollsten Start-ups der Welt
Platz 17: Spotify
1 von 17

Eines der wertvollsten Start-ups der Welt wird in diesem Jahr wohl die Rangliste verlassen. Der Musikstreaming-Dienst Spotify setzt laut Medienberichten zu seinem seit langem erwarteten Börsengang an. Derzeit wird das Unternehmen aus Schweden mit 8,5 Milliarden Dollar bewertet, ein Börsengang könnte die Bewertung auf bis zu 20 Milliarden steigern. Der Dienst kommt nach eigenen Angaben auf mehr als 60 Millionen zahlende Abo-Kunden und mehr als 140 Millionen Nutzer insgesamt.

Quelle: WSJ Billion Dollar Club, Januar 2017

Platz 16. Theranos
2 von 17

Mit nur 19 Jahren gründete Elizabeth Holmes (Bild) im Jahr 2003 die Firma Theranos. Mit einem kleinen Piekser in den Finger sollten innovative Technologien zuverlässige günstige Bluttests liefern. Doch dann wurden immer mehr Probleme mit den Bluttests bekannt. Ergebnisse wurden angezweifelt und letztlich als fehlerhaft zurückgezogen. 2017 konnte Theranos die folgenden Rechtstreite aber beilegen. Die letzte Finanzierungsrunde, die vor dem Skandal stattfand, bewertete das Unternehmen mit 9 Milliarden Dollar.

Platz 15: Stripe
3 von 17

Die irischen Brüder Patrick (links) und John Collison gründeten 2009 das Start-up Stripe. Die Software-Plattform will Online-Zahlungsabwicklungen erleichtern und verarbeitet jährlich für Unternehmen in 25 Ländern Beträge in Milliardenhöhe. Selbst ist das Jungunternehmen 9,2 Milliarden Dollar wert.

Platz 14: DJI
4 von 17

Frank Wang hat seinen Kindheitstraum wahr gemacht und sogar noch weiterentwickelt: Als er noch klein war, träumte er von einem Modell-Helikopter - als er einen besaß, crashte er ihn schnell. Doch er hielt an seinem Traum fest und gründete 2006 DJI, ein mittlerweile 10 Milliarden Dollar schweres Unternehmen, das Drohnen herstellt und verkauft. Mehr als 6000 Mitarbeiter arbeiten weltweit für die Chinesen.

Platz 13: Dropbox
5 von 17

Wer hat noch keine Dateien per Dropbox verschickt? Das Start-up bietet eine Freigabe- und Speicherlösung von kleinen und großen Dateien. Drew Houston schrieb 2007 den ersten Softwarecode für Dropbox während einer Busfahrt von Boston nach New York. Mittlerweile nutzen über eine halbe Milliarde Menschen weltweit Dropbox. Das Unternehmen ist derzeit 10 Milliarden Dollar wert. Experten erwarten, dass bald ein Börsengang angekündigt wird.

Platz 12: Lyft
6 von 17

Der 2012 gegründete Fahrdienst-Vermittler ist der größte Konkurrent von Platzhirsch Uber. Das Start-up ist in rund 300 US-Städten aktiv. Im Oktober 2017 steckte Google eine Milliarde Dollar in das Unternehmen. Damit stieg die Bewertung von Lyft auf 11,5 Milliarden Dollar. Ein Börsengang wird in diesem Jahr erwartet.

Platz 11: Flipkart
7 von 17

Der virtuelle Marktplatz Flipkart ist das indische Pendant zu Amazon. Binny Bansal (rechts, mit Microsoft-Chef Satya Nadella) und Sachin Bansal arbeiteten vor der Gründung für den heutigen Konkurrenten Amazon, wollten dann aber eine E-Commerce-Webseite für Inder gründen. Indische Unternehmen investierten bereits drei Milliarden Dollar in das Start-up, das mittlerweile 11,6 Milliarden Dollar wert ist.

Dazu könnte nicht zuletzt die Expansion in die USA beitragen. Bereits jetzt gibt es ein Büro in Boston, in dem vier Mitarbeiter arbeiten, bis Jahresende sollen es acht sein, zudem sollen weitere Dependancen im mittleren Westen und an der Westküste entstehen. „Der Einstieg in den US-Markt ist kapitalintensiv“, weiß Christ, schon wegen der hohen Gehälter für gute Verkäufer. Das zusätzliche Kapital soll helfen: „Wir wollen die Kraft haben, eine hinreichend große Organisation aufzubauen.“ DTCP soll dabei helfen – nicht nur mit Geld, sondern auch mit Kontakten in die Szene.

Zudem will LeanIX das Kapital nutzen, um das Produkt weiterzuentwickeln. Ein Schwerpunkt sind sogenannte Microservices: Kleine Anwendungen, die Unternehmen in ihre Systeme einbinden. Etwa indem sie einen Bezahldienst einer Bank in ihrem Onlineshop nutzen oder über einen Cloud-Anbieter SMS oder Nachrichten an Kunden verschicken. Die Amazon-Sparte AWS bietet mehr als 400 solcher Funktionen an.

Dieser Ansatz erlaubt es, Entwicklungsprojekte in kleine Komponenten zu unterteilen und so deutlich schneller abzuwickeln. Daher wächst die Nutzung: Eine – nicht repräsentative – Studie unter 100 Unternehmen im Auftrag von LeanIX zeigt, dass 70 Prozent von ihnen in diesem Jahr häufiger solche Dienste verwenden werden. „Wir wollen unser Produkt dahin weiterentwickeln, dass die Nutzung von Microservices einfach möglich ist“, sagt Christ.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Finanzierungsrunde fürs Start-up LeanIX - Die digitalen Kartografen ziehen westwärts

0 Kommentare zu "Finanzierungsrunde fürs Start-up LeanIX: Die digitalen Kartografen ziehen westwärts"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%