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Frühe DVD-Vermarktung des WM-Films Kinos drohen mit Filmboykott

Die deutsche Kinobranche steht vor einer neuen Zerreißprobe. Die großen Multiplex-Betreiber Cinemaxx und Cinestar wollen den von Star-Regisseur Sönke Wortmann produzierten Film „Deutschland. Ein Sommermärchen“ über die Fußball-WM nicht zeigen, da der Verleiher den Film bereits zwei Monate nach dem Kinostart als DVD anbieten will. In dieser Hinsicht stellt der Film jedoch einen Spezialfall dar.
  • Gregory Lipinkski und H.-P- Siebenhaar

HAMBURG / DÜSSELDORF. „Wir sind nicht bereit, Filme zu zeigen, bei denen das so genannte ,Auswertungsfenster‘ bis zur DVD unter vier Monaten liegt“, sagte ein Cinemaxx-Sprecher. Auch der Lübecker Konkurrent Cinestar wehrt sich: „Das ist für uns wirtschaftlich nicht vertretbar“, sagt ein Firmensprecher. Er begründet dies damit, dass deutlich weniger Besucher ins Kino gehen, wenn sie schon Wochen später den Film für ihr Heimkino kaufen können.

Auch ein früher TV-Start bereitet den Kinobetreibern Sorgen. Denn der öffentlich-rechtliche WDR will den Wortmann-Streifen Ende des Jahres im Weihnachtsprogramm ausstrahlen, heißt es. Der WDR hat den Film allerdings auch ganz alleine finanziert.

In der kriselnden Filmtheater-Branche sind solche Ausreißer kein Einzelfall. Bereits Anfang des Jahres hatte die Cinemaxx-Gruppe den US-Blockbuster „King Kong“ aus dem Programm genommen, nachdem der Medienkonzern NBC Universal den Streifen bereits nach wenigen Wochen als DVD in den Handel bringen wollte. Ähnliche Probleme gab es bei den Disney-Streifen „Herbie Fully loaded“ und „Sin City“.

Generell gilt in Deutschland dass zwischen Kinostart und DVD-Auswertung mindestens sechs Monate liegen sollen. Doch Wortmanns Dokumentarfilm über die deutsche Fußball-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft ist eine Ausnahme. „Da der Film nicht mit öffentlichen Mitteln gefördert wurde, gibt es für die Kinos keine rechtliche Handhabe, die Filmproduzenten an einer schnelleren DVD-Auswertung zu hindern“, sagte der Frankfurter Kinobetreiber Harald Metz.

Der WDR weist unterdessen die Darstellung zurück, wonach Wortmanns Film nicht genügend Auswertungszeit zwischen Kinostart und DVD-Verkauf habe. „Der Film und die Fernsehrechte sind zu hundert Prozent vom WDR und damit aus Gebührengeldern finanziert. Natürlich möchten wir den Film auch möglichst bald nach der WM zeigen“, sagt WDR-Fernsehdirektor Ulrich Deppendorf. Ursprünglich war die Ausstrahlung sogar schon für den Oktober geplant.

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