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Fußballrechte Generation Z lässt die Bundesliga träumen

DFL-Chef Christian Seifert will mit neuen Formaten noch mehr Geld für die Fußballklubs herausschlagen. Eine neue Studie nährt seine Hoffnungen.
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Jüngere Zuschauer konsumieren Fußball auf anderen Kanälen. Quelle: dpa
Kameramann am Spielfeldrand

Jüngere Zuschauer konsumieren Fußball auf anderen Kanälen.

(Foto: dpa)

München Sie haben Abos von Netflix, Spotify und Amazon Prime. Warum also nicht auch noch von der Bundesliga? Der Chef der Deutschen Fußball-Liga (DFL), Christian Seifert, glaubt fest daran, dass die sogenannte Generation Z der heute 10- bis 22-Jährigen für die Vereine eine gewaltige Chance ist. „Diese Generation weiß, dass Inhalte ihren Wert haben und ist bereit, dafür zu bezahlen. Das ist eine wichtige Botschaft für alle Medienunternehmen“, sagte der Manager dem Handelsblatt.

Seifert stützt sich dabei auf eine Studie, die der Zusammenschluss der Proficlubs bei der WHU Otto Beisheim School of Management in Auftrag gegeben hat und die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. Die Ausarbeitung zeigt: Die jungen Fußballfans nutzen einerseits die Angebote, die es schon lange gibt. Sie schauen die Sportschau und verfolgen die Live-Übertragungen von Bezahlsendern wie Sky und Eurosport.

Andererseits haben sie aber ihre ganz eigenen Bedürfnisse, die sie sich auch etwas kosten lassen: „Die Jüngeren wünschen sich kürzere, individuelle Formate“, so Seifert. Ausschnitte von Partien etwa, die sie übers Internet auf dem Smartphone anschauen können. Oder die schönsten Torwartparaden eines Spieltags.

Der Sportkanal Dazn liefert Bundesliga-Clips per Internet heute schon 40 Minuten nach Ende der Spiele. Die Briten zeigen die Höhepunkte der Partien in Ausschnitten zwischen zwei und sechs Minuten Länge. Die jugendliche Kundschaft könnte künftig aber noch viel stärker auf ihre persönlichen Vorlieben zugeschnittene Kurz-Sendungen angeboten bekommen – gegen Gebühr, versteht sich.

Für Zuschauer in Japan würden Computer bereits die für sie relevanten Szenen ihrer einheimischen Stars in der Bundesliga herausfiltern, so Seifert. Das ließe sich auch auf viele andere mögliche Interessensgebiete übertragen.

Die WHU hat mehr als 7-000 Fußball-Interessierte im Internet befragt. Die Antworten liefern Seifert gute Argumente, um bei der nächsten Ausschreibung der Medienrechte neue, innovative Pakete zu schnüren – und damit noch mehr zu erwirtschaften. Für die bis 2021 laufende vierjährige Periode überweisen die Sender insgesamt gut 4,6 Milliarden Euro.

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Die Beratungsgesellschaft Deloitte kam unlängst ebenfalls zu dem Schluss, dass die Konsumenten zunehmend bereit sind, Geld für Inhalte im Internet auszugeben. „Die lange verbreitete Gratiskultur im Netz weicht langsam, aber stetig einer substanziellen Zahlungsbereitschaft“, heißt es in einer Analyse zur Mediennutzung in Deutschland.

Gleichzeitig würden die Inhalte „in immer mehr Spielarten angenommen“. Darauf müssten sich die Anbieter einstellen, „wenn sie zukunftsfähig bleiben und junge Verbraucher nicht verlieren wollen“.

Den Marktforschern von TNS zufolge nutzten 2016 lediglich sieben Prozent der Menschen in Deutschland mindestens einmal im Monat kostenpflichtige Inhalte im Internet, das sogenannte Video-On-Demand. 2017 waren es bereits 13 Prozent und für das vergangene Jahr kalkulierte TNS mit 18 Prozent.

