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Finanzierungsrunde US-Messengerdienst Slack ist nun mehr als sieben Milliarden Dollar wert

Der US-Messengerdienst hat 427 Millionen Dollar eingesammelt. Dabei hat Slack nicht einmal das Kapital aus den vorherigen Finanzierungsrunden ausgegeben.
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Slack ist bei Firmen eines der attraktivsten Kommunikationstools. Quelle: Reuters
Milliardengeschäft mit Nachrichten

Slack ist bei Firmen eines der attraktivsten Kommunikationstools.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf Es ist die größte Finanzierungsrunde der Firmengeschichte: Der US-Messengerdienst Slack hat 427 Millionen Dollar eingesammelt. Damit steigt die Bewertung des Unternehmens aus Kalifornien auf 7,1 Milliarden Dollar. Das teilte Slack in einem Blog-Post mit. Das Handelsblatt konnte den Entwurf des Schreibens vor Veröffentlichung einsehen.

Angeführt wird das Investment durch den kalifornischen Investor Dragoneer und dem New Yorker Private-Equity-Haus General Atlantic. Beide haben etwa in den Fahrdienstleister Uber und die Unterkunftsplattform Airbnb investiert.

Slack funktioniert so ähnlich wie WhatsApp – wird allerdings vor allem geschäftlich genutzt: Mitarbeiter können in offenen und geschlossenen Kanälen miteinander kommunizieren und das komplette Archiv aus Nachrichten und Dateien durchsuchen. Das Programm verspricht die Kommunikation im Unternehmen zu entschlacken und die Belegschaft in Projektarbeiten besser einzubinden.

Die neuerliche Finanzierungsrunde zeigt die Bedeutung und das Potenzial der Team-Messenger. Schon die Hälfte der Kommunikation in Unternehmen läuft über solche Tools, schätzt das Marktforschungsunternehmen Gartner.

Die 427 Millionen Dollar unterstreichen zudem die Position des Marktführers Slack. Das Unternehmen wächst rasant: Acht Millionen Kunden weltweit sollen das Tool nach Firmenangaben jeden Tag nutzen, darunter auch 60 Prozent der Dax-Konzerne. 2014 waren es nur eine halbe Million Nutzer. „Wir haben die neue Finanzierungsrunde angestrebt, damit wir noch mehr Ressourcen und eine größere Flexibilität haben, um unsere Kunden besser bedienen und unser Business weiter entwickeln zu können“, teilt Slack über das Firmenblog mit.
Interessant: Die Kalifornier haben Geld eingesammelt, obwohl Slack nach der letzten Finanzierungsrunde noch das komplette Kapital aus den beiden vorherigen Runden zur Verfügung hat, wie CEO Stewart Butterfield im Interview mit dem Handelsblatt sagte. „Wir sind kein besonders kapitalintensives Unternehmen“, sagt er.

Zuletzt sammelte Slack im Herbst des vergangenen Jahres eine Viertelmilliarde Dollar ein. Damals wurde die Finanzierungsrunde vom japanischen Telekommunikationsunternehmen Softbank angeführt. Insgesamt haben die Geldgeber in den vergangenen Jahren 841 Millionen Dollar in Slack investiert.

Die jüngste Finanzierungsrunde dürfte helfen, die Konkurrenz auf Distanz zu halten. Neben dem hochbewerteten Start-up werben etliche Konzerne um Kundschaft: Google hat in seinem Paket für Geschäftskunden das Programm Hangouts für den schnellen Informationsaustausch integriert. IBM, Cisco und Facebook bieten mit ihren Diensten Connections, Spark und Workplace ebenfalls Kommunikationsdienste für Firmen an.

Zuletzt mischte Microsoft den Markt auf: 2017 hat der Konzern mit seinem Programm Teams eine Slack-Alternative veröffentlicht. Seit kurzem ist Teams auch in einer kostenfreien Variante erhältlich, die Nutzern eingeschränkte Funktionen bietet. Dieses Angebot ist gerade für kleine und mittelständische Unternehmen interessant. Noch kommunizieren aber nur 200.000 Firmen mit Teams.

Gegenüber dem Handelsblatt zeigte sich CEO Butterfield unbeeindruckt von der Microsoft-Alternative: „Es ist bislang kein wirklich einsatzfähiges Produkt, Microsoft ist momentan zwei Jahre hinterher – selbst bei Basisfunktionen.“ Es sei sogar gut, dass Microsoft verstärkt in den Markt vordringe – das zeige, wie wichtig Programme für kollaboratives Arbeiten seien. „Wir sollten trotzdem genau darauf achten, was Microsoft macht“, so Butterfield.

Viel Potenzial, aber rote Zahlen

„Slack ist eine außergewöhnliche Firma, die den Weg, wie Leute zusammenarbeiten, revolutioniert“, wird Marc Stad, Gründer und Managing Partner des Investors Dragoneer, in Slacks Blog-Post zitiert. Um weiteres Geld für diese Revolution einzusammeln, denkt das Unternehmen aus San Francisco vorerst aber nicht über einen Börsengang nach. „In einer Liste von 100 Dingen, die für unsere Kunden und den weiteren Erfolg von Slack wichtig sind, steht ein Börsengang nicht unter den ersten 20“, sagte Butterfield dem Handelsblatt.

Der Kanadier war 2003 Co-Gründer des Fotoportals Flickr. Zwei Jahre später verkaufte er es an Yahoo. Laut US-Medienberichten sollen Microsoft und Amazon in der Vergangenheit bis zu neun Milliarden Dollar für Slack geboten haben. Verkaufen will Butterfield aber nicht: „Wenn es für Microsoft und Amazon Sinn macht, uns zu kaufen, macht es für uns Sinn unabhängig zu bleiben. Unser Geschäftsmodell hat so viel Potenzial wie kaum ein anderes.“

Trotz des Potenzials: Schwarze Zahlen schreibt Slack bislang noch nicht. Es werde auch noch eine Weile dauern, bis die Firma buchhalterisch betrachtet profitabel ist, so Butterfield.

Kritiker bemängeln, dass Slack die Daten seiner Kunden auch auf US-Servern speichert. Verglichen mit dem europäischen Datenschutz ist die US-Rechtslage lax. Unternehmer sind besorgt, dass ihre Geschäftsgeheimnisse auf amerikanischen Servern ausspioniert werden.

Butterfield kann diese Angst nachvollziehen, glaubt aber nicht, „dass sich die Sicherheitslage verändern wird, wenn wir Daten auf Servern in der EU abspeichern.“ Butterfield kündigte an, eine Speicherung auf EU-Servern anbieten zu wollen, allerdings ohne einen konkreten Zeitplan zu nennen.

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