Foxconn will Sharp Apple-Zulieferer mit angeschlagenem Elektronikriesen einig?

Sharp ist angeschlagen und sucht nach einem Retter. Die japanische Regierung will angeblich verhindern, dass der Elektronikkonzern in ausländische Hände gelangt. Die taiwanische Foxconn könnte dennoch zum Zug kommen.
Update: 04.02.2016 - 09:25 Uhr
Foxconn könnte für den angeschlagenen Elektronikkonzern zum Retter werden. Quelle: dpa
Fernseher von Sharp

Foxconn könnte für den angeschlagenen Elektronikkonzern zum Retter werden.

(Foto: dpa)

TokioDer angeschlagene Elektronikkonzern Sharp gibt einem Insider zufolge dem taiwanesischen Apple-Zulieferer Foxconn den Vorzug für einen Rettungsplan. Damit lasse der japanische Konzern ein Angebot des einheimischen Staatsfonds INCJ liegen, sagte am Donnerstag eine mit dem Vorgang vertraute Person.

„Wir werfen unsere Ressourcen in die Verhandlungen mit Hon Hai“, sagte Sharp-Chef Kozo Takahashi nach einer Vorstandssitzung am Donnerstag vielsagend. Hon Hai Precision Industries ist das Unternehmen, dass unter dem Markennamen Foxconn bekannt ist.

Damit ist zwar noch nichts endgültig entschieden. Erst innerhalb eines Monats rechnet Sharp mit einem endgültigen Deal. „Aber dass Foxconn nun die besseren Karten hat, kommt unerwartet“, meint Gerhard Fasol vom Technikberater Eurotechnology in Tokio. Denn bisher hatten Japans Medien den INCJ als haushoher Favorit gehandelt, obwohl der deutlich weniger geboten hatte.

Foxconn habe über 700 Milliarden Yen (etwa 5,3 Milliarden Euro) geboten, berichtete der Sender NHK, mehr als doppelt so viel wie INCJ. Sharp und Foxconn lehnten zunächst Stellungnahmen ab. Sharp-Aktien stiegen an der Börse in Tokio im Verlauf um fast 14 Prozent.

Von Plasmaclustern und Teemaschinen
Smartphones
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Sharp liefert nicht nur Displays an Apple, sondern baut auch selbst Smartphones. Mit Super-Zeitlupe, Sharps bestem Display und manchmal wasserdichtem Design treten sie vor allem mit dem iPhone in Konkurrenz, sind aber auch dort unterlegen. 

Tablets
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Sharp hat bereits eine lange Tablet-Geschichte, stellte sich aber oft selbst ein Bein. Als das Unternehmen seinen ersten iPad-Konkurrenten auf den Markt brachten, bestanden die Macher darauf, dass es sich nur um einen farbigen eBook-Reader handele. Das Gerät war kein Erfolg. Auch das neue AQUOS PAD SH-05G dürfte ein Nischenprodukt bleiben

Plasmacluster
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Ein Hit des japanischen Herstellers sind Luftreiniger, die durch die Ionisierung von Luft Staub binden und Viren töten sollen und so zum Beispiel in Krankenhäusern eingesetzt werden können. Es gibt sie als Standgeräte, eingebaut in Klimaanlagen oder auch mobile Ionenschleudern für den Schreibtisch oder zum Umhängen um den Hals.

Solarzellen
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Bevor der Solarboom in Deutschland begann, waren die Japaner mal einer der größten Solarzellenhersteller der Welt. Inzwischen rangiert der Konzern unter ferner liefen. Und die einst gefeierte Pioniersparte ist ein weiterer Mühlstein um Sharps Hals. Im Bild ist ein Arbeiter in einer Sharp-Fabrik in Sakai im Westen Japans zu sehen.

Fernsehgeräte
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Das größte Problem ist zugleich Sharps größter Erfolg: Der Pionier der Flach-TVs hat den Preiskampf gegen südkoreanische und chinesische Hersteller verloren.

Haushaltsgeräte
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Sharp ist in Japan auch ein wichtiger Hersteller von Haushaltsgeräten. Kombinierte Mikrowellen-Backofen-Herde zum Stellen der Healsio-Reihe sind ein Bestseller. In Japan gibt es kaum eingebaute Öfen, sondern sie werden nachträglich in den Küchenschrank gestellt. Im Bild Sharps Staubsaugerroboter „Cocorobo“.

Teemaschine
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Die Japaner haben von Nestlés Kaffeemaschine gelernt. Mit den Kaffeekapseln für die Nescafé-Maschinen verdienen sich die Schweizer dumm und dösig. Sharp will ähnliches nun mit einer Maschine für grünen Tee kopieren. 

Um das Schicksal von Sharp wird seit Monaten gerungen. Die Regierung in Tokio will früheren Angaben von Insidern zufolge verhindern, dass japanische Elektronikfirmen in ausländische Hände geraten. Sharp etwa verfügt über wichtige Patente.

Sharp war einst ein Pionier bei flachen LCD-Bildschirmen, geriet in den vergangenen Jahren jedoch vor allem durch die Konkurrenz von koreanischen Konzernen wie Samsung und LG sowie neuer chinesischer Anbieter bei Bildschirmen für Fernseher und Smartphones massiv unter Druck. Nach hohen Verlusten stand zeitweise sogar der Fortbestand des Konzerns infrage.

In den ersten neun Monaten des noch bis zum 31. März laufenden Geschäftsjahres verbuchte Sharp in operativer Rechnung einen Verlust von rund 29 Milliarden Yen (rund 222 Millionen Euro). Im gleichen Zeitraum des Vorjahres hatte der Konzern noch einen Betriebsgewinn in Höhe von 51,3 Milliarden Yen ausgewiesen. Unter dem Strich fiel in Folge erhöhter Umstrukturierungskosten ein Verlust von 108,3 Milliarden Yen an nach einem Fehlbetrag von 7,2 Milliarden Yen im gleichen Vorjahreszeitraum. Der Umsatz verringerte sich zudem um 7,1 Prozent auf 1,94 Billionen Yen, teilte Sharp am Donnerstag mit.

Dennoch hält das Unternehmen an seiner Prognose für das Gesamtgeschäftsjahr fest und geht weiterhin von einem operativen Gewinn von 10 Milliarden Yen und 2,7 Billionen Yen Umsatz aus.

  • rtr
  • dpa
  • mkö
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