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Freikarten-Affäre Ein Konzert der Rolling Stones kostet eine Hamburger Staatsrätin den Job

Freikarten für ein Stones-Konzert werden einer Spitzen-Beamtin zum Verhängnis. Die Staatsanwaltschaft ermittelt zudem gegen Mitarbeiter einer CTS-Eventim-Tochter wegen des Verdachts auf Bestechung.
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Das Auftakt-Konzert ihrer Welttour hat ein übles Nachspiel für Staatsrätin Elke Badde und zwei Mitarbeiter der CTS-Eventim-Tochter FKP Scorpio. Quelle: AP
Rolling Stones in Hamburg

Das Auftakt-Konzert ihrer Welttour hat ein übles Nachspiel für Staatsrätin Elke Badde und zwei Mitarbeiter der CTS-Eventim-Tochter FKP Scorpio.

(Foto: AP)

Die Alt-Rocker „The Rolling Stones“ um ihren Frontmann Mick Jagger sorgen in Hamburg noch ein Jahr nach ihrem Tour-Eröffnungskonzert im Stadtpark für mächtig Ärger. Am Montag musste sich deshalb sogar eine Staatsrätin in den einstweiligen Ruhestand verabschieden. Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) gerät ebenso unter Druck wie Mitarbeiter der Konzertagentur FKP Scorpio, gegen die weiter ermittelt wird.

Der Hintergrund: Der Konzertveranstalter aus dem Reich des Event-Konzerns CTS Eventim hatte für das umjubelte Konzert im Sommer 2017 Freikarten für eine Reihe von Beamten und städtischen Angestellten ausgegeben. Während die Verwaltung und der Konzern das als übliches Vorgehen sehen, keimte bei der Staatsanwaltschaft der Verdacht auf Bestechlichkeit und Bestechung auf.

Im vergangenen Jahr durchsuchte sie bereits ein Hamburger Bezirksamt und die Konzertagentur FKP Scorpio, die dem für die Genehmigung zuständigen Bezirksamt für das ausverkaufte Konzert 100 Freikarten sowie 300 Kaufkarten zur Verfügung gestellt hatte. An lokaler Brisanz gewann die Affäre zusätzlich, weil eine große Wiese im Stadtpark durch das Konzert mit 80.000 Besuchern nachhaltig in Mitleidenschaft gezogen wurde. Zwar finden im dem historischen Park regelmäßig Konzerte statt, doch die Größe des Tournee-Starts war ungewöhnlich. Daher hatte es neben Begeisterung vor der Genehmigung des Konzerts auch warnende Stimmen gegeben, die vor Schäden für den Park warnten.

Bereits am vergangenen Freitag informierte die Staatsanwaltschaft die Hamburger Behörden, dass gegen Staatsrätin Elke Badde (SPD) Anklage erhoben werde. „Im Hinblick auf die beamtenrechtlichen Regelungen und im gegenseitigen Einvernehmen“ habe der Senat die oberste Behörden-Beamtin in den einstweiligen Ruhestand versetzt, teilte die Stadt-Regierung am Montag mit.

Bürgermeister Tschentscher dankte ihr in der Mitteilung für sieben Jahre „engagierte Arbeit“ in der Gesundheitsbehörde. Die Opposition nutzte die Vorlage: Die Anklageerhebung wecke Zweifel an früheren Darstellungen auch aus der Finanzbehörde, der Tschentscher zum damaligen Zeitpunkt als Senator vorstand, kritisierte der Hamburger FDP-Fraktionsvorsitzende Michael Kruse.

Staatsrätin Badde war zum fraglichen Zeitpunkt auch in der Finanzbehörde tätig. Sie soll zwei Karten aus einem reservierten und vergünstigten Kontingent gekauft und bezahlt haben – für immerhin 357,50 Euro. Sie soll diese Karten jedoch „ohne jegliche Nachfrage und Ausübung dienstlicher Kontrolle“ vom Bezirksamt angenommen haben, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Damit soll sie der Vorteilsnahme und der Verleitung von Untergebenen zu Straftaten verdächtig sein, weil sie den Leiter des Bezirksamts, das den Karten-Deal eingefädelt hatte, dienstlich beaufsichtigte. Nach den ersten Ermittlungen der Staatsanwaltschaft habe sie zudem ein rückdatiertes Schreiben unterzeichnet, das dem Bezirksamtschef die Entgegennahme von Karten für ihn, seine Ehefrau und vier Bekannte erlaubte. „Tatsächlich kam eine – auch nachträgliche – Genehmigung der strafrelevanten Kartengeschäfte nicht in Betracht“, teilte die Staatsanwaltschaft Hamburg jetzt mit.

Für Tschentscher ist die Staatsrätin nicht das einzige Stones-Problem: Auch die Neubesetzung der Leitung des Bezirksamts Nord ist wegen der Freikarten-Affäre seit Monaten nicht geregelt. CDU-Fraktionschef André Trepoll kritisierte, Tschentscher ziehe viel zu spät Konsequenzen.

Und auch für den börsennotierten Konzern CTS Eventim beziehungsweise seine Tochter FKP Scorpio könnte das eigentlich erfolgreiche Stones-Konzert ein längeres Nachspiel haben: In einem weiteren laufenden Verfahren werde gegen zwei Mitarbeiter der Hamburger Konzertagentur wegen Bestechung ermittelt, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft dem Handelsblatt.

Dem damaligen Bezirksamtsleiter und seinem Stellvertreter droht entsprechend eine Anklage wegen Bestechlichkeit. Diese Ermittlungen seien umfangreicher, bis zu einer möglichen Anklageerhebung dauere es daher länger als bei der Staatsrätin, sagte die Sprecherin. Die Anklageerhebung im ersten Verfahren spricht jedoch dafür, dass die Ermittler auch die anderen Verdächtigen nicht vom Haken lassen werden.

Eine Sprecherin von FKP Scorpio sagte, sie könne dazu nicht Stellung nehmen, da es sich um eine laufende Untersuchung handle. Zu einem früheren Zeitpunkt hatte der Konzern mitgeteilt, die Freikarten seien von städtischer Seite angefordert worden. Die Staatsanwaltschaft teilte nun ebenfalls mit, das Bezirksamt habe die insgesamt 400 Karten beim Veranstalter angefordert. Offenbar gab es jedoch auch unter den möglichen Empfängern unterschiedliche Einschätzungen: Einige Bezirksabgeordnete sowie einzelne Beamte hatten angebotene Freikarten abgelehnt.

Die Stones dürfte die Affäre weniger interessieren: Mit 28 ausverkauften Konzerten auf ihrer vorerst letzten Tour sollen sie fast 240 Millionen Dollar eingespielt haben.

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