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FLA-Untersuchung Unter welchen Bedingungen Chinesen bei Foxconn arbeiten

Arbeiten bis zum Umfallen, unfaire Tricks bei der Bezahlung, zahlreiche Unfälle: Eine Untersuchung unter Zehntausenden Arbeitern des größten Elektroniklieferanten Foxconn liefert erschreckende Ergebnisse.
2 Kommentare
Arbeiterinnen in einem Foxconn-Werk. Quelle: Reuters

Arbeiterinnen in einem Foxconn-Werk.

(Foto: Reuters)

New York/Washington Nach Kritik an den schlechten Arbeitsbedingungen bei Zulieferfirmen von Apple in China hat eine unabhängige Untersuchung die Probleme bestätigt. Experten der Fair Labor Association (FLA) berichteten am Donnerstag, Arbeiter in Foxconn-Werken klagten über zu lange Arbeitszeiten, Gesundheits- und Sicherheitsgefahren sowie schlechten Informationsfluss.

Die FLA-Experten begannen ihre Inspektionen Mitte Februar bei Foxconn in Shenzen, wo 2010 mehrere Arbeiter Selbstmord begangen hatten. In einer fast vierwöchigen Untersuchung in insgesamt drei Foxconn-Fabriken befragten sie über 35.000 Arbeiter. In allen drei sei die FLA-Obergrenze von 60 Arbeitsstunden pro Woche überschritten worden, ebenso wie die in China maximal erlaubte 40-stündige Arbeitswoche plus bis zu 36 Überstunden im Monat.

Mehr noch: In heißen Produktionsphasen habe sogar die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit pro Kopf über 60 Stunden gelegen. In den untersuchten Fabriken müssten manche Arbeiter sogar mehr als sieben Tage am Stück arbeiten, ohne ihren garantierten freien Tag pro Woche zu bekommen.

Foxconn habe zugesagt, die Arbeitszeiten bis Juli 2013 auf die gesetzlichen Vorgaben zu bringen. Ein Problem ist allerdings, dass viele Foxconn-Beschäftigte selber länger arbeiten wollen, um mehr Geld zu verdienen. Foxconn versprach deswegen laut FLA, die entgangenen Arbeitsstunden auszugleichen. Zudem sollen erheblich mehr Mitarbeiter eingestellt werden, es würden zusätzliche Wohn- und Kantinenkapazitäten aufgebaut.

„Apple und Foxconn haben sich mit unseren Empfehlungen einverstanden erklärt. Wir werden die Fortschritte prüfen und öffentlich berichten“, sagte FLA-Chef Auret van Heerden. Die zugesagten Veränderungen würden das Leben der 1,2 Millionen Foxconn-Beschäftigten erheblich verbessern und einen neuen Standard für chinesische Fabriken setzen, betonte er.

Fast zwei Drittel der Foxconn-Arbeiter (64 Prozent) sagten in der FLA-Umfrage, sie könnten mit dem Gehalt nicht ihre Grundbedürfnisse finanzieren. Dabei gelten die Einkommen bei Foxconn bereits als überdurchschnittlich in China, was die Jobs sehr begehrt macht. Die FLA werde die Lebenshaltungskosten in den Städten Shenzhen und Chengdu untersuchen, um zu prüfen, ob die Gehälter ausreichend seien.

Außerdem sei die Vergütung von ungeplanten Überstunden teilweise unfair geregelt, weil nur abgeschlossene 30-Minuten-Blöcke vergütet würden, erklärte die Organisation. Wer nach diesen Bestimmungen 28 Minuten arbeite bekomme gar keine Überstunden bezahlt, bei 58 Minuten gebe es nur zusätzliches Geld für eine halbe Stunde.

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2 Kommentare zu "FLA-Untersuchung: Unter welchen Bedingungen Chinesen bei Foxconn arbeiten"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Geld verdienen, ja.
    Aber nicht um jeden Preis!
    Also, nicht alles mitmachen!
    Durchaus auch einmal Hirn einschalten und hinterfragen:
    Was kostet ein Produkt wirklich!

    Kurzfristgewinne sind langfristig schlecht für die Wirtschaft.

  • "Zugleich bescheinigte die FLA Foxconn Fortschritte bei der Prävention von Aluminiumstaub-Explosionen. Im vergangenen Jahr waren bei zwei solcher Detonationen in der iPad-Produktion 4 Menschen getötet und 77 verletzt worden."
    Also wenn bei einer iPad-Produktion 4 Menschen sterben und 77 Menschen verletzt werden - dann sollte auf jeden Fall ein iPad gekauft werden, um die misearablen Bedingungen weiter zu fördern?! Ist es das wert? Sind diese Produkte Lebensnotwendig? Nur damit sich unser einer nicht langweilt, oder schnell mal was bei facebook posten kann, etc., etc., etc., während er unterwegs ist...
    Vielleicht sollte man sich überlegen ob der Preis hierfür im richtigen Verhältnis steht!
    Natürlich ist heutzutage alles schneller, moderner und teurer; und es ist schön dass Schwellenländer dabei eingebunden werden, um ihre eigene Wirtschaft anzukurbeln (...)ALLERDINGS sollte man hierbei auch abwägen ob es das wert ist. Und wenn Unternehmen um jeden Preis ihre Gewinne steigern wollen, dann sollten die Endverbraucher an dieser Stelle nochmals in sich gehen und kurz über Ihre Werte und Prinzipien nachdenken, bevor sie eine Produkt kaufen, bei welchen Menschen sterben müssen.