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Fußball-Bundesliga DFL-Chef Seifert kündigt Neuvergabe der Medienrechte an

DFL-Geschäftsführer Christian Seifert spricht im Interview über das Geschäft mit dem Fußball und die Abkühlung im englischen Pay-TV-Geschäft.
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Der Manager ist seit 2005 Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga. Quelle: dpa
Christian Seifert

Der Manager ist seit 2005 Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga.

(Foto: dpa)

MünchenDer deutsche Profifußball hat in der Saison 2017/18 mit 4,42 Milliarden Euro einen neuen Umsatzrekord erreicht. Das zeigt der „Wirtschaftsreport 2019“ der Deutschen Fußball-Liga (DFL), den das Handelsblatt einsehen konnte. Vor allem ein neuer Medienvertrag trug demnach 65 Prozent zum Wachstum bei. Unter dem Strich aber ging der Gewinn auf 102 Millionen Euro zurück, da die Klubs mehr Geld für Spielertransfers ausgaben.

Die Bundesliga sei „im Großen und Ganzen sehr gesund“, sagte DFL-Chef Christian Seifert dem Handelsblatt. Der Profifußball sei über ein Jahrzehnt hinweg sechsmal stärker als die deutsche Wirtschaft gewachsen. Er räumte aber sein, dass manche Spielergehälter „tatsächlich schwer nachvollziehbar“ seien.

Liga-Chef Seifert kündigte zudem einen neuen Medienvertrag an. „Wir wollen im Frühjahr 2020 die Medienrechte neu vergeben und arbeiten bereits seit einem Jahr daran.“ Die DFL habe neue Ideen entwickelt und rede mit dem Bundeskartellamt darüber.

Zur Frage, ob er wieder wie zuletzt mit 80 Prozent mehr Erlöse in diesem Geschäft rechne, erwiderte Seifert: „Es geht ja nicht nach dem Prinzip Hoffnung.“ Der abgekühlte Fernsehmarkt in England und Italien sind für ihn Warnzeichen: „Das sollte uns vorsichtig machen.“

Lesen Sie hier das komplette Interview mit Christian Seifert:

Herr Seifert, der deutsche Profifußball meldet Rekordumsätze, und doch fällt die Rendite. Wie gesund ist die Bundesliga eigentlich? 
Im Großen und Ganzen sehr gesund. Über eine Dekade hinweg ist der Profifußball jährlich durchschnittlich um 8,6 Prozent gewachsen, das ist rund sechsmal so stark wie die deutsche Wirtschaft insgesamt. Die Eigenkapitalquote der Bundesliga liegt aktuell bei 43 Prozent. In der Spielzeit 2017/18 wirkte sich für beide Ligen erstmals unser neuer Medienvertrag aus. 65 Prozent des Wachstums sind darauf zurückzuführen. 

Und doch blieb seltsamerweise unter dem Strich weniger Gewinn übrig. 
Mit Blick auf diese steigenden Medienerlöse haben Klubs bereits 2016 in Spieler investiert. Das führte zu steigenden Abschreibungen, die wiederum die Folge gestiegener Ablösesummen sind. Ich erwarte nicht, dass sich dieser Trend in den kommenden Saisons fortsetzt. Die jüngste Transferperiode im Winter lief bereits moderat.

Tatsächlich ist das Transfergeschäft immer wichtiger geworden. Fußball wird zum Im- und Export von Spielern.
Der Umsatzanteil liegt derzeit bei 16 Prozent. Und ja, auch manche Gehälter sind tatsächlich schwer nachvollziehbar. Den Marktkräften ist aber wenig entgegenzusetzen, solange es in Europa keinen „Gehaltsdeckel“ gibt. Und es gibt nun einmal insbesondere in Südeuropa einige Präsidenten großer Klubs, die träumen von der sportlichen Weltherrschaft. Die lassen sich das etwas kosten. 

