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Gamescom

Viele Produktionen stammen aus dem Ausland.

(Foto: dpa)

Gamescom 2018 Deutsche Anbieter spielen beim Gaming keine Rolle – und fordern staatliche Hilfe

Heimische Computerspielefirmen tun sich schwer gegen die Konkurrenz. Vor der Gamescom stellt ihnen Staatsministerin Bär Hilfe in Aussicht.
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KölnWer die Bedeutung von Computerspielen verstehen will, der muss in dieser Woche die Gamescom besuchen. Auf der Messe in Köln werden sich voraussichtlich 350.000 Besucher anschauen, an welchen Produktionen die Studios arbeiten. Sie nehmen lange Wartezeiten in Kauf, so mancher kommt verkleidet als Elfe, Kämpfer oder Super Mario. Es geht nicht um Unterhaltung, sondern um ein Lebensgefühl.

Computerspiele boomen in Deutschland – doch deutsche Entwickler profitieren davon nur wenig: Sie tun sich schwer gegen die internationalen Konzerne. „Die deutschen Unternehmen können nicht mithalten, weil die Konkurrenz zum Beispiel aus Frankreich und Kanada einen klaren Kostenvorteil hat“, argumentiert Felix Falk, Chef des Branchenverbands Game. Dort fördert der Staat die Spielewirtschaft.

Seit Jahren fordert die Lobby hierzulande eine staatliche Unterstützung, wie sie in anderen Ländern üblich ist. In diesem Jahr könnte es konkret werden: Staatsministerin Dorothee Bär (CSU), die die Messe eröffnet, will sich in der Bundesregierung für eine umfangreiche Unterstützung der Branche einsetzen. Eine „zielführende und effiziente Förderung für Computerspiele“ sowie die Technologie sei sehr wichtig, so die Politikerin gegenüber dem Handelsblatt. Bis zu 100 Millionen Euro im Jahr halte sie für realistisch.

Für die Branche ist das ein wichtiges Bekenntnis. Ob die Förderung im parlamentarischen Prozess durchkommt, ist allerdings noch offen. Zudem entscheidet über den Erfolg nicht allein die staatliche Hilfe. Die Förderung sei „ein wichtiger Baustein“, sagt Jörg Müller-Lietzkow, Medienökonom von der Universität Paderborn – aber nun gelte es, „nachhaltige Strukturen in den Bereichen Personal und Finanzierung“ zu schaffen, ermahnt er die Branche.

Wettbewerb wird härter

Der Markt boomt. 2017 ist der Umsatz mit Hardware und Software auf einen Rekordwert von 3,3 Milliarden Euro gestiegen – zum Vergleich: Die Musikbranche erwirtschaftete knapp 1,6 Milliarden Euro. Deutsche Hersteller haben davon indes wenig: Bei Computerspielen, Abos und zusätzlichen Inhalten ist ihr Marktanteil auf 5,4 Prozent gesunken. Bei Konsolen und anderen Geräten spielt „made in Germany“ ohnehin keine Rolle.

Der wichtigste Grund: In den Segmenten, in denen deutsche Firmen stark sind, namentlich Spiele für Browser und Smartphones, ist die Konkurrenz in den vergangenen Jahren deutlich härter geworden. Dadurch seien die Kosten – beispielsweise für Entwicklung und Marketing – deutlich gestiegen, sagt Game-Geschäftsführer Falk. Das könnten die Konkurrenten dank staatlicher Unterstützung besser verkraften.

Die Effekte sind auf dem Arbeitsmarkt spürbar. „Die deutschen Studios können es schlechter wegstecken, wenn Spiele mal nicht gleich erfolgreich sind“, sagt Falk. Im Mediengeschäft, in dem sich Erfolge nur bedingt vorhersagen lassen, sei das eine Belastung: „Weil es an Planbarkeit fehlt, führt das zu einer hohen Volatilität.“ Die Zahl der Beschäftigten stagnierte 2017 trotz des Booms.

Eine Studie stützt die Argumentation der Spielelobby. Für viele Akteure sei es „eine Herausforderung, sich in diesem durch globale Entwicklungen schnell und stark verändernden Markt“ zu behaupten, schrieben die Wissenschaftler Oliver Castendyk von der Hamburg Media School und Jörg Müller-Lietzkow von der Universität Paderborn 2017. Aber: „Das notwendige Wissen und Können ist in Deutschland vorhanden.“

Der Spieleverband Game hat ein Modell entwickelt, das eine Förderung von zunächst 50 Millionen Euro vorsieht, die mit der Zeit auf bis zu 100 Millionen Euro steigen soll. Mit dem Fonds soll der Staat die Entwicklung von Spielen am Standort fördern, kleine wie große Produktionen. Ein sogenannter Kulturtest soll gewährleisten, dass die Spielentwicklung Bezug zu Deutschland oder Europa hat, aber auch innovativ ist.

Von der Förderung profitiere nicht nur eine einzelne Branche, betont Falk. „Es geht nicht nur um Spieleentwicklung, es geht um Technologien wie 3D-Simulationen, künstliche Intelligenz und Virtual Reality“ – diese seien alle für die Digitalisierung relevant. „Es ist ein Kampf um die Zukunftsfähigkeit der Länder als Digitalstandorte“, ist Falk überzeugt.

Die Chancen für die Branche stehen nicht schlecht. Die Große Koalition hat zu Beginn ihrer Amtszeit die Einrichtung eines Förderfonds beschlossen, nun lässt Staatsministerin Bär ein Konzept erarbeiten. „Wir sind bereits dabei, einfache und effektive Fördermechanismen zu entwickeln, von denen große wie auch kleine Studios profitieren“, sagte die Politikerin dem Handelsblatt. Über die genaue Summe müsse aber verhandelt werden. „Im Herbst werden wir im parlamentarischen Verfahren sehen, wie viel Geld für Computerspiele in den Haushalt 2019 eingestellt wird.“

Es ist ein wichtiges Signal: Die Förderung steigere die Attraktivität des Standorts, sagt Medienökonom Müller-Lietzkow. Sie allein reiche jedoch nicht aus, um die großen Projekte zu stemmen, wie sie auf der Gamescom zu sehen sind. Dafür brauche es Ankerproduktionen, die signalisieren, dass die Expertise für Großprojekte vorhanden ist. Und nicht zuletzt müsse manche Firma das Management professioneller aufstellen.

„Förderung ist ein erhebliches Element, um die Rahmenbedingungen der Hersteller zu verbessern“, sagt Benedikt Grindel, der beim französischen Hersteller Ubisoft das Studio Bluebyte leitet. Wichtig sei aber auch die Ausbildung von Fachkräften und die Kompetenzen der Studios.
Ubisoft etwa lässt große Produktionen wie „Assassin’s Creed“ in einem Verbund von Studios entwickeln – eines übernimmt die Führung, andere liefern zu. In dieser Hierarchie stehen die deutschen Standorte hintenan. Es gehe darum, „Schritt für Schritt Kompetenz aufzubauen“, sagt Grindel. Es dürfte also einige Zeit dauern, bis ein großer Titel, der auf der Gamescom Tausende Besucher anlockt, „made in Germany“ ist.

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