Die DFL ist fest gewillt, die passenden Formate für die Jüngeren anzubieten. Derzeit tüftelt der Ligaverband an den Details des neuen Bieterwettbewerbs. Die WHU-Studie ist Teil der umfangreichen Marktforschung, mit der die Organisation jeweils vor einer Ausschreibung versucht, die Wünsche der Konsumenten bestmöglich zu erkennen.

Zum Jahresende sollen die Bedingungen feststehen, im zweiten Quartal 2020 will Seifert die Rechte schließlich vergeben. Für die Profivereine sind möglichst hohe Erlöse überlebenswichtig. Gut ein Drittel ihrer Einnahmen stammt aus den Übertragungen im Fernsehen und Internet.

Die Befragung der WHU hat gezeigt, dass die Spiele der Eliteklasse nach wie vor hoch attraktiv sind für die Zuschauer, gerade für die Jüngeren. Die Generation Z beschäftigt sich länger mit der Bundesliga als jede andere Altersgruppe, mehr als vier Stunden pro Spieltag. Seifert: „So wie sich die Dinge heute darstellen, brauchen wir uns keine Sorgen zu machen, dass sich die jüngere Zielgruppe nicht mehr für die Bundesliga interessiert.“

Es gibt noch einen anderen Grund, warum sich der Zusammenschluss der Proficlubs berechtigte Hoffnungen auf mehr Geld machen kann. Die Studie hat ergeben, dass die Generation Z neben der TV-Übertragung meist noch auf einen zweiten Bildschirm schaut. Per Handy oder Tablet rufen die jungen Fußball-Begeisterten zusätzliche Informationen zu Clubs und Spielern ab. Auf diesen Geräten lässt sich Werbung einblenden, wie es im TV bei einer laufenden Partie nicht möglich ist.

Das wiederum spült den Medienhäusern mehr Geld in die Kassen. „Das macht es leichter, die Fußballrechte zu refinanzieren“, meint Fußballmanager Seifert. Letztlich könnten die Konzerne daher auch mehr für die Inhalte ausgeben, so das Kalkül.

Wie viel die DFL letztlich erlöst, hängt freilich nicht nur von den angebotenen Paketen ab, sondern auch von der Zahl der Bieter. Tendenziell werden es mit den neuen Möglichkeiten im Internet aber mehr Firmen, die als Interessenten in Frage kommen. Die klassischen Geldgeber der DFL sind die TV-Gruppen, also ARD und ZDF, die Privatsender RTL und Pro Sieben Sat 1 sowie die Bezahlkanäle Sky und Eurosport.

Für die neuen Formate könnten weitere Konzerne ins Spiel kommen, das Internetkaufhaus Amazon etwa, Facebook, oder die Google-Tochter Youtube. Und natürlich der Streamingdienst Dazn, der letztes Mal dazugestoßen ist.

Ungefährdet ist die Position der Bundesliga unter den Jüngeren allerdings nicht, auch das zeigt die Studie. „Befragte der Generation Z sind grundsätzlich offener für das Angebot internationaler Wettbewerber als Befragte aus vorherigen Generationen“, so das Ergebnis der Umfrage. Die Konkurrenz, insbesondere die englische Premier League, ist immer nur einen Klick entfernt.

Und so gilt letztlich auch im Internetzeitalter: „Entscheidend is auf’m Platz“. Nur wenn die Bundesliga unterhaltsam und spannend bleibt, werden die Medienkonzerne auch künftig Milliarden für die Rechte ausgeben.

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1 Kommentar zu "Fußballrechte: Generation Z lässt die Bundesliga träumen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Warum wird das alles so verkompliziert. Man muss doch nur mal über den großen Teich auf die NFL schauen. Channel - spannende Highlightclips ( auch auf Youtube) etc. vorhanden. Ein bisschen Copypaste kann man ruhig mal wagen. .. hätte uns übrigends beim VA auch nicht geschadet. Komischerweise funktioniert das, samt der Kommunikation der Schiris, seit Jahren reibungslos ( "After reviewing ..."). Aber hey, lieber was Eigenes völlig Undurchdachtes hochziehen... Wie viele Schmähartikel hätte man sich sparen können.