Ist es nicht gefährlich, dass Ihr Geschäft immer stärker vom Rechteverkauf an TV-Sender und Internetanbieter abhängt? Das macht schon ein Drittel vom Gesamtumsatz aus. 
Das ist eine logische Folge des Geschäfts. Die Stadien und Werbemöglichkeiten der Klubs sind letztlich begrenzt, ebenso das Merchandising. Die Medienerlöse steigen deshalb am stärksten, weil neue Technologien und Endgeräte für Medienunternehmen immer auch neue Geschäftschancen bedeuten – und Sportrechte einen zentralen Schlüssel darstellen, um diese zu realisieren. In manchen Ländern machen Medienerlöse bis zu 70 Prozent des Geschäfts aus. Das ist dann definitiv ein Klumpenrisiko. Diese Gefahr sehe ich bei uns nicht.

Also hat Bayern-München-Chef Karl-Heinz Rummenigge recht mit der Erwartung, dass die Medienlizenzpreise hier explodieren werden? Die wichtigsten Player wie Amazon, Apple oder Netflix seien noch gar nicht im Spiel ...
Bei der letzten Medienrechte-Ausschreibung wuchsen wir um 80 Prozent, davor um 50 Prozent. Wir haben also schon viel Dynamik gezeigt.

Der Internetdienst Dazn hat Interesse an den Rechten ab der Saison 2021/22 angemeldet.
Es freut uns, wenn Unternehmen ihr Interesse zeigen. Wir wollen im Frühjahr 2020 die Medienrechte neu vergeben und arbeiten bereits seit einem Jahr daran. Wir werden dann sehen, wer sich für die Ausschreibung registriert und danach auch Taten folgen lässt.

Um wieder 80 Prozent Wachstum zu schaffen?
 Es geht ja nicht nach dem Prinzip Hoffnung. Wir haben bereits neue Ideen entwickelt und reden mit dem Bundeskartellamt darüber. Wir gehen das grundsätzlich sehr strategisch an, denn die Medienrechte sind ein unverzichtbarer Bestandteil der Umsatzplanung der Klubs, machen bei manchen sogar bis zu 50 Prozent der Gesamtumsätze aus.

Von welchen Trends gehen Sie aus?
Wir hatten etwa schon 2012 im Blick, dass sich Menschen zunehmend zeitlich unabhängig und mobil unterwegs per Handy oder Tablet Highlights von Spielen anschauen werden. Hierfür haben wir ein Rechtepaket entwickelt. Der Trend geht auch weiterhin zu kürzeren, prägnanten Formaten. Der Kern wird aber immer das Livespiel sein. Hinzu kommt: 90 Minuten Fußballspiel sind begrenzt – aber die Möglichkeiten, 90 Minuten zu verbringen, sind nahezu unbegrenzt. Deshalb müssen wir uns auch mit medialen Konkurrenzangeboten befassen. Dazu zählt die Premier League ebenso wie die nächste Netflix-Serie.

Bleibt nur das Problem, dass die Fernsehsender und Online‧firmen ihre teuer erkauften Fußballrechte am Ende auch refinanzieren müssen.
 Da sind kluge und scharfe Rechner am Werk. Hier fahren vor der DFL-Zentrale ja nicht einfach Lkws vor und werfen Bündel von Geldscheinen ab. Jeder verfolgt mit dem Erwerb der Rechte klare Ziele. Wir müssen daran mitarbeiten, dass unsere Partner Erfolg haben. Deshalb tun wir gut daran, wie ein Medienunternehmen zu denken, zu fühlen und zu handeln. Nur dann können wir Rechtepakete richtig bilden. 

Sie haben die Erlöse im Profifußball innerhalb von sieben Jahren verdoppelt. Wie lange brauchen Sie für die nächste Verdopplung?
(lacht) Auf jeden Fall länger als sieben Jahre. In England ist der Markt für Medienerlöse im Fußball abgekühlt, der Umsatz sank um zehn Prozent, obwohl 20 Prozent mehr Spiele auf den Markt kamen. Italien erreichte mit Mühe und Not das Vorjahresergebnis. Das sollte uns vorsichtig machen. Was wir bieten können, ist ein hochwertiges Produkt, das 40 Millionen Deutsche interessiert.

Herr Seifert, vielen Dank für das Interview.

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